<< Archenhold, Friedrich Simon
Archipoeta >>
Ardienhol(t)z, Johann Wilhelm von (eigentlich Johann Daniel)
Schriftsteller, Historiker und Publizist,
* 3.9.1743 Langfuhr bei Danzig,
† 28.2.1812 Oejendorf bei Hamburg.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus hannoverischer Adelsfamilie;
V Daniel Ardienholz (
† vor 1758), Wachtmeister, Leutnant, später Hauptmann;
M Charlotta Louisa,
T des kommandierenden Leutnants in der Westerschanze vor der
|Weichselmünde Boguslaus Gottfried Schmidt und der Eva Catharina Wandern;
⚭ Dresden 1786 Sophie Friederike von Roksch; 1
S, 2
T.
Leben ↑
Ardienholz wurde, nach Erziehung in der Berliner Kadettenanstalt, 1760 Offizier, im gleichen Jahre im Siebenjährigen Kriege schwer verwundet und infolgedessen 1763 entlassen. Ausgedehnte Auslandsreisen führten ihn
u. a. nach England, Frankreich und Italien. - Mit Ch. Schubart, Ch. M. Wieland und J. J. Eschenburg stand er in Verbindung; besonders Wielands Stil hatte es ihm angetan. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland (1780) schrieb der vielseitig interessierte, kenntnisreiche und mit einem glänzenden Stil begabte Ardienholz über Auslandskunde, Politik und Geschichte. „England und Italien" (2 Bände, Leipzig 1785), eine der meistgelesenen Reisebeschreibungen der Zeit, in der er Italien gegen England herabsetzt, begründete seinen schriftstellerischen Ruhm, wurde aber von Goethe in der „Italienischen Reise" wegen seiner „großtuigen verachtenden Manier" scharf getadelt. 1782-86 gab er die Zeitschrift „Literatur- und Völkerkunde" (ab 1787; „Neue Literatur- und Völkerkunde") heraus. Ein beliebtes Buch für alle Klassen des Volkes und, in das Französische übersetzt, auch für das Ausland, wurde seine 1789 erstmals im „Berliner Historischen Jahrbuch“ erschienene „Geschichte des Siebenjährigen Krieges in Deutschland“. Sie blieb jahrzehntelang maßgebend (
131893), obwohl sie nicht auf selbständigen Quellenstudien fußt. In seinem Streben nach dem weltbürgerlichen Ideal des freien und reinen Menschentums und als Freimaurer kam Ardienholz auch mit G. Forster in Verbindung und zog 1791 nach Paris. Dort war er der Herausgeber einer großen politischen Zeitschrift, sah sich aber bald zur Rückkehr nach Deutschland gezwungen und lebte zuletzt auf einem Gut bei Hamburg. Seine 1792 gegründete Zeitschrift „Minerva, ein Journal historischen und politischen Inhalts“ fand, nachdem A. L. Schlözers „Staatsanzeiger“ eingegangen war, in freisinnigen, gebildeten Kreisen eine dankbare Leserschaft und war die wichtigste seiner Zeitschriften-Gründungen, die nach seinem Tode noch bis 1858 erschien. Zu seinen Lebzeiten übergab er die Redaktion der „Minerva“ schon 1809 an F. A. Bran. 1787-90 leitete er in Hamburg die Zeitschriften „The British Mercury“ (12 Bände) und „The English Lyceum“ (1787-88). Bis in die napoleonische Zeit setzte er erfolgreich seine publizistische Tätigkeit mit wechselnden politischen Auffassungen und Stimmungen fort.
Werke ↑
Ann. d.
brit. Gesch., 20
Bde., Braunschweig (
Bd. 1). Hamburg (
Bd. 2-11), Tübingen (
Bd. 12-20) 1789-1800; Kleine
Hist. Schrr., 2
Bde., 1791; Miscellen
z. Gesch. d. Tages, 2
Bde., Göttingen 1795;
Gesch. Gustavs Wasa, 2
Bde., 1801; Die
Gesch. d. Flibustier, 1803; Gemälde
v. Europa im letzten J. d. 18. Jh.s entworfen
v. Hippolythus a Lapide
d. J., 1801
(fraglich).
