<< Dorsch, Käthe
Doss, Karl Bruno >>
Dorsche, Johann Georg
lutherischer Theologe,
* 13.11.1597 Straßburg,
† 25.12.1659 Rostock.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Lorentz, aus Würzburg, Schuhmacher;
M Maria,
T des Schreiners Hans Fingerlin in Straßburg;
⚭ 1) Straßburg 19.11.1626 Ursula (1610–54),
T des Dr. iur. Leonhard Rosa, Syndikus des Ritterkantons Ortenau
u. fürstlicher Rat,
u. der Margareta Hoefflin, 2) Rostock 19.8.1657 Elisabeth (1626-
n. 69),
Wwe des
Bernh. Taddel,
Prof. der Graezistik in Rostock,
T des Justus Zinzerling (
† um 1625/30), Jurist, Geograph, schwedischer
u. oldenburgischer Rat (
s. ADB 45); 2
S, 4
T aus 1).
Leben ↑
Dorsche studierte in seiner Heimatstadt (1617 Magister), wurde Pfarrer in Entzheim (Elsaß) (1622) und nach dem Besuch der lutherischen Universitäten Tübingen, Jena (Johann Gerhard) und Wittenberg (1624–27) Professor der Theologie in Straßburg (1627). Dorsche war einer der führenden Theologen der lutherischen Orthodoxie des 17. Jahrhunderts, die – unter dem Druck der Nötigung zur Selbstbehauptung des Luthertums im Kampf der Bekenntnisse und in Fortführung einer bereits in der Reformationszeit angelegten Entwicklung – die Herrschaft der reinen, auf die lutherischen Bekenntnisschriften (Formula Concordiae) begründeten Lehre gegen äußere und innere Widerstände im Luthertum durchzusetzen und zu sichern suchte. Das Schwergewicht der theologischen Arbeit Dorsches lag dementsprechend neben der biblischen bei der Kontroverstheologie. Um die Lehreinheit in den lutherischen Kirchen zu gewährleisten, entwickelte Dorsche den Gedanken einer Verbindung aller orthodox-lutherisch theologischen Fakultäten. Im sogenannten „synkretistischen Streit“ war Dorsche einer der Wortführer von orthodoxer Seite, die die ironische, antikonfessionalistische Helmstedter theologische Schule (G. Calixt) bekämpften. 1653 wurde er nach Rostock berufen, wo er bis zu seinem Tode die einflußreiche Stellung eines Professor Primarius der Theologie und Kirchenrats innehatte.
Werke ↑
u. a. Parallela monastica et academica, Straßburg 1644; De unione collegiorum seu facultatum, 1645; Thomas Aquinas veritatis evangelicae confessor, Frankfurt/M. 1655; Latro theologus et theologus latro, vigiliis paschalibus expositus in univ. Argent. etc., notis nonnullis auctior, Rostock 1655; Synopsis theologiae Zacharianae, 2 T., Frankfurt/M. 1691;
W-Verz. in:
Jöcher II,
Sp. 198
ff.Literatur ↑
ADB V;
A. Tholuck, Das ak. Leben d. 17.
Jh. II, 1854;
E. L. Th. Henke,
Gg. Calixtus
u. s. Zeit II, 1856/60;
O. Ritschl, Dogmengesch. d. Protestantismus IV, 1927;
H. Leube, Kalvinismus
u. Luthertum im
Za. d. Orthodoxie I, 1928.
Portraits ↑
Kupf. v. B. Kilian (Germ. Nat. mus. Nürnberg).
Autor ↑
Hermann SchüsslerEmpfohlene Zitierweise ↑
Schüssler, Hermann, „Dorsche, Johann Georg“,
in: Neue Deutsche Biographie
4
(1959), S.
87
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116188235.html
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Dorsche, Johann Georg
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Dorsche: Johann Georg D. (Dorscheus, Dorschäus), lutherischer Streittheologe, geb. zu Straßburg 13. Nov. 1597, † 25. Dec. 1659, studirte Theologie zuerst in seiner Vaterstadt unter Gisenius, wurde 1622 Pfarrer zu Entzheim, besuchte von 1624—27 fremde Universitäten, lernte in Tübingen Thummius und Osiander, in Jena Gerhard, Himmel und Major, in Leipzig Höpffner, in Wittenberg Balduin, Meisner und Martini kennen und empfing von ihnen seine Richtung. Seine Gelehrsamkeit war so gründlich und umfassend, daß ihm schon 9. Mai 1627 eine theologische Professur in Straßburg übertragen wurde. Nachdem er sich durch leidenschaftliche Hitze und Maßlosigkeit im calixtinischen Streit einen Namen im orthodoxen Heerlager gemacht, folgte er 1653 einem Rufe nach Rostock. Was ihn dazu bewog, war theils die Gunst, welcher er sich von Seiten des mecklenburgischen Fürsten schon während dessen Straßburger Studienjahre erfreut hatte, theils der Umstand, daß die endlosen Geldverlegenheiten, in welchen er sich befand, seinem Namen bereits einen Makel angehängt hatten. Am 30. September 1653 verließ er seine Vaterstadt; am 22. Februar 1654 ward er in Rostock als fürstlicher Professor Primarius der Theologie, Consistorialassessor und Kirchenrath installirt. In seiner Schrift "De unione collegiorum seu facultatum" von 1645 hatte er eine Union der rechtgläubigen Facultäten als oberste Censurbehörde verlangt; berühmter noch machte ihn sein "Thomas Aquinas veritatis evangelicae confessor" (Frankfurt 1655); am bedeutendsten sind seine Commentare über die Evangelien und den Hebräerbrief, jener von Mayer und Fecht mit einer Vita des
D., dieser von Christoph Pfaff herausgegeben (1717). — Vgl. Tholuck, Das akademische Leben des siebzehnten Jahrhunderts, II. Halle 1854, S. 116 ff. 129 ff.
Holtzmann.
Für Mecklenburg ward Dorsche von schlimmer politischer Bedeutung, weil Herzog Adolf Friedrich I. von Mecklenburg-Schwerin ihn (zuerst, wie es scheint, schon vor 1641) wegen der Erziehung seines ältesten Sohnes Christian Louis (regierte 1658—92) um Rath fragte und nach Dorsche's, den Charakter des Prinzen ganz
verkennendem Rathe den trotzigen Sinn desselben in einer Weise zu beugen suchte, welche für die Entwicklung des jungen Fürsten und seine nachherige Regierung und Lebensweise verhängnißvoll wurde.
Literatur ↑
Leichpredigt von Nic. Ridemanns, gedr. zu Frankfurt a. M. 1660. Die histor. Daten daraus wieder abgedruckt im Rostocker "Etwas" Th. VIII. 1744 S. 17 ff.
Autor ↑
Krause.Empfohlene Zitierweise ↑
Holtzmann, Heinrich; Krause, „Dorsche, Johann Georg“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
5
(1877), S.
363
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116188235.html?anchor=adb
Dorsche, Johann Georg
Name: Dorsche, Johann Georg
Namensvariante: Dorscheus, Johann Georg
Namensvariante: Dorschäus, Johann Georg
Lebensdaten: 1597 bis 1659
Geburtsort: Straßburg
Sterbeort: Rostock
Beruf/Lebensstellung: lutherischer Theologe
Konfession: lutherisch
Autor NDB:
Schüssler, HermannAutor ADB:
Holtzmann, Heinrich; KrausePND: 116188235