Name
Schuch, Carl
Namensvarianten
Schuch, Carl Eduard; Schuch, Carl Eduard; Schuch, Charles
Lebensdaten
1846 bis 1903
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Lebensstellung
Zeichner; Maler
Konfession
-
Autor NDB
Angelika Burger
Autor ADB
-
GND
118843974

Schuch, Carl Eduard

Zeichner, Maler, * 30.9.1846 Wien, 13.9.1903 Wien, Wien, Zentralfriedhof.

  • Genealogie

    V Carl (1799–1851), aus W., Gastwirt „Zum Goldenen Pfau“ in W., S d. Christoph Adam (1759–1806), aus Neustadt/Waldnaab (Oberpfalz) nach W. eingewandert, Gastwirt, u. d. Magdalena Linckmaier (* 1770), aus Herzogenburg (Niederösterr.), Köchin in W.; M Theresia (1820–48), T d. Karl Gutmayer (Gutmair) (1784–1840), Gastwirt in Wullersdorf, u. d. Theresia Ö(h)ler (* 1794), aus Enzersdorf (Niederösterr.); Ur-Gvv Christoph (Schueg) (v. 1738-n. 1759), Gastwirt in Neustadt/Waldnaab; – Wien 1894 Louise Eugénie Lami (1864–1941, 2] 1904 Johann Anton Löcker, 1866–1945, Privatbeamter in W.), aus Paris; kinderlos.

  • Leben

    Nach dem frühen Tod der Eltern wurde S. von der ältesten, unverheirateten Schwester Susanna erzogen; das ererbte Vermögen sicherte ihm zeitlebens materielle Unabhängigkeit. 1865 wurde er auf der Wiener Akademie Schüler von Karl Wurzinger und Karl Mayer, 1867 von Ludwig Halauska (1827–82), mit dem er Studienreisen in die Umgebung von Wien und ins Salzkammergut unternahm. 1869 verließ S. Wien und ging auf eine 25jährige Wanderschaft durch halb Europa. In Italien, das er mit den Malern Albert Lang (1847–1933) und Wilhelm Trübner (1851–1917) in den 70er Jahren besuchte, hielt er sich außer in Olevano für längere Zeit in Venedig auf, und besaß dort 1876-82 ein Atelier. Daneben wurde ihm v. a. die Region um München und der Voralpenraum zusammen mit seinen Malerkollegen und -freunden, mit denen er oft gemeinsame Ateliers bezog, Lebensort und Inspirationsquelle; zu seinen Freunden zählten auch sein Lehrer und Anreger Wilhelm Leibl (1844–1900) sowie Karl Hagemeister (1848–1933), sein späterer Biograph. In den 70er Jahren waren die bevorzugten Aufenthaltsorte Bernried am Starnberger See, der Weßlinger See und die Herreninsel im Chiemsee, mit Hagemeister arbeitete S. in den 80er Jahren dreimal am Hintersee in Berchtesgaden. Dem ersten gemeinsamen Besuch in Dresden 1873 folgten weitere Aufenthalte 1876, 1877 und 1881. Zunächst beeindruckten ihn dort in einer russ. Privatsammlung Gemälde von Delacroix, Corot, Daubigny und Théodore Rousseau. In Brüssel, wo S. sich mit Hagemeister 1873/74 ein Atelier teilte, schulte er sich an Rembrandt und Vermeer van Delft, in Den Haag lernte er Bilder von Courbet kennen. Die Sommer 1878, 1880 und 1881 verbrachte er mit Hagemeister in der Mark Brandenburg und in Berlin; inspiriert durch eine Reise von Brüssel nach Holland, hielt sich S. dort während der Sommermonate 1884 und 1885 auf. Seit 1886 verbrachte S. seine Sommer in Frankreich, an der Saut du Doubs bei Le Locle an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz.

    Während der Pariser Jahre 1882-94 erlebte S. mit seiner Stillebenmalerei einen Höhepunkt seines Schaffens, fußend auf dem intensiven Studium der franz. Malerei eines Chardin, Corot, Courbet und besonders Manet. Eine fortschreitende Krankheit, eventuell eine syphilitische Infektion, zwang ihn 1894, nach Wien zurückzukehren, wo er nur noch zeichnete; seine Frau begleitete ihn zu Kuraufenthalten nach Karlsbad, Teplitz, Gastein, Aussee und Venedig. Ende Febr. 1897 wurde er in eine Wiener Irrenanstalt eingeliefert und starb dort sechs Jahre später.

