<< Schürer, Emil Johannes
Schürff, Hans >>
Schürer von Waldheim (Reichsadel mit Prädikat „von Waltheimb“ 1592)
Unternehmer. (evangelisch)
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Leben ↑
Die weitverzweigte, aus Sachsen stammende Unternehmerfamilie läßt sich in ihren gewerblichen Ursprüngen bis zu den spätmittelalterlichen Glashütten des Riesengebirges zurückverfolgen. Bereits
Paul (1504-
n. 1592) als Sohn des
Kaspar S. in Aschberg bei Meißen geboren, gilt als einer der Wegbereiter der
böhm. Glasindustrie. 1530 erbaute er bei Falkenau (Sokolov) eine Glashütte, die er 1570 an seinen Sohn
Christoph übergab. Dieser hatte 1540 eine Hütte gegründet, wo es ihm erstmals in dieser Region gelang, Glas mit Kobalt blau zu färben. Diese Hütten entwickelten sich zum Zentrum der damaligen
böhm. Glasindustrie. Ein weiterer Sohn,
Paul, errichtete um 1590 eine Glashütte in Schwanenbrückel bei Bischofteinitz und er
|warb 1596 eine Zinshütte in Pfraumberg. 1592 nobilitierte
Ks. Rudolf II. neben Paul auch die Glashüttenmeister
Valentin (
† 1602) in Krombach bei
Dt.-Gabel und
Caspar in Labau bei Gablonz. Weitere Glasmacher der Familie waren
Georg (
† 1637), tätig in Lenz und in der Herrschaft Hochwald (Kunčice pod Ondřejníkem) und dessen Sohn,
Dominik (
† um 1630), der in Mährisch Rothwasser (Červená Voda) eine Glashütte betrieb.
Martin, Sohn des Valentin, war seit 1590 Sekretär der Herren Wilhelm und Peter Wok
v. Rosenberg. Einer der Nachfolger war
Ignaz,
schles. Rat und Kanzler des Stiftes Trebnitz in Schlesien, der 1665 die Bestätigung des
böhm. Adelsstandes erhielt. Ein Zweig der Familie findet sich in Zittau, wo ein
Johann Christian 1716 als Notar des dortigen Stadtrats fungierte, ein anderer in Kopenhagen, der dort im 18.
Jh. als Glashändler tätig war und sich durch mehrere Heiraten mit der ebenfalls aus Böhmen eingewanderten Glashändlerfamilie Fritzsche verband. Die Firma „C. E. Fritzsche, Glashandel und
Königl. Hoflieferant“ existiert noch heute. Ein weiterer Abkömmling der Familie war der Kupferstecher
Franz (Marianus, Franciscus Antonius) (1764–1837) aus Kopenhagen.
Der Wiener Zweig der Familie spaltete sich in beruflicher Hinsicht in zwei Richtungen, eine pharmazeutisch-medizinische sowie eine buchdruckerisch-verlegerische.
Anton Heinrich Ludwig Peter (1830–99) folgte seinem Vater
Karl als Apotheker, indem er seit 1856 bis zu seinem Tod die 1821 väterlicherseits erworbene Apotheke „Zur Goldenen Krone“ in Wien führte. Zeitgleich setzte er sich für die unterschiedlichen Belange seines Berufsstandes ein, war
u. a. Mitglied im Obersten Sanitätsrat und stand einer Reihe von Sozialinstitutionen vor. Sein Sohn
Anton Johann Ferdinand (1862–1934) übernahm die väterliche Apotheke, die 1912 veräußert und unter neuen Besitzern zur „Chemischen Fabrik Waldheim &
Co. GmbH“ (Liquidation 1923) ausgebaut wurde. Das Unternehmen wurde neu gegründet und existiert bis heute unter dem Namen „Waldheim Pharmazeutika
GmbH“ als Hersteller von pharmazeutischen Spezialitäten wie des Wirkstoffes Galanthamin und eines indirekten AIDS-Immunfluoreszenztests, es ist seit 1998 Teil der SANOCHEMIA Unternehmensgruppe.
Fritz Rudolf Victor (1866–1935), ein weiterer Sohn Antons, war Mediziner. Sein Bruder
Max Friedrich Hermann Ludwig (1860–1942), ebenfalls Pharmazeut, arbeitete als pharmazeutisch-chemischer Fachschriftsteller. Die beiden Töchter Antons waren mit Pharmazeuten verheiratet.
Helena (1859–1908) folgte ihrem Gatten, Alexander Forsmann, nach
St. Petersburg, von wo sie bald nach seinem Tode zurückkehrte. Sie engagierte sich in sozialen Belangen, war aber auch in der Frauenbewegung tätig und Mitbegründerin und Vorsitzende des 1903 gegründeten „Neuen (Wiener) Frauenklubs“. Antons Bruder
Rudolf (1832–90) war Buchdrucker und Verleger. Er erhielt seine Ausbildung an der Hof- und Staatsdruckerei sowie an der Akademie der bildenden Künste. Zunächst in der Postverwaltung tätig, gründete er 1855 eine xylographische Anstalt in Wien, die eine Reihe von illustrierten Periodika herausgab. 1864/65 übernahm er Verlag und Druckerei des Architekten Ludwig Förster (1797–1863) mit kunstgeschichtlichem und -gewerblichem Schwerpunkt. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn
Ludwig (1861–94) den Betrieb, der nach dessen Tod 1895 umgewandelt wurde zur „Waldheim-Eberle
AG“. 1960 von Ludwig Polsterer erworben und mit der Tageszeitung Kurier vereinigt, ist sie seit 1988 Teil der Verlagsgruppe Mediaprint und damit Produktions- und Vertriebstocher von Kurier und Kronenzeitung, deren Inhaber die WAZ (Westdt.
Allg. Ztg.) ist.
Literatur ↑
K. R. Fischer, Die
S. v. W., 1924;
F. Mathis, Big Business in
Österr., 1987, 345 ff.;
Adelslex. 13,
GHdA 128, 2002;
–
zu Helena:
G. Urban, Frauenbewegung, Frauenbildung u. Frauenarbeit in
Österr., 1930,
hg. v. M.
S. Braun, S. 46;
–
zu Karl u. Anton:
Pharmazeut. Post 19, 1886, S. 688 f., 22, 1889, S. 390 f.
(P), 32, 1899, S. 455 ff.
(P);
L. Hochberger u. J. Noggler,
Gesch. d. Apotheken u. d. Apothekenwesens in Wien 2, 1919, S. 21 f.,
Österr. Apothekerztg. 22, 1968, S. 379 f.;
O. Novotny, Die pharmazeut.
Ind. in
Österr.,
ebd., 2002;
Dt. Apothuker-
Biogr.;
–
zu Rudolf:
A. Mayer, Wiens
Buchdruckergesch. 1482-1882, II, 1887;
R.
v. Waldheim,
FS z. Enthüllung seiner Gedenktafel im
k. k. Österr. Mus. f. Kunst u.
Ind., 1892
(P);
Wurzbach;
BJ IV,
Tl.;
ThB;
ÖBL (L);
Biogr. Lex. Böhmen (L);
– Internet: Ariadne,
Österr. Nat.bibl.;
Fa. C. E. Fritzsche.
Autor ↑
Andrea PühringerEmpfohlene Zitierweise ↑
Pühringer, Andrea, „Schürer von Waldheim“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
642-643
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/sfz116987.html