<< Schratt, Maria Katharina
Schraudolph, Johann von >>
Schrattenbach (Schrottenbach), Freiherren (zu Heggenberg u. Osterwitz, seit 1598) und Grafen von (seit 1649).
(katholisch)
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Leben ↑
Die Stammreihe der aus der Steiermark stammenden Familie beginnt urkundlich 1473 mit
Hans Schrotenpach (
† 1496), Judenrichter und Geschworener des Rates zu Marburg/Drau.
Maximilian, Rat des
Ehzg. Karl und Obersthofmeister der Elizgn. Marie, wurde 1587 mit seinem Bruder
Johann Balthasar (1547–1618), 1589-1615 Obersthofmeister des
Ehzg. Ferdinand, in den innerösterr. Adelsstand und 1598 in den Freiherrenstand (
v. S. Frhr. zu Heggenberg u. Osterwitz) erhoben, nachdem sie im Vorjahr mit dem Erblandvorschneideramt in der Steiermark belehnt worden waren.
Johann Friedrich Gf. und
Maximilian, Söhne des
Felix, Hofkriegsrat und Oberst, dem 1624 der Titel „
v. S. Frhr. zu Heggenberg, Herr auf Pragwalt“ verliehen wurde, begründeten die
mähr. bzw. steir. Linie der Familie, deren Mitglieder 1649
bzw. 1690 zu
österr.-erbländ.
|Grafen ernannt wurden. Zahlreiche Mitglieder der Familie standen im
österr. Verwaltungs- und Militärdienst, einige erlangten hohe kirchliche Würden oder gehörten den Domkapiteln von Salzburg und Olmütz an.
Bernhard (
† 1660, s.
Wurzbach;
Gatz II),
Dr. iur. utr. , Bruder des Johann Friedrich, lehrte als Zisterzienser im Kloster Salmansweiler (Schwaben) Kirchenrecht. 1641 bestellte ihn
Ks. Ferdinand III. zum Abt von Neuzelle (Niederlausitz), wo er eine neue Kirche baute und die wirtschaftlichen Verhältnisse ordnete. 1655 wurde er zum Administrator des Bistums Meißen bestellt, dessen
böhm. Pfarreien im selben Jahr dem neugegründeten Bistum Leitmeritz einverleibt wurden.
Ernst (
* um 1661, s.
Wurzbach) wurde nach Teilnahme an einer
ksl. Gesandtschaft nach Konstantinopel zur Befreiung von Christen Abt von
St. Emmaus in Prag, Generalvisitator der
böhm. Benediktinerklöster der Kongregation von Montserrat sowie Rat seines Bruders
Wolfgang Hannibal (1660–1738, s.
L). Dieser studierte 1677-83 in Rom Philosophie und Theologie (
Dr. phil. et
theol.) und wurde 1688 zum Priester geweiht. Seit 1682 Domherr in Olmütz und Salzburg (1699 Domdekan), wurde er 1711 zum Fürstbischof von Olmütz gewählt und im folgenden Jahr in das Kardinalskollegium berufen. 1714 ging er als
ksl. Gesandter an den
päpstl. Hof und 1719 als Vizekönig, Statthalter und Generalkapitän nach Neapel, das nach dem
Span. Erbfolgekrieg an Habsburg gefallen war. 1722 kehrte er in sein Bistum zurück, in dem während seines Episkopats zahlreiche Barockdenkmäler entstanden,
u. a. in Kremsier die Marienkirche (1724–36) und die Marienkapelle bei
St. Moritz (1733), in der er beigesetzt wurde. Sein Bruder
Sigismund Felix (1679–1742, s.
L), der 1696 Domherr (1718 Domdechant) in Salzburg wurde und ebenfalls Theologie in Rom studierte (1698-1701), wurde 1703 zum Priester geweiht und 1728 zum Bischof von Laibach ernannt. Hier führte er regelmäßige Visitationen durch, veranlaßte die Herausgabe katechetischer und liturgischer Werke und übte eine rege Bautätigkeit aus. Sein Neffe
Siegmund Christoph (1698–1771, s.
