<< Schulze-Varell, Heinz Arthur
Schumacher, Emil August >>
Schumacher von Marienfrid, Anton Johann (österreichischer Adel 1898)
Buchhändler, Verleger, Politiker,
* 17.4.1836 Innsbruck,
† 16.4.1918 Innsbruck,
⚰ Innsbruck, Westfriedhof. (katholisch)
Genealogie
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| Auszeichnungen
| Literatur
| Autor
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Genealogie ↑
V Johann Nepomuk
S. (1806-52), nach
phil. Studium 1824-28 Buchhandels- u. -druckerlehre im Fam.betrieb, in Frankfurt/M., Paris u. Mailand, übernahm nach Tod d. Vaters Buchhandlung u. Wagner'sche
Univ.-Buchdruckerei in
I.,
S d. Casimir Carl
S. (1766–1824), aus Freiburg (Br.), ließ sich 1872 in I. nieder, zunächst Buchhalter, dann Buchhändler in d. Wagner'schen Buchhandlung in
I., seit 1801 Gesellschafter d.
Fa., 1807-09
Bgm. in
I. (beide s.
ÖBL), u. d. Elisabeth Ongania (1770–1808);
M Juliane (1812–90),
T d. Anton
v. Egger zu Marienfrid, Tiroler Landmann u.
Güterbes., u. d. Antonia
v. Wörndle zu Adelsfried (
† 1826);
Ur-Gvv Jakob Friedrich Wilhelm
S. (
* 1737), aus Stuttgart, später Freiburg (Br.), Zollamtsoffizial;
Ov Franz
S. (1861–1939), Tiroler
Pol., 1905 Min.rat, 1917
Senatspräs.,
Schriftst., Philipp
S. (1866–1940), Maler u. Illustrator in Wien, 1900 in Berlin, 1906 in München, seit 1919
v. a. kirchl. Monumentalgem., seit 1934 Altargem. (beide s.
ÖBL);
B Johann Baptist
S. (1840–1908),
Dr. iur., Advokat u. Schriftleiter in
I., Ludwig
S. (1845-94),
Gutsbes. u. Gde.vorstand;
Schw Maria (1838–63,
⚭ Hugo
Frhr. v. Eliatschek-Siebenburg, Oberlt.); –
⚭ Innsbruck 1864 Anna (1839–1904), aus
I.,
T d. Josef Erler, Magistratsrat u. Gastwirt, u. d. Genovefa Unterberger; 3
S Eckart (1867–1927,
⚭ Margarethe [Anna] Kapferer, 1870–1938, Bankiers-
T ), Buchdrucker, Buchhändler u. Verleger, Gde.rat in
I., Verw.rat d. Bank f. Tirol,
Ehrenmitgl. d.
Mus. Ferdinandeum (s.
ÖBL;
L), Julius (1869–1961,
⚭ Christine Lienhart, 1880–1950),
Dr. iur.,
RA, Siegmund (1872–1944,
⚭ Luise Ortlieb, 1875–1950),
Dr. med.,
ao. Prof. f. Histol. u.
Embryol. an d.
Univ. Innsbruck, 1918/19 Dekan d.
med. Fak., 1921-24 Senator,
Mitgl. d.
Österr. Ak. d. Wiss. u. d.
Preuß. Ak. d. Wiss. (s.
ÖBL;
Tirol-Lex.); 1
T Maria (1870–1938,
⚭ Dr. Georg Pockels, 1864–1953,
Statthalterei-Vizepräs.);
Vt Josef
S. (1894–1971), 1935-38 Landeshptm.
v. Tirol, später
Landesamtsdir. (s.
ÖBL);
E Margarethe (
⚭ Rudolf Hittmair, 1889–1940,
Dr. phil., Erzieher d. Söhne d.
Ehzg. Franz Ferdinand, Assistent an d.
Nat.bibl. Wien, trat 1922 in d. Wagner'sche Univ.buchhandlung in
I. ein, 1926
o. Prof. d. Anglistik an d.
TH|Dresden, 1931 in Tübingen, 1936 in Wien, s.
ÖBL;
Anglistenlex.).
Leben ↑
S. besuchte in Innsbruck die Volksschule und 1847-50 eine private Erziehungsanstalt in Lauterach bei Memmingen. Nach dem Tod seines Vaters trat er auf Weisung seines Vormunds in Wien in der Beck'schen Universitätsbuchhandlung als Lehrling ein und nahm nach seiner Freisprechung als Geselle (1854) in München bei der Rieger'schen Buchhandlung eine Stelle als Gehilfe an. 1857 trat er in Rom in die
dt. Buchhandlung Spithöver ein. 1858/59 wurde er in Augsburg bei Johann Peter Himmer (1801–67) in die Buchdruckerei eingeführt. 1859 übernahm
S. das Familienunternehmen, die Wagner'sche Universitäts-Buchdruckerei sowie die Verlags- und Sortimentsbuchhandlung in Innsbruck (seit 1862
k. k. Univ.-Buchhandlung), die 1868 in sein Eigentum überging. Unter seiner Leitung expandierte der Betrieb. 1862 übernahm
S. die von der liberalen Partei in Innsbruck gegründete Daumsche Buchdruckerei, die
bes. bezüglich der Herausgabe wissenschaftlicher Werke erhebliche Bedeutung erlangte. Da die Druckerei als einzige in Deutschland und Österreich uigurische und mongolische Typen aufzuweisen hatte, wurde sie 1879 von der
Fa. Brockhaus in Leipzig mit dem Druck einschlägiger Werke beauftragt.
