<< Arbenz, Carl
Arbusow >>
Arbeo (Arbio, Arbo, nennt sich auch lateinisch Heres oder nach Hieronymus - oder Herkunftsbezeichnung? - Cyrinus)
Bischof von Freising 764 (765?) - 783 (782?),
* wahrscheinlich in der Gegend von Meran,
† 4.5.783 (784?), begraben in Freising.
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Arbeo, aus bayerischem Stamm gebürtig (verwandt mit den Huosi?), wurde am Festtage des heiligen Korbinian nach seiner eigenen Erzählung als
puer parvulus in Mais bei Meran aus Todesgefahr wunderbar errettet und kam in seiner Jugend unter die Obhut Ermberts, des von Bonifatius geweihten ersten kanonischen Bischofs der Diözese Freising, für die Arbeo zeit seines Lebens wirkte. Wohl 747 erstmals als Zeuge in Freising genannt, eignete sich der junge Benediktinermönch (vermutlich während eines längeren Studienaufenthalts in Oberitalien) langobardisch-romanische Bildung an, leitete seit etwa 754 als Notar und (Archi-) Presbyter unter Bischof Joseph die Freisinger Kapelle, wurde 763 Abt des neugegründeten Klosters Scharnitz und 764 (765?)
|Bischof der Diözese Freising, deren Leitung er jedoch gegen Ende seines Lebens abgegeben zu haben scheint, vielleicht aus politischen Gründen unter dem Druck Tassilos (?).
Arbeo machte Freising zu einem Mittelpunkt blühenden religiösen und geistigen Lebens. Eine große Zahl neugegründeter Kirchen in der Diözese ermöglichte eine Vertiefung der Seelsorgetätigkeit; der bischöfliche Einfluß auch auf Eigenkirchen und Klöster erweiterte sich zusehends, viele Kirchen gingen in bischöfliches Eigen über. Zu den bereits bestehenden bischöflichen Eigenklöstern kamen noch Innichen (gegründet 769), Schliersee (779), Kloster Scharnitz wurde 772 nach Schlehdorf am Kochelsee verlegt. Zwischen 765 und 768 überführte Arbeo die Gebeine des ersten in Freising wirkenden Bischofs, des heiligen Korbinian, von Mais bei Meran in seine (damals neuerbaute?) Freisinger Domkirche. Auf Veranlassung Bischof Virgils von Salzburg, dessen geistiger Einfluß auch sonst bei Arbeo unverkennbar ist, schrieb er in einem herzhaft-ungefügen, aus Vulgarismen und Rhetorenpomp oft wunderlich gemischten Latein in den folgenden Jahren die „Vita Corbiniani“, der er um 772 die „Vita Haimhrammi“ (heiliger Emmeram) folgen ließ, beide trotz ihrer legendären Ausschmückung kostbare und weithin einzige und früheste Quellen bayerischer Kirchen- und Profangeschichte. Durch Arbeos Wirken wurden die Freisinger Schreibschule und Dombibliothek auf vorbildliche Höhe gebracht; aus seiner Domschule gingen Männer wie die Erzbischöfe Arn von Salzburg und Leidrat von Lyon hervor. Er ist auch zumindest der Urheber, wenn nicht Verfasser des in der Folgezeit weitverbreiteten und vielfach abgeänderten
sog. „Deutschen Abrogans“, eines in Freising vor 769 ins Deutsche übertragenen, vermutlich von Arbeo aus Oberitalien mitgebrachten lateinischen Glossars, und somit des ältesten erhaltenen deutschen Sprachdenkmals. So steht die kraftvolle Persönlichkeit Arbeos am Beginn der deutschen Literatur und Geschichtsschreibung; in ihr spiegelt sich die von mannigfachen spätantiken und langobardischen, insularen und fränkischen Einflüssen durchwirkte bayerische Kultur der tassilonischen Epoche.
Werke ↑
Arbeonis Vitae Sanctorum Haimhrammi et Corbiniani,
hrsg. v. B. Krusch, in;
MGH SS rer. germ., 1920
(mit Einl.).
Literatur ↑
ADB I;
C. Meichelbeck, Historia Frisingensis I, Augsburg 1724;
Sammelbl. d.
Hist. Ver. Freising 1 ff., 1894 ff.
