<< Schumann, Clara Josephine geborene Wieck
Schumann, Georg >>
Schumann, Richard
Geodät, Astronom, Geophysiker,
* 9.5.1864 Glauchau (Sachsen),
† 2.2.1945 Wien.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Richard (1831–88), aus Zwickau,
Kaufm.,
Fabrikbes. d.
Fa. „Schumann u. Heidner“ in
G., später d.
Fa. „C. Schumann, Pappenfabrik“ in Schmiedefeld,
S d. Julius (1805–33), aus Ronneburg, Buchhändler in Zwickau (
s. Gen. 1), u. d. Sophie Wilhelmine Lorenz (1810–60), aus Wittenberg;
M Amalie (1844–1921),
T d. Friedrich Gehrenbeck,
Färbereibes. in Chemnitz;
Ur-Gvm Johann Peter Gehrenbeck (1748–1821), aus Wichlinghausen
b. Elberfeld,
Fabr., errichtete 1801/02 d. erste Türkischrot-Färberei in Chemnitz (s. Von Albert bis Zöppel, 125
Biogrr. z. Chemnitzer
Gesch., 2000), Gottlieb Lorenz (1768–1836), aus Annaberg,
Sup. in Zwickau (s.
NND 14);
Gr-Ov Robert (s. 1,
⚭ Clara Wieck, s. 2);
B Karl (1865–1908),
Kaufm. in Dresden u. Leipzig-Ötzsch, Walther (
* 1876),
Fabrikbes. in Schmiedefeld;
Schw Clara (
* 1872,
⚭ Carl Max Hermstedt, 1869–1927,
Kaufm.,
Fabrikbes. in Waldenburg); –
⚭ Hamburg 1898 Erna (
* 1876),
T d. Hermann Jastram,
Kaufm. in Hamburg; 1
S Hilmar (1902–2001), aus Potsdam, 1954-61
Prof. f. Mineral. u.
Geol. an d.
TH Dresden, 1958-60 Dekan d.
Fak. f.
Math. u.
Naturwiss., 1961
PD an d.
TU Braunschweig, 1963-68
o. Prof. u.
Dir. d. Mineral.-petrograph.
Inst. ebd. (s.
Pogg. VII a, VIII;
Professoren TU Dresden), 1
T Gerda (
* 1899,
⚭ Paul Molisch, 1889–1946,
Dr. iur.,
Bibl. an d.
Univ. Wien,
Hist., s.
Kürschner, Gel.-Kal. 1940/41,
S d. Hans Molisch, 1856–1937,
Prof. d. Anatomie u.
Physiol. d. Pflanzen 1894-1909 an d.
Dt. Univ. in Prag, 1908-28 an d.
Univ. Wien, 1922/23 Dekan, 1926/27 Rektor, 1922-24 an d. Tohoku-
Univ. in Sendai, Japan, 1928 am Bose-
Inst. in Calcutta,
Mitgl. d.
Österr. Ak. d. Wiss., d.
Preuß. Ak. d. Wiss., d.
Bayer. Ak. d. Wiss., d.
Leopoldina, d.
Ak. d. Wiss. in Tokio, Dr.
h. c. mult.,
HR, s.
L).
Leben ↑
S. besuchte Schulen in Glauchau, Chemnitz und Leipzig, wo er 1882 das Abitur ablegte. Das Studium der Mathematik, Physik und Astronomie an den Universitäten Leipzig und Berlin schloß er 1888 bei Heinrich Bruns mit der Dissertation „Gang der Pendeluhr F. Dencker XII“ und der Promotion zum
Dr. phil. ab. Anschließend wurde er zweiter Observator an der Sternwarte der
Univ. Leipzig, ehe er 1891 an das
Preuß. Geodätische Institut in Potsdam wechselte, das unter der Leitung von Friedrich Robert Helmert (1843–1917) stand, der gleichzeitig das „Zentralbüro der Internationalen Erdmessung“ führte. Hier beschäftigte sich
S. intensiv mit der Erforschung der Erdfigur (Geoid), einem Hauptarbeitsgebiet des Instituts, und vermaß geodätische Grundlinien in Strehlen, Berlin und Bonn. Er entwickelte dabei ein später allgemein benutztes Verfahren zur Bestimmung des Mitschwingens eines frei schwingenden Sterneckschen Pendels.