L), Sohn des
Otto Heinrich (
† 1733), Land- und Kriegskommissar in Cilli, wurde 1716 Domherr in Augsburg und Eichstätt sowie 1731 in Salzburg (1750 Domdechant), studierte Theologie in Salzburg und Rom, wurde 1723 zum Priester geweiht und 1753 zum Erzbischof von Salzburg gewählt. Persönlich sehr fromm, sparsam und leutselig, förderte er die Künste und widmete sich mehr seinen geistlichen als seinen weltlichen Aufgaben. Außenpolitisch lehnte er sich an Österreich an, innenpolitisch zielten seine zahlreichen Verordnungen
v. a. auf Festigung von Sittsamkeit und Glauben. Während seines Episkopats blühte die Bautätigkeit,
u. a. wurde ein 123 m langer Tunnel durch den Mönchsberg geschaffen (Siegmundstor 1766). Als Musikliebhaber förderte er die Familie Mozart; Leopold ernannte er 1757 zum „Hof- und Cammer-Componisten“, 1763 zum Vizekapellmeister, den dreizehnjährigen Wolfgang Amadeus 1769 zum Konzertmeister. Sein Neffe
Vinzenz Joseph (1744–1816, s.
L), Sohn des
Franz Anton (1712–83), Landeshauptmann von Mähren, studierte Theologie in Salzburg, wo er 1762 Domherr und 1771 Hofratspräsident wurde, wurde 1768 zum Priester geweiht und 1777 zum Fürstbischof des Salzburger Eigenbistums Lavant mit Sitz in
St. Andrä ernannt. Dazu erhielt er später die Propsteien
St. Moritz in Friesach und Maria Saal, das Generalvikariat über Ober- und Unterkärnten sowie die Salzburger Statthalterei in Friesach. In seiner Amtszeit kam es zu einer Neueinteilung der Diözesen, wonach Lavant
u. a. die untere Steiermark zugesprochen bekam und 1786 zu einer eigenständigen Diözese innerhalb der Salzburger Kirchenprovinz erhoben wurde. 1790-95 kam es zu einer Unterbrechung des Episkopats, da Vinzenz 1788 zum Dompropst von Salzburg gewählt worden war. Im selben Jahr in den Reichsfürstenstand erhoben, wurde er, nachdem ihn sein Bruder
Otto Wolfgang (1739–83, s.
Wurzbach 31), Rat und Beisitzer beim Landesgubernium zu Brünn sowie seit 1771 Protektor des Lehramts der politischen Wissenschaften zu Graz, 1783 zum Alleinerben seiner
mähr. Besitzungen eingesetzt hatte, 1800 auf eigenen Wunsch Bischof von Brünn, wo er
u. a. 1807 ein Priesterseminar errichtete. Seine Großnichte
Isabella (1809–75), letzte des Geschlechts, heiratete 1827 in Brünn Gustav
Gf. Kálnoky (1799–1884), Fideikommißherr auf Lettowitz bei Brünn. Von ihren Söhnen waren Alexander (1830–1905) und Hugo (1844–1928)
k. u. k. Generalmajor, Gustav (1832–98, s.
NDB XI) General der Kavallerie und 1881-95 Minister des
k. u. k. Hauses und des Äußeren.
Literatur ↑
Ch. d'Elvert, Die Grafen
v. S., in: Notizen-
Bl. 1877;
H. W. Höfflinger, Eine Chronik d. Grafen
S., in:
Jb. d.
Ges. Adler
NF, 1913, S. 145-78;
J. Loseth, Zur
Gesch. d. Hauses
S., in:
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R. Frhr.
v. Procházka,
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böhm. Herrenstandsfam., 1973 (Erg.bd. 1990);
GHdA 128 (Adels-
Lex. 13), 2002;
–
zu Wolfgang:
J. Matzke, Die Olmützer Fürstbischöfe, 1974, S. 63-67;
Wurzbach;
Biogr. Lex. Böhmen;
Gatz II
(L, P);
– zu Sigismund: Wurzbach;
Gatz II (
L,
|P);
– zu Siegmund: F. Martin, Salzburgs Fürsten in d. Barockzeit 1587 bis 1812,
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Ebf. S. Ch.
Gf. v. S. (1753-1771) u. sein Domkap., in:
Mitt. d.
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G. Ammerer, in: H. Dopsch u. H. Spatzenegger (
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Wurzbach;
Gatz II
(L, P);
– zu Vinzenz: U. Salzmann, Der
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Gf. v. S. (1753-1771) u. sein Domkap.,
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Wurzbach;
Biogr. Lex. Böhmen;
ÖBL;
Gatz I
(L, P).Autor ↑
Franz MengesEmpfohlene Zitierweise ↑
Menges, Franz, „Schrattenbach, Freiherren und Grafen von.“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
520-522
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/sfz116158.html