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NDB-Artikel

<< Schulz, Johann Abraham Peter     Schulz, Wilhelm Friedrich >>

Schulz, Walter

Philosoph, * 18.11.1912 Gnadenfeld (Oberschlesien), 12.6.2000 Tübingen, Bad Boll bei Göppingen, Friedhof d. Evangelischen Brüder-Unität. (evangelisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturNachlassAutorZitierweise

Genealogie  
V Wilhelm August (1874–1945), seit 1899 Mitgl., seit 1902 Diasporaprediger, seit 1932 Diaconus d. Herrnhuter Brüdergemeine in G., S d. Friedrich u. d. Emilie Kelm; M Emilie Marie Louise Müseler (1867–1946); Leipzig 1943 Ruth-Eva S.-Seitz (1918–95), Dr. phil., Philosophin, 1949/50 Assistentin v. E. Bloch, 1974 Mitgründerin d. Internat. Assoziation v. Philosophinnen in Würzburg, seit 1989 in Berlin; 2 S Georg-Michael (* 1945), Prof. f. Germanistik in Kassel (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2005; W), Christian (* 1946), RA in T.; 1 T Angelika (* 1949, Gottfried Schweitzer, Soz.päd.), kaufmänn. Angest.

Leben  
S. besuchte 1925-33 das Pädagogium der Brüdergemeine in Niesky (Niederschlesien). 1933-38 studierte er in Marburg und kurzzeitig in Breslau Philosophie v. a. bei Karl Löwith (1897–1973) und Hans-Georg Gadamer (1900–2002), klass. Philologie und ev. Theologie bei Rudolf Bultmann (1884–1976). Seinem philosophischen Lehrer Gadamer folgte S. 1939 nach Leipzig, wurde aber wenig später zum Kriegsdienst eingezogen. Einen Lazarettaufenthalt nach einer seiner beiden schweren Verwundungen nutzte er zur Fertigstellung einer Arbeit über Unsterblichkeitsbeweise im Platonischen Phaidon, mit der er 1944 bei Gadamer promoviert wurde. Auf dessen Anregung habilitierte sich S. 1951 in Heidelberg mit der Abhandlung „Die Vollendung des Dt. Idealismus in der Spätphilosophie Schellings“ (1955, 21975). 1955 erhielt er ein Ordinariat in Tübingen, wo er seit 1954 vertretungsweise gelehrt hatte (em. 1978). Von Studenten aller Fachrichtungen besucht, zählten seine mitreißenden Vorlesungen zu den universitären Ereignissen, womit er zu einer, Tübinger Institution' wurde und neben Ernst Bloch (1885–1977) und Otto Friedrich Bollnow (1903–91) das philosophische Renommee der Universität prägte. Mehrere Rufe, u. a. nach Freiburg (Br.), wo er 1958 die Nachfolge Martin Heideggers (1889–1976) antreten sollte, lehnte er ab. Politisch linksliberal, begleitete S. die Studentenbewegung mit kritischer Sympathie.
Auch als Autor fand der besonders vom Dt. Idealismus und von Heidegger beeinflußte S. Gehör, v. a. mit dem „Gott der neuzeitlichen Metaphysik“ (1957, 81991; span., japan., franz. Überss.) und seinem Hauptwerk „Philosophie in einer veränderten Welt“ (1972, 72001; ital., Jjpan. Überss.). Dieses stellt den großangelegten Versuch dar, die Philosophie in der Nachfolge Hegels als Theorie der Wirklichkeit zu begründen, wobei S. der Frage nach dem Sein (Begriff) des Faktischen (dem Wirklichen der Wirklichkeit) nachgeht. Damit greift er v. a. auf Schellings Spätphilosophie zurück, die das Ende der neuzeitlichen Metaphysik als Scheitern an der Frage nach der Wirklichkeit bestimmt und das Tor zu einer nachmetaphysischen Philosophie aufgestoßen habe. Diese durchmessend, suchte S. jene auch in seinen späteren Werken aus der paradoxen Struktur der Subjektivität verständlich zu machen.

Auszeichnungen  
Verdienstmedaille d. Landes Baden-Württ. (1983).

Werke  
Weitere W Seele u. Sein, Btrr. z. phil. Interpretation d. Unsterblichkeitsbeweise im Platon. Phaidon, Diss. Leipzig 1944; Wittgenstein. Die Negation d. Philos., 1967, 21979 (span., japan. Überss.); Johann Gottlieb Fichte, Sören Kierkegaard, 21977 (= J. G. Fichte, Vernunft u. Freiheit, 1962 [span. Übers.] u. S. Kierkegaard, Existenz u. System, 1967); Ich u. Welt, Philos. d. Subjektivität, 1979 (japan. Übers.); Vernunft u. Freiheit. Aufss. u. Vortrr., 1981; Metaphysik d. Schwebens. Unterss. z. Gesch. d. Ästhetik, 1985; Grundprobleme d. Ethik, 1989, 21993; Subjektivität im nachmelaphys. Za., 1992; Der gebrochene Weltbezug, 1994; Prüfendes Denken, hg. v. G. Ueding, 2002; – Autohiogr. in: L. J. Pongratz (Hg.). Philos. in Selbstdarst., II, 1975, S. 270-315 (W, L);|

Nachlass  
Nachlaß: Univ.bibl. Tübingen; Bayer. Staatsbibl., München; DLA, Marbach; Staatsbibl. Berlin; Verlagsarchiv Klett-Cotta. Stuttgart; Privatarchiv Georg-Michael Schulz, Aachen.

Literatur  
H. Fahrenbach, Die gegenwärtige Kierkegaard-Auslegung in d. dt.sprach. Lit. v. 1948 bis 1962, Prof. W. S. z. 50. Geb.tag, 1962; ders. (Hg.). Wirklichkeit u. Reflexion, W. S. z. 60. Geh.tag. 1973; ders., Philos. in d. veränderten Wult, Zum phil. Werk v. W. S., in: Bloch-Jb. 2000, S. 155-84; H. Alfes, Dialektik d. Engagements. Elemente e. „Theorie d. Engagements“ entwickelt an W. S.s „Philos. in e. veränderten Welt“. Diss. München 1980; F. J. Wetz, Tübinger Triade, Zum Werk v. W. S., 1990; D. Wandschneider, Eine Metaphysik d. Schwebens, Zum phil. Werk v. W. S., in: Zs. f. phil. Forsch. 46, 1992. S. 557-68; R. A. Röhrner, Implikationen christl. Soziallehre in d. Philos. b. W. S., Versuch e. Ethik d. Schwebens, Lic.arb. München 1999; R. Breuninger. Die Philos. d. Subjektivität im Za. d. Wiss., Zum Denken v. W. S., 2004; S. Reusch, Subjektivität, Subjectum d. Macht, Diss. Stuttgart 2004 (Online-Ressource); R. Schulz, Wozu noch Metaphysik?, in: Allg. Zs. f. Philos. 30, 2005, S. 253-69; Baden-Württ. Biogrr. IV; BBKL 21 (W, L); Munzinger.

Autor  
Renate Breuninger, Werner Raupp
Empfohlene Zitierweise  

Breuninger, Renate; Raupp, Werner, „Schulz, Walter“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 717 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118762524.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S. 717

PND: 118762524
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Index

Schulz, Walter

Name: Schulz, Walter
Lebensdaten: 1912 bis 2000
Geburtsort: Gnadenfeld (Oberschlesien)
Sterbeort: Tübingen
Beruf/Lebensstellung: Philosoph
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Breuninger, Renate; Raupp, Werner
PND: 118762524

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Schulz, Walter

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118762524

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