<< Schreber, Daniel Gottlob Moritz
Schreger, Odilo >>
Schreck (Terrentius, chinesisch Deng Yuhan), Johannes
Jesuit, Arzt, Astronom,
* 1576 Bingen bei Sigmaringen,
† 30.5.1630 Peking,
⚰ Jesuitenfriedhof Shala bei Peking.
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Sebastian, Jurist (?);
M N. N.Leben ↑
S. studierte seit 1590 in Freiburg (Br.) Medizin und Naturwissenschaften, erhielt 1594 das Bakkalaureat und wurde 1596 zum Magister promoviert. 1603 studierte er in Padua, wo er Galilei kennenlernte. 1611 wurde er in die 1603 von Fürst Federico Cesi (1585–1630) gegründete „Accademia dei Lincei“ aufgenommen. Zusammen mit seinem Freund Johannes Faber (1570–1640) sowie Fabio Colonna (1567–1640) redigierte, ergänzte und kommentierte er den umfangreichen „Thesaurus rerum medicarum Novae Hispaniae“ des Francisco Hernandez (
gedr. 1651). 1611 trat
S. in den Jesuitenorden ein und reiste 1618 mit P. Niklaas Trigault (1577–1628) nach China, um dort als Missionar zu wirken. In Goa sammelte und beschrieb er 500 in Europa bislang unbekannte Pflanzen (Plinius Indicus,
Ms. verschollen). Nach zwei Jahren Vorbereitungs- und Wartezeit in Macao gelangte er 1623 über Hangzhou nach Peking. 1629 wurde er zusammen mit Nicolo Longobardi (1559–1654) von dem
ksl. Kommissar Paul Xu Guangqi (1562–1633) mit der Durchführung einer grundlegenden Kalenderrefom betraut. Dazu plante
S. die Konstruktion neuer astronomischer Instrumente und konzipierte ein umfangreiches Übersetzungsprojekt für astronomische und mathematische Werke (1633-
ca. 1638
u. d. T. „Chongzhen lishu“
veröff.). Nach seinem Tod führten Johann Adam Schall
v. Bell (1592–1666) und Giacomo Rho (1592–1638) die Arbeiten weiter.
S.s Hauptleistung liegt in der Initiierung der
chines. Kalenderreform, mit der die astronomischen Kenntnisse des Abendlandes in China eingeführt wurden und die den Jesuiten zeitweise eine einflußreiche Position als Berater des Kaisers verschaffte.
S. stand mit Johannes Kepler in Verbindung, der ihm die „Tabulae Rudolphinae“ schickte. Daneben schrieb er eine Reihe von Pionierarbeiten in
chines. Sprache, so ein Werk über Trigonometrie (Dace), ein weiteres über Sinus, Tangenten und Sekanten (Baxian biao,
hg. v. A. Schall) und einen Abriß der Astronomie (Cetian yueshuo, 1628). Von besonderer Bedeutung ist die erste Darstellung der menschlichen Anatomie nach
westl. Muster in China (Taixi renshen shuogai, 1643,
hg. v. Bi Gongchen). Mehrfach aufgelegt wurde ein Abbildungswerk über
europ. Maschinen (Yuanxi qiqi tushuo, 1627,
hg. v. Philipp Wang Zheng) mit Auszügen aus den Werken von Jacques Besson, Konrad Zeising, Agostino Ramelli, Vittorio Zonca
u. a., das auch die Grundlagen der Mechanik erläutert; es wurde in die
ksl. Enzyklopädie „Gujin tushu jicheng“ (1726) aufgenommen.
Literatur ↑
G. Gabrieli, Giovanni
S., Linceo, gesuita e missionario in Cina e le sue lettere dall' Asia, Rendiconti della classe di scienze morali, storiche e filologiche, Acc. dei Lincei, Reihe 6,
Bd. 12, 1936, S. 462-514;
B. H. Willeke, Terrenz, in:
Dict. of Ming
Biogr. 1976,
S. 1282-84;
H. Walravens, China illustrata, Das
europ. Chinaverständnis im Spiegel d. 16. bis 18.
Jh., 1987, S. 22-35;
ders., The Qiqi tushuo revisited, Missionary approaches and linguistics in Mainland China and Taiwan,
hg. v. Ku Weiying, 2001, S. 183-98;
ders., Ein wenig bek. Brief d.
Gel. J.
S., in: China Heute
Nr. 136, 2004;
I. Iannaccone, J.
S. (Terrentius), scienziato, linceo, gesuita e missionario nell' impero dei Ming, in: Asia orientale 5/6, 1987, S. 49-85;
ders., J.
S. Terrentius, Le scienze rinascimentali e lo spirito dell' Acc. dei Lincei nella Cina dei Ming, 1998;
E. Zettl, J.
S. Terrentius Constantiensis, Wissenschaftler u. China-Missionar (1576–1630), 2001.
Autor ↑
Hartmut WalravensEmpfohlene Zitierweise ↑
Walravens, Hartmut, „Schreck, Johannes“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
527
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd104364971.html