<< Schubert, Max
Schuch, Ernst Edler von >>
Schubring, Julius Hermann Wolfgang Walther
Indologe,
* 10.12.1881 Lübeck,
† 13.4.1969 Hamburg.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Julius (1839–1914), aus Dessau,
Dr. phil.,
klass. Philol., erhielt nach Studium in Erlangen u. Göttingen aufgrund
v. Vermittlung durch Ernst Curtius e. Reisestipendium
n. Italien u. Sizilien, bis 1867 Hauslehrer in Messina, 1867 Lehrer am
Kgl. Wilhelms-Gymnasium in Berlin, 1868 Oberlehrer am Gymnasium u. Realgymnasium Katharineum in
L., 1872 wieder am Wilhelms-Gymnasium in Berlin, 1880-1904
Prof. u.
Dir. d. Katharineum in
L. (s.
L);
M Anna Nagel;
Vorfahre Julius,
D. theol., Oberkonsistorialrat in Dessau; –
⚭ 1912 Clara Rodenwaldt (
† 1948), Malerin; 1
T Luise Sanna (
* 1913), Malerin.
Leben ↑
|S. legte 1900 das Abitur am Katharineum in Lübeck ab, studierte dann ein Semester Indologie in München und danach bis zur Promotion 1904 bei Ernst Leumann in Straßburg (Edition u. Bearbeitung des „Kalpa-sūtra“, jinistische Mönchsvorschriften, 1905). 1905-20 Bibliothekar an der
Preuß. Staatsbibliothek in Berlin, habilitierte er sich 1918 mit einer Monographie über das Mahānisīha-Sutta (vorgelegt
v. Heinrich Lüders). 1920 erhielt er als Nachfolger von Sten Konow (1867–1948) einen Ruf als
o. öff. Professor an die
Univ. Hamburg, wo er bis zu seiner Emeritierung (1951) lehrte.
S. war Zeit seines Lebens dem Studium des Jainismus, speziell der frühen Śvetāmbara-Tradition, verbunden. Hierbei knüpfte er an die Forschungen der Jainologen
bzw. Prakritisten Richard Pischel (1849–1908), Ernst Leumann (1859–1931), Albrecht Weber (1825–1901) und Hermann Jacobi (1850–1937) an, ging aber in seiner speziellen Arbeitsrichtung eigene Wege. Am bekanntesten ist
S.s „Die Lehre der Jainas“ (1935,
engl. 1962,
Nachdr. 1978,
22000), worin
S. zum alten Jainismus, speziell dem Śvetāmbara-Kanon, ein Mosaik unterschiedlicher Werke handbuchmäßig zusammenfaßte. Es unterscheidet sich damit grundlegend von der
v. Glasenappschen Jainismus-Publikation (1925), die auf späteren Texten, nicht Prakrit, sondern Sanskrit, basiert.
Stark beachtet war
S.s Textausgabe des ersten Teils des Ācārāṅga Sūtra (1910) mit einer auf metrischen Kriterien beruhenden Untersuchung über die Schichtung des Textes. 1926 folgte die
dt. Übersetzung „Ācārāīga Sūtra“ und (auszugsweise) ein weiterer kanonischer Text, die „Worte Mahāvīras“ (stark erweiterte
engl. Übers. v. W. Bollée u. J. Soni, 2004,
P).
S. befaßte sich darüberhinaus mit einer Reihe von postkanonischen Texten. Er übersetzte das von E. Leumann edierte „Dasaveyāliya Sutta“ (1932,
Nachdr. 1977). Mit Jozef Deleu (1925–94) und seinem Schüler Frank-Richard Hamm (1920–73) bearbeitete er in Fortsetzung seiner Habilitationsschrift das „Mahānisīha" (2 T., 1951/63) und mit Colette Caillat das „Vavahāra“ (Drei Chedasūtras des Jaina-Kanons, 1966). Sein besonderes Interesse galt den von ihm entdeckten „Isibhāsiyāaiṃ“ (zuletzt
bearb. 1969).
S. war Spezialist für Metrik, was sich in seinen philologischen Arbeiten insgesamt und in der Herausgabe des „Apabhraṃśa Chandakosa“ (
Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 75, 1921, S. 97-121) zeigt. Mit der Behandlung von insgesamt 1127 Jaina-Manuskripten setzte er (1944) die Reihe der Jaina-Katalogbände der
Preuß. Staatsbibliothek von Albrecht Weber fort („Neuerwerbungen seit 1891“). Eine extreme Komprimierung, die das Verständnis erschwert, begegnet in verstärktem Maße in den Einleitungen zu seinen Textausgaben sowie in mehreren Rezensionen.
Auszeichnungen ↑
Preisschr. d. Max-Müller Stiftung (1910);
korr. Mitgl. d.
Ak. d. Wiss. in Göttingen (1938);
Ehrenmitgl. d. Bombay Branch of the Royal Asiatic
Soc. (1953);
Ehrenmitgl. d.
Dt. Morgenländ.
Ges. (1955);
Dr. phil. h. c. (Gent 1964).
Werke ↑
Weitere W
u. a. Rez. v. W. Kirfel, Die Kosmographie d. Inder nach d. Quellen
dargest., in:
Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 75, 1921, S. 254-75;
Rez. v. A. L. Basham, History and Doctrines of the Ājīvikas,
ebd. 104, 1954, S. 256-63;
Kundakunda echt und unecht,
ebd. 107, 1957, S. 557-74;
Rez. v. Puṅyavijaya, Aṅgavijjā,
ebd. 109, 1959, S. 449-57;
Singhī-Jaina-Granthamālā (
Nr. 1, 2, 4, 6-28, 31), in;
Orientalist.
Lit.ztg. 48, 1953,
Sp. 80-84;
Jñānapīṭha-Mūrtidevī-Jaina-Granthamālā (Sanskrit 1-10;
Prakrit 1, 3, 4;
Engl. 1;
???ali 1;
Tamil 1),
ebd. 49, 1954.
Sp. 544-47;
Zum Lalita Vistara, in:
FS Friedrich Weller, 1954, S. 610-55: –
Hg.: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges., seit 1922;
–
Kl. Schrr.,
hg. v. K. Bruhn, 1977.
Literatur ↑
Btrr. z. ind. Philol. u.
Altertumskde., W.
S. z. 70.
Geb.tag dargebracht
v. d.
dt. Indologie, 1951
(FS);
Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 105, 1955,
S. *11
*;
A. N. Upadhye, in: Journal of the Oriental
Inst. Baroda 18,
No. 4, 1969, S. 387-92;
J. Deleu, in: Orientalia Gandensia IV, 1967 (1969), S. 175-78;
F. R. Hamm, in: Jain Journal (Schubring Special Number), 4,
Nr. 3, 1970, S. 117-21;
A. Sen,
ebd., S. 141-58;
C. Caillat, Notes de
bibliogr. jaina et moyen-indienne, in: Journal Asiatique, 1972, S. 411-22;
V. Stache-Rosen, German Indologists 1980/81,
bearb. v. A. Stache-Weiske, 1990;
–
zu Julius:
F. A. Eckstein, Nomenclator philologorum, 1871;
Vaterstädt.
Bll. 1913/14, S. 157 f.;
Lübeck.
Bll. 1914, S. 400 f.
Autor ↑
Klaus BruhnEmpfohlene Zitierweise ↑
Bruhn, Klaus, „Schubring, Julius Hermann Wolfgang Walther“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
618-619
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd117117110.html