S. gründete 1872 eine Leihbibliothek in Innsbruck sowie Buchhandlungsfilialen in Feldkirch und Brixen, die er indes 1890 an Arthur Dittrich
bzw. den
Kath. politischen Pressverein veräußerte. Mit 1.1.1898 verkaufte
S. sämtliche Geschäftszweige der Firma an seinen ältesten Sohn Eckart. Dieser veräußerte aus Gesundheitsgründen 1916 das Geschäft mit Ausnahme der Buchhandlung an die Firma R. Kiesel in Salzburg. Kiesels Schwiegersöhne Engelbert Buchroithner (1882–1936) und Josef Rutzinger (
† 1931) übernahmen die Leitung der Buchdruckerei (WUB = Wagner'sche
Univ.-Buchdruckerei) und der seit 1854 erscheinenden „Innsbrucker Nachrichten“. 1921 kam es zur Trennung des Verlages und der Buchdruckerei, zwischen denen seither keine verwandtschaftliche und besitzmäßige Verbindung mehr besteht.
S. spielte im öffentlichen Leben Innsbrucks eine bedeutende Rolle. Der Innsbrucker Sparkassenverein, in dem
S. seit 1863 tätig war (1886-90 Vorstandsrat, 1891-1918 Sparkassenvorsteher), entwickelte sich unter seiner Leitung zu einer der ersten Sparkassen Österreichs. 1905 wurde er als Vorsitzender des Verbandes der Deutschtiroler und Vorarlberger Sparkassen, den er mitbegründet hatte, in den Verwaltungsrat der Zentralbank der
dt. Sparkassen in Prag berufen. 1868-95 gehörte
S. als Liberaler dem Innsbrucker Gemeinderat an und war 1877-86 Vizebürgermeister. 1869 in die Innsbrucker Handels- und Gewerbekammer gewählt (seit 1881
Vizepräs., 1886-1902
Präs.), wurde auf seine Initiative hin die Handelsschule gegründet, aus der sich die Handelsakademie entwickelte, sowie die Fachschule für das Kleineisengewerbe in Fulpmes. Außerdem fiel die Errichtung der Stubaitalbahn (1904) in seine Amtszeit, und nicht zuletzt war die Tiroler Landesausstellung von 1893 sein Werk. Seit 1881 stand
S. auch an der Spitze des neugegründeten Fremdenverkehrsvereins für Nordtirol, war Vorstand der Bezirkskrankenkasse (Innsbruck) und für die Salzburger Arbeiter-Unfallversicherung führend tätig. Als Mitbegründer der Sektion Innsbruck des
Dt. Alpenvereins (1869, bis 1874 Kassier)
bzw. (Ehren-)Mitglied des späteren
Dt. und
Österr. Alpenvereins erwarb er sich gleichfalls Verdienste. Deutschvölkisch gesinnt, war
S. Ausschußmitglied des Vereins zur Erhaltung der
dt. Schulen in Südtirol und leitete seit der Gründung des Tiroler Volksbundes (1905) dessen Innsbrucker Ortsgruppe.
Auszeichnungen ↑
Kriegskreuz f. Zivilverdienste II.
Kl.; Kriegsmedaille; Denkmünze f. d. Tiroler Landesverteidiger
v. J. 1859; goldene Medaille f. Kunst u.
Wiss. (1864);
Rr. d. Ordens
v. Zähringer Löwen I.
Kl.; Rr.kreuz d. Franz Joseph-Ordens (1881); Orden d. Eisernen Krone III.
Kl. (1894); Verw.rat d. Zentralbank d.
dt. Sparkassen; Obmann d. Aufsichtsrates d. Innsbrucker Handelsschule (1879–1913); Ehrenbürger d. Landeshauptstadt Innsbruck (1916) u. d.
Gde. Fulpmes.
Literatur ↑
A. Durstmüller
d. J., 500 J. Druck in
Österr.,
Bd. 1-2, 1982-85 (
Bd. 2 mit N. Frank);
R. Granichstaedten-Czerva,
Btrr. z. Fam.gesch. Tirols, 1954;
F. Huter,
Gesch. d. Sparkasse d. Stadt Innsbruck, 1962
(P);
N. G. Kogler, Zw. Freiheit u. Knebelung, Die Tagespresse Tirols
v. 1914 bis 1947, 2000;
F. Mathis, Für Wohlstand u. wirtschaftl. Entwicklung, 175 J. Tiroler Sparkasse, 1997;
R. Schober,
Gesch. d. Tiroler
LT im 19. u. 20.
Jh., 1984;
Eckart
v. Schumacher, in: Verlags-
Kat. d. Wagner'schen
Univ.-Buchhandlung in Innsbruck, 1904,
S. XVI ff.;
ders.,
Btrr. z. Fam.gesch., 1924, S. 59-77;
Tiroler
Wirtsch. in Vergangenheit u. Gegenwart 1-2, 1951
(P);
F. Trnka, in:
Mitt. d.
Dt. u.
Österr. Alpenver., 1918, S. 65 f.;
ebd. Nr. 9/10
v. 31.5.1918;
Wagner'sche
Univ.-Druckerei (
Hg.), 450 J. Wagner'sche
Univ.-Druckerei Buchroithner &
Co. Nfg.
GmbH &
Co. KG, 1998;
ÖBL;
Tirol-Lex.Autor ↑
Wolfgang MeixnerEmpfohlene Zitierweise ↑
Meixner, Wolfgang, „Schumacher von Marienfrid, Anton Johann“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
733-734
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd137204159.html