(s. Register);
Th. Bitterauf, Die Traditionen d. Hochstifts Freising I, 1905;
Hauck II, S. 435
u. ö.;
Wiss. Festgabe
z. 1200jähr. Jubiläum d.
hl. Korbinian,
hrsg. v. J. Schlecht, 1924;
S. Riezler,
Gesch. Baierns I, 1,
21927, S. 328
u. ö.;
G. Baesecke, Der
dt. Abrogans u. d. Herkunft d.
dt. Schrifttums, 1930;
ders., Bischof
A. v. F., in;
PBB 68, 1945, S. 75-134;
J. Sturm, Die Anfänge d. Hauses Preysing, 1931;
S. Mitterer, Die
bischöfl. Eigenklöster in d. vom
hl. Bonifatius gegründeten Diözesen, 1931;
R. Bauerreiß, Die „Vita ss. Marini et Anniani“ u. Bischof
A. v. F., in:
StMBO 51, 1933;
ders.,
Kirchengesch. Bayerns I, 1949, S. 43, 155
u. ö.;
H. Löwe, Die
karoling. Reichsgründung u. d. Südosten, 1937;
ders.,
A. v. F., in: Rhein. Vjbl. 15-16, 1950-51, S. 87-120;
H. Strzewitzek, Die Sippenbeziehungen d. Freisinger Bischöfe im
MA, 1938, S. 156 ff.
u. ö. (L, Qu.);
J. L. D. Skiles, The Latinity of
A.s Vita S. Corbiniani, Chicago 1938;
B. Bischoff. Südostdt. Schreibschulen u. Bibliotheken d. Karolingerzeit. T. 1.1940, S. 60 ff.;
Heimbucher I, S. 138;
LThK;
Vf.-Lex. d. MA I, 1933.
Autor ↑
Kurt BecherEmpfohlene Zitierweise ↑
Becher, Kurt, „Arbeo“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
333 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118665782.html
<< Aquila, Kaspar
Arberg, Karl Anton >>
Arbeo
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Arbeo: Bischof von Freising (764—784), der
älteste Schriftsteller des bairischen Stammes. Nicht ohne Grund
vermuthet man in ihm jenes Knäblein, das der hl. Corbinian nach
Arbeo's eigener Erzählung (Vita Corb. c.
38) aus den Fluthen der Passer gerettet. Die Richtigkeit
dieser Annahme vorausgesetzt, ist er in Meran oder Umgegend
geboren. In den Dienst der Freisinger Kirche getreten, steigt er
von Stufe zu Stufe, 754—760 begegnet man ihm als Vorstand der
bischöflichen Kanzlei, 763 wird er von Bischof Joseph dem in der
Wildniß des Karwendelgebirges neu gegründeten Kloster Scharnitz
als Abt vorgesetzt. Schon im folgenden Jahre aber besteigt er den
bischöflichen Stuhl von Freising und seitdem beginnt der
Freisinger Domberg als ein Mittelpunkt der geistigen Bestrebungen
in Baiern die Stellung einzunehmen, in der er sich einen guten
Theil des Mittelalters hindurch behauptet hat. Durch seine
Lebensbeschreibungen der Glaubensboten Emmeran (gedr. in Acta Sanct. Boll. 22. Sept. VI. 474 f.) und jenes Corbinian, der sein
Bisthum gegründet hatte und dessen Gebeine er von Mais oder Meran
nach Freising bringen ließ (gedr. bei Meichelbeck, Hist. Frising. I. 2. p. 3 f.), eröffnet
A.
die litterarische Thätigkeit in Baiern. Ein lebhafter
Erzähler aber schlechter Lateiner, panegyrisch, naiv, dem Leser
nicht nur mit den vielen Wundergeschichten
|sondern
auch in den heiligen Motiven, die er allen Handlungen seiner
beiden Helden unterlegt, Unglaubliches zumuthend, in Bezug auf
rein Thatsächliches aber allem Anschein nach immerhin so
wohlunterrichtet, daß seine zwei Biographien, vereinzelt wie sie
in ihrer Zeit stehen, einen außerordentlichen Werth für die alte
bairische Geschichte beanspruchen. Unter seiner Regierung gewann
das Bisthum ausgedehnte Besitzvergrößerungen, innerhalb seines
Sprengels wurden damals die Klöster Innichen, Schäftlarn und
Schliersee gegründet und Scharnitz nach Schlehdorf verpflanzt. Mit
Herzog Tassilo stand
A.
, wenigstens in späteren Jahren wegen seiner Hinneigung
zu Karl d. Gr., dessen Oberherrschaft der Herzog nicht anerkennen
wollte, auf schlechtem Fuße. Tassilo entzog aus diesem Grunde der
Freisinger Kirche reiche Besitzungen, von denen er einen Theil an
Frauenchiemsee schenkte, und dem Bischof in den letzten
Lebensjahren vielleicht sogar die Leitung des Bisthums. Die
Neueren nennen ihn
Aribo, die eigenen
Urkunden aber stets
Arbeo (d. h. Erbe) oder
in latinisirter Form Heres; von hier aus ist der Name in
mißverstandener Weise als Cyrinus auch hellenisirt worden.
A.
† 4. Mai 784.
Autor ↑
Riezler.
Korrektur: Vgl. S. Riezler, Arbeo's Vita Corbiniani in der ursprünglichen Fassung. (Abhandl. d. königl. bair. Akad. d. Wissensch. III. Cl., Bd. XVIII, Abth. 1) 1888.
Empfohlene Zitierweise ↑
Riezler, Sigmund Ritter von, „Arbeo“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
510-511
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118665782.html