1902 wurde
S. als Ordinarius für Vermessungswesen an die
TH Aachen berufen; 1911 trat er die Nachfolge von Wilhelm Tinter (1839–1912) an der
TH Wien an (1914/15 Rektor). 1912 wurde er Mitglied der „
Österr. Kommission der Internationalen Erdmessung“ und übernahm 1913-21 die Leitung von deren „Gradmessungsbüro“. Nach dessen Eingliederung in das neu geschaffene Bundesvermessungsamt fungierte er bis 1925 als Berater. Zu
S.s herausragenden Arbeiten auf dem Feld der Erdmessung gehört die 1922 veröffentlichte Studie „Der Meridianbogen Großenhain – Kremsmünster – Pola“ (1922, mit F. Hopfner). Präzisionsmessungen mit der Eötvös'schen Drehwaage im
südl. Wiener Becken führten ihn 1932 zur Erstellung von Gradientenplänen und zur Erschließung der reichen Erdgas- und Erdölvorkommen im Osten von Wien. Die Arbeitsbedingungen an seinem Institut an der
TH Wien verbesserte
S. durch den Bau von zwei Experimentierkellern und einem Turm für astronomische Messungen.
Auszeichnungen ↑
HR (1916);
Mitgl. d.
Leopoldina (1917);
Mitgl. d.
Österr. Ak. d. Wiss. (
korr. 1923,
o. 1937) u. d.
Ungar. Ak. d. Wiss. (
korr. 1926); Goethe-Medaille f. Kunst u.
Wiss. (1942).
Werke ↑
Schwankungen d. Stationspolhöhen d.
internat. Breitendienstes, in: Astronom.
Nachrr. 249, 1933, S. 117-58,
ebd. 251, 1934, S. 337-84,
ebd. 252, 1934, S. 33-48;
Eigenschwingungen einzelner Teile d. Erdkörpers, in:
Zs. f. Geophysik 11, 1935, S. 1-9;
Bedeutung d. Mittelwasserorte als Punkte am Geoid,
ebd., S. 193-96;
Festlandgezeiten u. Polhöhenschwankungen,
ebd. 18, 1943, S. 99-106;
Möglichkeiten
v. Polhöhenschwankungen infolge
v. Gezeiten d. festen Erdkruste, in: Denkschrr. d.
Ak. d. Wiss. Wien 106, 1943.
Literatur ↑
A. Berroth, in:
Zs. f. Geophysik 10, 1934, S. 65 f.
(P);
K. Mader, in: Gerlands
Btrr. z. Geophysik 42, 1934, S. 1 f.;
F. Hopfner, in:
Alm. d. Wiener
Ak. d. Wiss. 95, 1945, S. 352-54
(P);
Pogg. IV-VII a;
H. Haupt u. P. Holl, Datenbank
österr. Astronomen, CD-ROM, 2000;
ÖBL;
–
zu Hans Molisch:
Als Naturforscher in Indien, 1930;
Erinnerungen u. Welteindrücke e. Naturforschers, 1934
(Autobiogr.);
Alm. d. Wiener
Ak. d. Wiss. 88, 1938, S. 221-34;
Pogg. VI-VII a;
Österr. Naturforscher u. Techniker, 1951, S. 108-11
(P);
ÖBL;
Biogr. Lex. Böhmen.
Autor ↑
Franz AllmerEmpfohlene Zitierweise ↑
Allmer, Franz, „Schumann, Richard“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
749
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd117647756.html