<< Schraudolph, Johann von
Schreber. >>
Schrauf, Albrecht
Mineraloge,
* 14.12.1837 Wien,
† 29.11.1897 Wien,
⚰ Wien, Zentralfriedhof, Ehrengrab. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Quellen
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V N. N.;
M N. N.;
⚭ 1865 Antonie Kellner (um 1844–1914), aus Joachimsthal (Böhmen); 1
T Emma (1876–1900).
Leben ↑
S.s Gymnasialzeit begann 1847 in Wiener Neustadt. 1850 wechselte er an das Piaristengymnasium in Krems, verließ die Schule 1853 und trat in den Piaristenorden ein. Er absolvierte das Noviziat und legte, nach einem weiteren Schuljahr in Krems, seine Matura 1856 in Wien am Josefstädter Piaristen-Gymnasium ab, war jedoch zugleich
stellv. Präfekt im Löwenbergschen Konvikt.
S. trat vor dem Wintersemester 1856/57 aus dem Orden aus und studierte Mathematik, Physik, Chemie und Mineralogie für das Lehramt. Unter dem Einfluß des Kristallographien Josef Grailich (1829–59) und des Mineralogen Moritz Hörnes (1815–68) wandte er sich der physikalischen Mineralogie zu. 1861 wurde
S. als Assistent in das
k. k. Hofmineralienkabinett berufen. Mit seinen Publikationen aus den Jahren 1860/61 wurde er 1862 in Tübingen in absentia zum
Dr. phil. promoviert und erhielt einen Ruf an die
Univ. Lemberg, den er ausschlug. 1863 habilitierte er sich an der
Univ. Wien für physikalische Mineralogie.
Ehzg. Stephan
v. Österreich beauftragte ihn 1864 mit der Erstellung eines Katalogs seiner Mineraliensammlung auf der Schaumburg (jetzt im
Mus. f. Naturkunde, Berlin) sowie der wissenschaftlichen Bearbeitung der Einkristallsammlung (1221 Stücke). Diese Arbeit blieb durch Stephans Tod unvollendet; 1867 wurde
S. zum Ersten Kustos des Hofmineralienkabinetts ernannt. 1874 zum
o. Professor der Mineralogie an der
Univ. Wien berufen, übernahm er auch den Aufbau und die Leitung des Mineralogischen Museums der Universiät (1887/88 Dekan d.
Phil. Fak.).
S.s Hauptwerke, das „Lehrbuch der physikalischen Mineralogie“ (2
Bde., 1866–68) und der „Atlas der Krystallformen des Mineralreiches“ (5 Lieferungen, 1865–78), verschafften ihm höchste Anerkennung. Er verfocht gegen erhebliche Widerstände von Fachkollegen die Verwendung der heute allgemein genutzten „Millerschen Indizes“ (benannt nach William Hallowes Miller, 1801–80).
S. erforschte die chemischen, physikalischen und morphologischen Eigenschaften der Mineralien, um ihre Kristallstruktur (Raumgitter) zu ergründen, und führte damit die Arbeiten Grailichs fort. Seine wichtigsten Schüler waren Gottfried Starkl (1856–1910), Rudolf Schari(t)zer (1859–1935) und Phillipp Heberdey (1864–1936).
Auszeichnungen ↑
Mitgl. d.
Dt. geol. Ges., Berlin (1876), d.
Dt. chem. Ges., Berlin (1876), d. physikal.
Ges., Wien (1869), d.
Leopoldina (1888), d.
Österr. Ak. d. Wiss., Wien (
korr. 1884,
o. 1893);
korr. Mitgl. d.
Ak. d. Wiss. Berlin (1895) u. Turin (1897);
Ehrenmitgl. d.
russ. mineralog.
Ges.,
St. Petersburg (1890) u. d.
Soc. française de Minéral., Paris (1894); Rr.kreuz d. Franz Joseph-Ordens (1874); „Albrechtschraufit“ (seit 1984, e. Uranylcarbonat).
Werke ↑
Weitere W
Über d. Krystallformen d. Kieselzinkerzes;
in:
SB d. Wiener
Ak. d. Wiss.,
Math.-Physikal.
Kl. 38, 1859, S. 789-813;
Über d. Abhängigkeit d. Fortpflanzung d. Lichtes
v. d. Körperdichte,
ebd. 1862;
Vorläufige Notiz über einige Relationen
zw. d. Fortpflanzung d. Lichtes u. d.
chem. Zus.setzung, in: [Gilberts]
Ann. d. Physik 118, 1863, S. 359-61;
Über d. Einfluß d.
chem. Zus.setzung auf d. Fortpflanzung d. Lichtes,
ebd. 119, 1863, S. 461-80;
Ableitung d. Krystallgestalten aus d. Grundstoffen mittelst d. opt. Atomzahlen,
ebd. 130, 1867, S. 433-39;
Physikal. Studien über d. ge
|setzmäßigen Beziehungen
v. Materie u. Licht, 1867;
Hdb. d. Edelsteinkunde, 1869.
Literatur ↑
E. Mach, in:
Alm. d.
Ak. d. Wiss., Wien 1898, S. 322-26
(P);
R. Schari(t)zer, A.
S., Eine
biogr. Skizze, 1898
(W-Verz.);
F. Berwerth, Zur Erinnerung an A.
S., in:
Ann. d.
k. k. naturhist. Hofmus. 1898, S. 52 f.;
H. Tertsch, A.
S., der
Mitbegr. d. Kristallphysik in
Österr., in:
Österr. Naturforscher, Ärzte u. Techniker, 1957, S. 61-63
(P);
Th. Mayerhofer, Der Lehrkörper d.
Phil. Fak. 1848–73,
Diss. Wien, 1982, S. 264 f.;
F. Pertlik, Die Dissertanten v A.
S.,
Biogr. Skizzen über Gottfried Stark], Gerhard Seyfriedsberger, Philipp Heberdey, Adolf Stengel u. Carl Hlawatsch, in:
Berr. d.
Geolog. Bundesanstalt 64, 2003;
ders., A.
S. and his engagement with regard to the collection of the „Mineralog.
Mus. d.
Univ. Wien“, in:
Bull. de la
Soc. Française de Minéral. et de Cristallogr. 16, 2004, S. 63;
R. S. Budig
u. a., Ehrengräber am Wiener Zentralfriedhof, 1995, S. 189;
Wurzbach;
BJ III, S. 386 f. u.
Tl.;
Pogg. II-VI;
ÖBL;
|Quellen ↑
Qu Univ.archive Tübingen u. Wien;
Archiv d.
Leopoldina, Halle;
Wiener Stadt- u. Landesarchiv.
Portraits ↑
Ölgem., 1890 (Wien, Mineralog.
Mus.);
Stahlstich
v. F. Wielsch, 1897,
Abb. in:
Alm. d.
Ak. d. Wiss. Wien. 1898;
Relief
v. F. Seifert, 1907 (Wien, Arkadenhof d.
Univ.).
Autor ↑
Barbara SperlingEmpfohlene Zitierweise ↑
Sperling, Barbara, „Schrauf, Albrecht“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
523-524
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd117033499.html