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<< Schuh, Johann Georg Ritter von     Schuh, Oscar Fritz >>

Schuh, Gotthard

Fotograf, * 22.12.1897 Berlin-Schöneberg, 29.12.1969 Küsnacht (Kanton Zürich). (evangelisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturNachlassAutorZitierweise

Genealogie  
V Heinrich (1873–1955), aus Interlaken, Elektroing., Fabr., 1900 Leiter d. Apparateabt. d. Elektrizitäts-Ges. Aliothin, Münchenstein, 1902 Mitbegr., Teilh. u. techn. Leiter d. Fabrik Elektr. Apparate Sprecher, Fretz & Cie., Aarau, seit 1903 Sprecher & Schuh, 1914-18 alleiniger Dir. (s. Biogr. Lex. Aargau; Lex. Elektrotechniker); M Frida Kern (1874–1954/57); 1) Zürich 1927 Marga (1906–2003), Redakteurin, Filmkritikerin in Zürich, T d. Willy Zürcher, 2) Küsnacht 1944 Annamarie (* 1914), Hist., Schulrektorin in Zürich, T d. Werner Custer; 1 S aus 1) Kaspar (* 1934), Kaufm., 2 T aus 2) Claudia (* 1945), Doz. an d. Hochschule f. Gestaltung u. Kunst in Zürich, Sibilla (* 1947), Psychol., Psychotherapeutin.

Leben  
Die ersten Lebensjahre verbrachte S. als Sohn schweizerischer Eltern in Berlin, 1902 übersiedelte die Familie nach Aarau (Kt. Aargau). Nach Primar- und Kantonsschule besuchte S. seit 1916 die Kunstgewerbeschule Basel mit dem Ziel, Maler zu werden. Während des 1. Weltkriegs war er als Soldat an der Schweizer Grenze stationiert. 1919/20 lebte S. als Maler in Basel und Genf, schloß sich der Basler Künstlergruppe Rot-Blau an und zeigte seine Gemälde in verschiedenen Ausstellungen. 1920 unternahm er eine große Italienreise, danach lebte er bis 1926 in München. Ende der 20er Jahre wandte sich S. immer stärker auch der Fotografie zu. 1931 erschienen seine ersten Fotografien in der „Zürcher Illustrierten“, die sich zu dieser Zeit unter der neuen Leitung von Arnold Kübler (1890–1983) zur führenden Schweizer Plattform des modernen Fotojournalismus entwickelte. In den folgenden zehn Jahren, bis zum Ende der „Zürcher Illustrierten“ 1941, gehörte S. neben Hans Staub (1894–1990) und Paul Senn (1901–53) zu den wichtigsten Fotoreportern der Zeitschrift und trug wesentlich zur Etablierung und Verbreitung der sozialdokumentarischen Reportage in der Schweiz bei. S., der zu dieser Zeit in Zollikon bei Zürich lebte, arbeitete in den 30er Jahren aber auch für internationale Zeitschriften wie „Vu", „Paris-Match", „Berliner Illustrierte“, „Life“ u. a. Bei einem Paris-Aufenthalt 1932 schloß er Bekanntschaft mit Picasso, Fernand Léger, Georges Braque und anderen Künstlern. 1933-37 machte er in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Belgien, Italien und England zahlreiche Repor|tagen zu sozialen, politischen und kulturellen Themen. In Berlin beobachtete er 1933 als Fotojournalist die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und wurde im Umfeld des Reichstagsbrands für kurze Zeit inhaftiert. Sein Hauptinteresse galt jedoch weniger der Politik als den Begegnungen mit Menschen sowie den unscheinbaren, aber bedeutungsvollen und atmosphärisch dichten Szenen des täglichen Lebens.
1938/39 reiste S. für mehrere Monate nach Indonesien (Sumatra, Java, Bali); die hier gewonnenen Erlebnisse und Bilder verarbeitete er danach in dem Band „Inseln der Götter“ (1941). Die attraktive Mischung aus Reportage und persönlichem Reisebericht trug ihm internationale Beachtung ein. Das Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt und erlebte zahlreiche Auflagen (121960). 1941 wurde S. erster Bildredaktor der „Neuen Zürcher Zeitung“, wo er mit der Wochenende-Beilage ein prominentes Forum für Fotoreportagen aufbaute und jüngere Fotografen förderte. 1951 begründete er zusammen mit Werner Bischof (1916–54), Walter Läubli (1902–91), Paul Senn und Jakob Tuggener (1904–88) das „Kollegium schweizerischer Photographien“, eine lose Vereinigung, die sich für qualitativ hochstehende Autorenfotografie einsetzte mit dem Ziel, ein öffentliches Bewußtsein für die künstlerische Ausdruckskraft des Mediums zu schaffen. Durch die Folgen einer Multiplen Sklerose in seiner Tätigkeit als Reporter immer mehr eingeschränkt, unternahm S. 1947-53 nochmals einige größere Reisen in Europa, v. a. in Italien, und veröffentlichte die fotografische Ausbeute in Büchern wie „Italien“ (1953) und „Tage in Venedig“ (1965). 1960 trat S. vorzeitig von seinem Posten zurück und wandte sich bis zu seinem Tod 1969 wieder der Malerei zu.
S. gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Schweizer Fotografie im 20. Jh. und hat die Anfänge des modernen Bildjournalismus in der Schweiz und international mitgeprägt. Obschon Autodidakt, setzte er sich von Anfang an für eine radikale Erneuerung der Fotografie ein und lehnte die bis 1930 vorherrschenden malerischen Tendenzen im Gefolge des Piktorialismus entschieden ab. Die sachlichen Ausdrucksweisen des „Neuen Sehens“ bildeten die Grundlage für seinen eigenen dokumentarisch-künstlerischen Stil, mit dem er die Wirklichkeit zu erfassen und darzustellen suchte. Dabei bewies S. einen ausgeprägten Sinn für die Poesie des Alltags, die Geheimnisse der zwischenmenschlichen Beziehungen oder die Unbefangenheit von sozialen Außenseitern und Kindern. Seine Werke, getragen von einer humanistischen Haltung und einer unaufdringlich-metaphorischen Bildsprache, sind Ausdruck eines poetischen Realismus, in dem sich auch die Sehnsucht nach einer besseren Welt spiegelt.

