<< Schröder, Rudolf Alexander
Schröder, Johann Wilhelm Freiherr von >>
Schroeder, Johann Georg Theodor
Sozialpolitiker, Verbandsgründer,
* 8.3.1860 Kassel,
† 2.10.1951 Helmarshausen bei Karlshafen (Hessen-Nassau). (lutherisch)
Genealogie
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| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Wilhelm (1809–67), Schlossermeister, Eisenhändler in
K.,
S d. Johannes;
M Anna Elisabet (1816–1912),
T d. Wilhelm Ritz; ö Wilhelm (1851–1913),
Landger.dir. in
K.; –
⚭ St. Petersburg 1900 Johanna (Jana) Cornilowna (1860–1936,
⚭ 1] Alexis Alexandrowitsch Matreninsky, 1853–92,
Kaufm. in Kronstadt),
T d. Cornelius Feik (1823–94),
Kaufm. in
St. Petersburg, u. d. Amalie Charlotte Arnhold (1837–96); kinderlos.
Leben ↑
S. besuchte 1869-78 in Kassel das Friedrichsgymnasium und studierte dann bis 1882 Rechtswissenschaft in Göttingen (
Dr. iur. 1891) und Berlin. 1886 trat er in den Dienst des
hess. Kommunalverbandes (Provinzialverw.) und wurde, seit 1888 Assessor, mit Vorarbeiten zur Errichtung der Hessen-Nassau, landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft betraut, deren Geschäfte er anschließend (als ständiger
Vertr. d.
Landesdir.) leitete. In ähnlicher Weise wurde er 1890, inzwischen 1. Landesrat, mit der Errichtung der (Landes-)Versicherungsanstalt Hessen-Nassau betraut, seit 1891 (als ständiger
Vertr. d.
Landesdir.) deren geschäftsführender Vorsitzender (1910
Geh. Reg.rat). 1918-28 war er Vorsitzender (1925 Titel
Präs.) der LVA Hessen-Nassau und Vorsitzender der Hessen-Nassau, landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. 1904-18 war er führendes Mitglied der nationalliberalen Fraktion des
preuß. Abgeordnetenhauses. 1914-18 Hauptgeschäftsführer des Roten Kreuzes in Kassel und Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung des
stellv. Generalkommandos des XI. Armeekorps, war er 1919-29 Mitglied des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates in Berlin und des Provinzial- und Kommunallandtages sowie 1919-24 Beigeordneter in Kassel (
Vors. d. Schulkomm. u. Syndikustätigkeit).
S. war eine der Gründungs- und Pioniergestalten der Selbstverwaltung der Sozialversicherung und des Genossenschaftswesens. Hervorzuheben ist sein maßgebender Einfluß bei der Gründung des Reichsverbandes
Dt. Landesversicherungsanstalten 1919 in Kassel (Vorgänger d. Verbandes
dt. Rentenvers.anstalten, VdR), deren 1. Vorsitzender er wurde (1933 freiwilliger Rücktritt), und des Verbandes der
dt. landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften 1919 in Goslar. Bei letzterem wurde er Vorsitzender des Ständigen Ausschusses
bzw. (1933-37) Vorsitzender des nunmehrigen Reichsverbandes der
dt. landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften. Die 1919 gegründeten Verbände erhielten unter
S.s Einfluß eine zukunftsweisende Organisation
bzw. Satzung: Sie hatten eine größere Eigenständigkeit gegenüber den Aufsichtsinstanzen, zogen auch die ehrenamtlichen Vertreter in die Arbeit mit ein und waren durch Geschäftsstellen, ständige Ausschüsse
usw. tätig. In der Weimarer Republik hatten sie einen maßgeblichen Anteil daran, daß die desaströsen Folgen des 1. Weltkriegs und der Inflation auf die Rentenzahlungen der Arbeiterversicherung auf Verwaltungsebene überwunden werden konnten – zunächst durch laufende Anpassung, dann durch Sanierung nach der Währungsstabilisierung im Verein mit der Gesetzgebung. Als besondere verbandsentwickelte Innovationen sind Unfallverhütung und Heilverfahren (Prävention u. Rehabilitation) zu nennen sowie – heute selbstverständliche – Steuerung durch Rundschreiben und Verbandszeitschriften. Seine parlamentarische Erfahrung nutzte
S., um die Arbeit in den Gremien der sozialpolitischen Selbstverwaltungskörper voranzubringen. Außerhalb der Sozialversicherung gründete und leitete er den Verband der Wohnungsbau-Genossenschaften und den Verband der Baugenossenschaften von Hessen-Nassau (Revisionsverband).
Auszeichnungen ↑
Dr. med. h. c. (Marburg 1927); Ehrenbürger d. Stadt Kassel (1950).
Werke ↑
Zur
Gesch. d. Reichsverbandes d.
dt. landwirtschaftl. Berufsgenossenschaften, in: 50 J. landwirtschaftl. Unfallvers., 1939
(P);
Stammbaum
Fam. S.|(Schröder) in Gödestorf (Hannover) u. Kassel (Hessen), 1936.
Literatur ↑
F. Tennstedt, Heinrich Noetel u. d. Anfänge d. Unfallverhütung in d.
dt. Landwirtsch., in:
Soz. Sicherheit in d. Landwirtsch. 1976, S. 103-16;
ders.,
Soz.gesch. d. Soz.vers., in: Hdh. d. Soz.
med., III, 1976, S. 385-492;
D.-J. Schäfer, 75 J. Verband
Dt. Rentenvers.träger, in:
Dt. Rentenvers. 49, 1994, S. 571-636;
F. Ruland, Die
Gesch. d. Verbandes
Dt. Rentenvers.träger (VDR),
ebd. 60, 2005, S. 354-61;
Wi. 1928;
Rhdb. (P).Portraits ↑
Radierung
v. H. Kätelhön,
Abb. in: 50 J. landwirtschaftl. Unfallvers., 1939.
Autor ↑
Florian TennstedtEmpfohlene Zitierweise ↑
Tennstedt, Florian, „Schroeder, Johann Georg Theodor“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
576-577
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/sfz116537.html