<< Schüchlin, Hans
Schücking, Christoph Bernhard Levin >>
Schücking
Kaufmanns- und Gelehrtenfamilie (katholisch, altkatholisch u. evangelisch)
Leben ↑
Die
S. stammen aus dem niederdt., wahrscheinlich
niederländ. Raum. Sie werden 1362 unter den Ritterbürtigen der Stadt Coesfeld
b. Münster erwähnt und waren seit dem 17.
Jh. vornehmlich in Münster tätig, zunächst als Kaufleute, später
v. a. als Juristen und seit dem 18.
Jh. auch als Gelehrte und Schriftsteller. Der aus Coesfeld stammende Kaufmann
Adrian (1621–80) stieg seiner Erfahrung und seines Erfolgs wegen zum langjährigen Finanz- und Militärberater des Münsteraner Fürstbf. Christoph Bernhard
v. Galen (1606–78) auf. Adrians Nachkommenschaft teilte sich
v. a. in zwei Hauptlinien. Unter den Kindern seines ältesten Sohns, des münster. Oberkriegskommissars
Engelbert (1649–92), findet sich mit dem Enkel
Christoph Bernhard Engelbert (1704–74) ein Diplomat, der 1757 als Kanzler von Clemens August von Bayern (1700–61), Fürstbischof von Münster und Kurfürst von Köln, von
Ks. Franz I. als „von Schüching“ in den Reichsadelsstand erhoben wurde und auch den Familienbesitz in Sassenberg erwarb. Dessen Neffen
Christoph Bernhard (1753–78) und
Clemens August (1759–90), zwei Privatgelehrte, waren die ersten auch überregional bekannten Schriftsteller des Geschlechts.
Bedeutender als dieser Zweig wurde in der Folge jedoch die auf Adrians zweiten Sohn
Johann Nikolaus (1679–1735) zurückgehende Linie, aus der der Enkel
Christoph Bernhard Joseph (1714–80), ein juristisch promovierter Philosoph reichsweiten Ranges, hervortrat. Dessen Enkel wiederum,
Paulus Modestus (1787–1867, s.
W), der 1813 die Dichterin
Katharina Busch (1791–1831) heiratete, wirkte unter
napoleon. Besatzung als Friedensrichter und nach 1815 als Bezirksrichter und Amtmann in Meppen. Wegen eigenmächtiger Verwaltungsmaßnahmen wurde er 1836 von
Hzg. Prosper-Ludwig von Arenberg (1785–1861) entlassen und sah sich, nachdem er 1837 im Kölner Kirchenstreit eine antikuriale Stellung eingenommen hatte, wohl zur Auswanderung in die USA genötigt. Bereits 1840 kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in Bremen als Schriftsteller nieder. Mit ihm hatten seine Söhne
Alfred (1818–98) und
Prosper (1829–87) die Heimat verlassen und machten als
niederl. Vizekonsul
bzw. Unterstaatssekretär in Washington D. C. Karriere. Alfred war zudem Gründer mehrerer dt.sprachiger Zeitungen und Initiator der ersten Postdampfschiffahrtslinie nach Deutschland, die seit 1847 zwischen New York und Bremen verkehrte. Für seine Verdienste wurde der spätere
ksl. dt. Konsularagent in Washington mit zahlreichen
dt. und
amerik. Ehrungen bedacht.
Aus der Verbindung einer Tochter von Paulus Modestus,
Modesta Paulina (1825–96), mit einem
rumän. Grafen ging 1860 ein Sohn
Alfred (1860–1932) hervor, der den Namen der Mutter annahm und einen
österr. Familienzweig begründete. Er wurde Generalstabsarzt und nahm als
österr. Vertreter 1902 und 1906 an den Verhandlungen des Roten Kreuzes in
St. Petersburg und Genf teil. Verheiratet mit
Bertha Schindler (1865–1940), hatte er drei Söhne, von denen der Bauingenieur
Alfred (1886–1966) in Deutschland, Österreich und
v. a. der Türkei wirkte und
Paul (
* 1888) als
österr. Diplomat 1913-56 in Italien, der Schweiz, Deutschland und 1938-41 ebenfalls in der Türkei tätig war.
Von den neun Kindern des Paulus Modestus erlangte der älteste Sohn,
Levin (s. 1), der mit der ebenfalls schriftstellerisch ambitionierten Offizierstochter
Louise Freiin
v. Gall (1815–55) verheiratet war, den höchsten Bekanntheitsgrad. Sein ältester Sohn
Lothar Levin (1844–1901), verheiratet mit
Luise (1849–1920), Tochter eines liberalen Mitglieds des
preuß. Abgeordnetenhauses, des Majors Heinrich Beitzke (1798–1867), wurde entsprechend der Familientradition Jurist. Als
kath. Landgerichtsrat in Münster positionierte er sich im Kulturkampf der Bismarckzeit auf Seiten der
preuß. Regierung und ließ seine drei Söhne
Lothar Engelbert (1873–1943, s.
W),
Walther (s. 2) und
Levin Ludwig (s. 3) nach der Reihenfolge ihrer Geburt in provokativer Absicht
kath.,
altkath. und
ev. taufen. Wiederum literarisch tätig war Lothars Schwester
Theophanie (1850–1903), die
u. a. mit Literatur- und Theaterkritiken hervortrat. Auch der jüngere Bruder, der Arzt und Titularprofessor Christoph Bernhard
Adrian (1852–1914, s.
W), verfaßte Dramen und Novellen und gründete außerdem nach einer Zeit als ottoman. Militärarzt im
russ.-
türk. Krieg 1877/78 ein Sanatorium in Pyrmont, das sein Sohn
Adrian (1883–1963) weiterführte. Lothar Engelbert war 1903-08 Bürgermeister von Husum, wo er 1907, von Teilen der Freisinnigen und der liberalen Publizistik um Friedrich Naumann unterstützt, einen politischen Skandal auslöste. In einer anonymen Artikelserie, die Naumann unter
|dem Titel „Die Reaktion in der inneren Verwaltung Preußens“ 1908 herausbrachte, klagte Lothar Engelbert Demokratiedefizite und Ämterfilz sowie die fast ausschließliche Rekrutierung konservativer Corpsstudenten für die
preuß. Administration an. 1933 als Rechtsanwalt und Notar mit Berufsverbot belegt, verfaßte er
v. a. münsterländ. heimatkundliche Schriften. Auch sein Sohn aus erster Ehe, der Journalist
Julius Lothar (1904–44 vermißt), hinterließ lokalgeschichtliche Schriften. Dessen Cousin
Christoph Bernhard Levin (1912–2004), ältester Sohn Walthers, war ebenfalls in Schleswig-Holstein politisch tätig, wo er
u. a. 1967-72 das Amt des Staatssekretärs im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bekleidete.
Schücking, Christoph Bernhard Levin
Schücking, Walther Max Adrian
Schücking, Levin Ludwig