Auszeichnungen  
Cavaliere dell'Ordine Al Merito della Repubblica Italiana(1957).

Werke  
Weitere W u. a. Zürich, 1935 (mit e. Einf. v. G. Jedlicka); 50 Photographien, 1942 (mit e. Einf. v. E. Arnet); Begegnungen, 1956 (mit e. Einf. v. E. Brock-Sulzer); Tessin, 1961 (mit e. Einf. v. T. Burckhardt); Tiermütter im Zoo, 1961 (mit e. Einf. v. H. Hediger); Frühe Photogrr. 1929-1939, 1967 (mit e. Einf. v. M. Gasser); |

Nachlass  
Nachlaß: Fotostiftung Schweiz, Winterthur.

Literatur  
E. Brock-Sulzer, G. S., in: Camera, Febr. 1958, S. 51-72; M. A. Wyss, G. S., Der unwiederbringl. Augenblick, ebd., März 1968, S. 4-17; M. Gasser, G. S. 1897-1969, in: Stiftung f. d. Photographie (Hg.), Photographie in d. Schweiz 1840 bis heute, 1974, S. 290-97 (P); Three Swiss Photographers, Jakob Tuggener, G. S., René Burri, in: creative Camera, dec. 1977, S. 400-19; O. Ruppen, G. S., Zeitlose Begegnung, in: Schweizer. Photordsch. 11, 1982, S. 14-31; D. Streiff, G. S., 1982 (P, W-Verz.); B. Haldner, Ein Zeitbild 1930-1950, Paul Senn, Hans Staub, G. S., Drei Schweizer Photoreporter, 1986 (P); M. Mellert, Vom Reiz d. Menschlichen bewegt, Zum 100. Geb.tag v. G. S., in: NZZ v. 20./21.12.1997, S. 73-75; G. Walsh, C. Naylor u. M. Held (Hg), Contemporary Photographers, London 1982 (W-Verz.), 19882; M. Auer, Enc. Internat. des Photographes de 1839 à nos jours, Bd. 2, 1985 (P); H.-M. Kootzle, Das Lex. d. Fotografen, 1900 bis heute [2002]; Schweizer Lex.

Autor  
Peter Pfrunder
Empfohlene Zitierweise  

Pfrunder, Peter, „Schuh, Gotthard“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 671-672 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118762192.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S. 671-672

PND: 118762192
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Index

Schuh, Gotthard

Name: Schuh, Gotthard
Lebensdaten: 1897 bis 1969
Geburtsort: Berlin-Schöneberg
Sterbeort: Küsnacht (Kanton Zürich)
Beruf/Lebensstellung: Photograph
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Pfrunder, Peter
PND: 118762192

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Schuh, Gotthard

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118762192

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