    S., finanziell unabhängig, zeigte seine Arbeiten nie auf Ausstellungen und bot sie auch nicht zum Verkauf an. Erste Ankäufe aus dem Nachlaß tätigten 1904 Hugo v. Tschudi für Berlin und Alfred Lichtwark für die Hamburger Kunsthalle; 1906 wurden auf der dt. Jahrhundertausstellung in Berlin sechs seiner Werke präsentiert.

    S.s malerische Meisterschaft zeigt sich v. a. in seinen Stilleben der 80er und 90er Jahre, die durch ihre freie, großzügige Pinselschrift, das nuancenreich abgestimmte Kolorit, den starken Hell-Dunkelkontrast und eine reduzierte Gegenstandsauswahl bestechen. Eindrucksvolle Beispiele hierfür bilden die drei 1885/86 entstandenen Variationen des Themas „Äpfel auf Weiß“ (heute Hannover, Düsseldorf u. Frankfurt) oder die Stilleben mit Maraschinoflasche 1885/88 (in Privatbes. u. im Mus. Wiesbaden).

    • Werke

      ca. 400 Ölgemälde v. a. in Berlin (Nat.gal.);  Schweinfurt (Slg. Georg Schäfer);  Freiburg/Br. (Morat-Inst.);  Hannover (Niedersächs. Landesmus.);  Mannheim (Städt. Kunsthalle);  Karlsruhe (Staatl. Kunsthalle);  München (Neue Pinakothek u. Städt. Galerie im Lenbachhaus);  Bremen (Kunsthalle);  Nürnberg (German. Nat.mus.);  Hamburg (Kunsthalle);  Köln (Wallraf-Richartz-Mus.);  Düsseldorf (Kunstmus.);  Aachen (Städt. Suermondt-Ludwig-Mus.);  Wuppertal (Van der Heydt-Mus.);  Kassel (Staatl. u. Städt. Kunstslgg.);  Stuttgart (Staatsgal.);  Frankfurt/M. (Städelsches Kunstinst. u. Städt. Gal.);  – etwa 150 Zeichnungen v. a. in Wien (Graph. Slg. Albertina);  – Korrespondenz: Arthur Roessler, Briefe K. S.s., Kunst u. Künstler 7, Nov. 1908, S. 63-66;  ders., C. S., Briefe, 1972 (Neuausg. d. vorgenannten u. d. v. Hagemeister publ. Briefe).

    • Literatur

      K. Hagemeister, K. S., Sein Leben u. seine Werke, mit (…) vielen Briefen S.s u. e. Auszug aus e. Tageb., 1913;  E. Ruhmer, K. S. in Olevano, Dtld. – Italien, in: FS f. Wilhelm Waetzoldt, 1941, S. 340-52;  ders., Leibl als Vorbild, in: Wilhelm Leibl z. 150. Geb.tag, Ausst.kat. Neue Pinakothek München, Wallraf-Richartz-Mus. Köln 1994, S. 155-75;  C.|S. 1846-1903, Ausst.kat. Städt. Kunsthalle Mannheim, Städt. Gal. im Lenbachhaus, München 1986 (Bibliographie, Porträt);  S. Beneke, Im Blick der Moderne, Die „Jh.ausst. Dt. Kunst (1775–1875)“ in d. Berliner Nat.gal. 1906, 1999;  Cézanne-Manet-S., Drei Wege z. autonomen Kunst, Ausst.kat. Mus. f. Kunst u. Kulturgesch. Dortmund 2000;  ThBÖBLDict. of ArtHist. Lex. Wien.;  – zur Familie: H. Schöny, Wiener Künstler-Ahnen, II, 1975, S. 248-53.

    • Portraits

      Selbstbildnis, 1872 (Wien, Graph. Slg. Albertina);  Selbstbildnis, 1875/76 (Wien, Österr. Gal.);  Photogr., Frontispiz, um 1878;  Ölgem. v. W. Trübner, 1871 (Linz, Neue Gal. d. Stadt Linz, Wolfgang-Gurlitt-Mus.) u. 1876 (Berlin, Staatl. Museen Preuß. Kulturbes.);  Ölgem. v. R. Hirth du Frênes, 1874, u. W. Leibl, 1875/76 u. 1895 (?) (alle München, Bayer. Staatsgem.slgg.), alle abgeb. in: C. S. 1846-1903, Ausst.kat. 1986 (s. L).

  • Autor

    Angelika Burger
  • Empfohlene Zitierweise

    Burger, Angelika, "Schuch, Carl Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 621-622 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118843974.html
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Schuch, Carl