Literatur ↑
ADB I;
F.X.v.Wegele,
Gesch. d.
dt. Historiogr., 1885, S. 960;
Goedeke VI, 1898, S. 280-82
(W, L);
F. Ruoff, J. W.
v. A., ein
dt. Schriftsteller
z. Z. d. französ. Revolution u. Napoleons, 1916;
O. Stein, Zur
Geneal. d. Familie
v. A., in:
Ztschr. f.
niedersächs. Familiengesch.,
Jg. 8, 1926, S.181 f.;
O. Tschirch,
Gesch. d. öffentl. Meinung in Preußen vom Basler Frieden bis
z. Zusammenbruch d. Staates, 2
Bde., 1933–34;
Schröder I, 1853, S. 84-87;
Hdb. d.
Ztg.wiss.,
hrsg. v.W.Heide,
Bd. 1, 1940, S.239 f.
Portraits ↑
Kupf. v. F. Grögory, nach Zeichnung
v. A. Graff (Öffentl.
wiss. Bibl. Berlin).
Autor ↑
Emil DovifatEmpfohlene Zitierweise ↑
Dovifat, Emil, „Ardienholz, Johann Wilhelm von“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
335 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118503839.html
<< Arbogastes
Arckenholtz, Johann >>
Archenholz, Johann Wilhelm
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Archenholz: Johann
Wilhelm von
A.
, geb. 1743 zu Langefuhr bei Danzig, † in Oyendorf bei Hamburg 1812. Er diente bis zum J. 1763 in der preuß.
Armee, zuletzt als Hauptmann im Regiment Puttkammer, und reiste
dann Jahre lang im Auslande, namentlich in England, Frankreich und
Italien. 1780 nach Deutschland
|zurückgekehrt, begann
er seine schriftstellerische Laufbahn, zu der ihm seine geistige
Gewandtheit, die Lebendigkeit seiner Auffassung und seine scharfe
Beobachtungsgabe sehr wohl befähigten. — Später kaufte er ein Gut
bei Hamburg, blieb aber bis an seinen Tod in ausgebreiteter
litterarischer Thätigkeit.
Zuerst gab er das Journal "Litteratur- und Völkerkunde" heraus,
1785 "England und Italien", in welcher Schrift sich eine für seine
Verhältnisse und seine Zeit auffallend unbefangene Würdigung
englischer Zustände und englischer Verfassung findet. —
Im "Berliner historischen Taschenbuch" von 1789 erschien die
Geschichte des siebenjährigen Krieges, für das große Publicum noch
heute die Hauptquelle der Kenntniß desselben. Die Frische und
Anschaulichkeit der Darstellung, die Wärme des Patriotismus und
die lebendige Schilderung der Gefechte gibt dem Buche einen
dauernden Werth. Der sachliche Inhalt des Werks ist ganz aus
Tempelhofs Anmerkungen zu Lloyd's Geschichte geschöpft und beruht
durchaus nicht auf selbständigen Studien. Die Schriften von
Berenhorst, Retzow, Gaudi (ungedruckt) und ihren Tadel Friedrich
d. Gr. hat er auch in späteren Ausgaben unberücksichtigt gelassen.
Er ist ein unbedingter Lobredner Friedrich d. Gr.; sein
"Siebenjähriger Krieg" wurde in mehrere fremde Sprachen übersetzt.
In einem Damen-Kalender erschien 1798 seine "Geschichte der
Königin Elisabeth"; später schrieb er "Annalen der britischen
Geschichte" und 1801 eine "Geschichte Gustav Wasa's".
A.
redigirte von 1792—1812 das Journal "Minerva, für
Politik, Geschichte und Litteratur", das sich große Verdienste um
die allgemeine Bildung erwarb und namentlich in militärischen
Kreisen viel gelesen wurde. Es ist eine der besten Zeitschriften
von großer Unparteilichkeit und Freiheit des Geistes. F.
A.
Bran redigirte die Minerva in Archenholtz Sinne von
1819—1857.
Autor ↑
v. Meerheimb.
Empfohlene Zitierweise ↑
Meerheimb, von, „Archenholz, Johann Wilhelm“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
511-512
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118503839.html?anchor=adb
Archenholz, Johann Wilhelm von
Name: Archenholz, Johann Wilhelm von
Namensvariante: Archenholtz, Johann Wilhelm von
Namensvariante: Archenholz, Johann Daniel von
Namensvariante: Archenholtz, Johann Daniel von
Lebensdaten: 1743 bis 1812
Geburtsort: Langfuhr bei Danzig
Sterbeort: Oejendorf bei Hamburg
Beruf/Lebensstellung: Historiker; Schriftsteller
Konfession: evangelisch?
Autor NDB:
Dovifat, EmilAutor ADB:
Meerheimb, vonPND: 118503839