<< Schulze-Boysen, Harro
Schulze-Delitzsch, Franz Hermann >>
Schulze-Boysen, Libertas, geborene Haas-Heye
* 20.11.1913 Paris,
† (hingerichtet) 22.12.1942 Belin-Plötzensee.
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Otto Haas-Heye (1879–1959),
Prof., Leiter d. Mode- u. Kostümabt. d. Unterr.anstalt d. Kunstgewerbemus. in
B.,
S d. Hermann Haas, Verleger, u. d.
N. N. Heye;
M Viktoria (1886–1967),
T d. Philipp Fürst zu Eulenburg u. Hertefeld,
Gf. v. Sandels (1847–1921),
Dr. iur.,
Dipl. u.
Pol. (s.
NDB IV), u. d. Augusta
Gfn. v. Sandels (1853–1941); 1
Schw Ottora (
* 1910), 1
B Johannes (
* 1912); –
⚭ 1936 Harro Schulze-Boysen (s. 1).
Leben ↑
S., die ihre Jugend in Zürich verbrachte, siedelte nach der Maturitätsprüfung und einem Englandaufenthalt nach Berlin über, wo sie 1933-35 als Pressereferentin der Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer beschäftigt war. Der Jugendbewegung nahestehend, trat sie im März 1933 der NSDAP bei, die sie im
Jan. 1937 wieder verließ. Seit Juli 1935 lebte sie mit ihrem späteren Ehemann Harro zusammen und gelangte zu einer regimekritischen Haltung. Nach einigen literarischen Versuchen betätigte sich
S. als Filmkritikerin für die „Essener Nationalzeitung“, deren Berliner Redaktion sie seit 1940 angehörte. Seit
Nov. 1941 arbeitete sie als Referentin in der
Dt. Kulturfilmzentrale im Reichspropagandaministerium.
S. spielte eine wichtige Rolle im Freundes- und Widerstandskreis um ihren Mann, den sie bei seinen Aktivitäten unterstützte. Sie beteiligte sich an der Herstellung von Flugschriften, leistete Kurierdienste und vermittelte gesellschaftliche Kontakte. Aus Bildmaterial, das in der Kulturfilmzentrale einging, legte sie eine Dokumentation über die
dt. Verbrechen in Osteuropa an. Der Gegensatz zwischen ihrer bevorzugten Stellung in der Filmbranche und der konspirativen Tätigkeit an der Seite ihres Mannes überforderte die zugleich mutige wie labile
S. zunehmend. Nach der Verhaftung ihres Mannes versuchte sie, Spuren zu verwischen und Mitstreiter zu warnen, wurde aber am 8.9.1942 ebenfalls verhaftet. Unter dem Druck der Verhöre durch die
Gestapo belastete
S. andere Mitglieder der Widerstandsgruppe. Die Hoffnung, dadurch ihr Leben zu retten, wurde enttäuscht. Das Reichskriegsgericht verurteilte auch sie wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Feindbegünstigung und Spionage zum Tode.
Literatur ↑
s. auch
L zu 1);
Helmut Meyer, Von d. Hohen Promenade
z. „Roten Kapelle“, Der Weg d. L. Haas-Heye (
S.-B.) in d. antinat.sozialist. Widerstand,
|2000
(P);
ders., in:
NZZ v. 18.7.2000
(P);
M. Z. Schröder, in:
SZ v. 17.1.2003
(P);
Lex. Widerstand.
Autor ↑
Johannes HürterEmpfohlene Zitierweise ↑
Hürter, Johannes, „Schulze-Boysen, Libertas, geborene Haas-Heye“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
730-731
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd122709195.html
Schulze-Boysen, Libertas
Name: Schulze-Boysen, Libertas
Namensvariante: Haas-Heye, Libertas
Lebensdaten: 1913 bis 1942
Geburtsort: Paris
Sterbeort: Belin-Plötzensee
Beruf/Lebensstellung: Widerstandskämpferin
Autor NDB:
Hürter, JohannesPND: 122709195