<< Schulz, Franz Georg
Schulz, Johann Abraham Peter >>
Schulz, Fritz Heinrich
Jurist, Rechtshistoriker,
* 16.6.1879 Bunzlau (Bolesławiec, Schlesien),
† 12.11.1957 Oxford. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Julius (1848–97),
Fabrikdir. in
B.;
M Clara Landsberger (1852–1930);
B Hans (1886–1915
⚔).
Dr. phil.,
PD f. Germanistik in Freiburg (Br.).
Vf. e. „Abriss d.
dt. Grammatik“, 1914, Ersthg. d. „
Dt. Fremdwörterbuch“, seit 1913 (s. F. Kluge, in: Akad.
Mitt. d. Albert-Ludwig-
Univ. Freiburg/Br.,
NF XVII
v. 2.2.1915), Max (1885–1952),
Dr. iur., Steuerjurist,
Präs. d. Oberfinanzdirektion in Kiel;
Schw Marie (1882–1935),
Dr. phil., Gymnasiallehrerin, 1920-29
Abg. d.
thüring. LT (
DDP); –
⚭ Kiel 1914 Martha (1887–1977),
Dr. med.,
T d. Rüben (später Rudolph) Plaut (1843–1914),
Dr. phil., Rabbiner in Frankfurt/Main, u. d. Rosa
N. N.; 2
S Thomas (1918–98),
Mitarb. d. US-Nachrichtendienstes, Johann (1920–94), Chemiker, Univ.doz. in d. USA, 2
T Renate (1917–79), MD, Ärztin in England, Dorothea Meek (
* 1926), Slavistin.
Hg. v. „Soviet Youth“, 1957.
Leben ↑
Nach dem Studium der Rechtswissenschaft in Berlin (
bes. bei Emil Seckel) und der Promotion in Breslau (1904) brach
S. den als reizlos und unfrei empfundenen Referendardienst ab. Er legte verschiedenen Universitäten eine Habilitationsschrift vor, die 1905
|in Freiburg (Br.) angenommen wurde.
S. übernahm Professuren für
Röm. Recht in Innsbruck (1909), Kiel (1912), Göttingen (1916), Bonn (1923) und Berlin (1931). Nach
Nov. 1918 war
S. kurzfristig für die linksliberale
DDP in Göttingen tätig. Seit Herbst 1933 wurde er aus politischen Gründen an weiterer Lehre gehindert, 1934 zur Emeritierung gezwungen. Die im Sommersemester 1933 gehaltene Vorlesung „Prinzipien des
röm. Rechts“ – ein mutiges Bekenntnis zu Humanismus, Liberalismus und lateinisch-westlicher Zivilisation – ist in der 1934 veröffentlichten Form, ein quellengesättigtes Werk interdisziplinärer Altertumswissenschaft im Sinne Theodor Mommsens, zum Klassiker geworden. Nach erfolglosem Bemühen um eine Professur im Ausland emigrierte
S. mit seiner Ehefrau 1939 über Leiden nach Oxford. Dort entfaltete er, ohne Stelle und Lehramt, notdürftig unterstützt durch Oxford University Press, die Rockefeller Foundation und das Balliol College, eine intensive Forschungstätigkeit. Neben kleineren Studien zum Verhältnis
angelsächs. und kontinentaler Jurisprudenz im 13.
Jh. (
v. a. zu Bracton) erschienen die Standardwerke „History of Roman Legal Science“ (1946,
21953,
dt. 1961,
ital. 1968) und „Classical Roman Law“ (1950,
Neudr. 1954, 1992,
span. 1960,
japan. 1992). Nach 1945 hielt
S. in Deutschland Gastvorlesungen; eine Rücksiedlung lehnte er ab. 1947 wurde er
engl. Staatsbürger.
Befördert vielleicht durch die Emigration, wandelte
S. sich vom
dt. Zivilrechtsdogmatiker mit ausgeprägtem Willen zur Rationalisierung des Rechts - am deutlichsten sichtbar in der Überführung des Bereicherungsrechts in ein „System der Rechte auf den Eingriffserwerb“ – zum Historiker der
röm. Rechtswissenschaft. Es war eine Pioniertat, die Leistungen der
röm. Juristen als Wissenschaftsgeschichte zu beschreiben (History). Der Untersuchung der
röm. Rechtsquellen, die sich in der ersten Hälfte des 20.
Jh. einseitig um die Vermutungen bezüglich Justinianischer Interpolationen drehte, gab
S. eine neue Wendung, indem er die Überlieferungsgeschichte der gelehrten Rechtsliteratur im 3. bis 5.
Jh. in die Textkritik einbezog. Damit war die später
sog. Textstufenforschung etabliert.
Auszeichnungen ↑
Dr. iur. h. c. (Frankfurt./M. 1949);
Hon.prof. (Bonn 1951);
Mitgl. d. Acc. Nazionale dei Lincei (1952).
Werke ↑
Die actiones in id quod pervenit. 1905 (
Diss.);
Klagen-Cession im Interesse d. Cessionars oder d. Cedenten. in:
ZSRGR 27, 1906, S. 82-150 (
Habil.schr.);
System d. Rechte auf d. Eingriffserwerb, in: Archiv f. d. civilist. Praxis 105, 1909, S. 1-488;
Einf. in d. Studium d. Digesten, 1916;
Die Prinzipien d.
röm. Rechts, 1934,
Neudr. 1954, 2003,
engl. 1936,
ital. 1946,
span. 1990,
22000, Japan. 2003;
–
W-Verz.: W. Flume u. H. Niedermeyer (
Hg.),
FS F.
S., 1951,
Bd. 1,
S. V f.
(P);
Ergg. dazu in: Jurists Uprooted (s.
L), 2004, S. 203.
Literatur ↑
W. Flume, F.
S., Gedenkrede 25.7.1958, 1959;
BHdE II;
Die Juden d. Frankfurter
Univ.,
hg. v. R.
Heuer u.
S. Wolf, 1997
(Qu, L, P);
B. Nicholas, in:
Oxford DNB;
J. Keller, in:
Dict. of British Classicists,
Bd. 3, 2004, S. 872 ff.;
W. Ernst, in: Jurists Uprooted, German-speaking émigré lawyers in twentieth-century Britain,
hg. v. J. Beatson u. R. Zimmermann, 2004, S. 105-203
(P).Autor ↑
Wolfgang ErnstEmpfohlene Zitierweise ↑
Ernst, Wolfgang, „Schulz, Fritz Heinrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
714-715
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11876246X.html