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NDB-Artikel

<< Schuchhardt, Carl     Schuckert, Johann Sigmund >>

Schuchhardt, Walter-Herwig

Klassischer Archäologe, * 8.3.1900 Hannover, 14.1.1976 Freiburg (Breisgau).


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Carl (s. 1); M Margarete Herwig (1838–1912); Lörrach bzw. Riehen (Schweiz) 1929 Helga (1905–89), aus Basel, Pianistin, T d. Gustav Wolff (1865–1941), o. Prof. f. Psychiatrie in Basel (s. Professoren d. Univ. Basel, hg. v. A. Staehelin, 1960; Kreuter, Neurologen), u. d. Elsbeth Voretzsch (1872–1954); 2 S, 2 T .

Leben  
Nach der Schulzeit in Berlin (Notabitur 1917 am Schiller-Gymn.) studierte S. 1918-23 in Tübingen, Göttingen und Heidelberg Altertumswissenschaften, bes. Klass. Archäologie. In Göttingen wechselte er von der Alten Geschichte zur Kunstgeschichte, deren damalige formalästhetische Betrachtungsweise seinen Neigungen entsprach. 1923 wurde er in Göttingen bei Hermann Thiersch (1874–1939) über „Die Meister des großen Frieses von Pergamon“ promoviert. Drei Semester war er an der Univ. München Assistent von Paul Wolters (1858–1936), wo er die Schule des von ihm später sehr verehrten Archäologen Adolf Furtwängler (1853–1907) kennenlernte. Mit einem Stipendium des Dt. Archäologischen Instituts (DAI) bereiste er 1924/25 Griechenland und die Türkei. Mehrere Jahre blieb er in Athen, erst als Assistent Ernst Buschors (1886–1961) am DAI, dann als Stipendiat. Hier begann seine Mitwirkung bei der unter Hans Schraders (1869–1948) Leitung stehenden Publikation der archaischen Marmorbildwerke der Akropolis (ersch. 1939). Bei Schrader habilitierte er sich 1929 in Frankfurt/M. mit der Abhandlung „Die Entstehung des Parthenonfrieses“. Nach einigen Semestern in Frankfurt und einem weiteren Jahr in Griechenland nahm S. 1934 einen Ruf nach Gießen an, wechselte aber schon 1936 nach Freiburg (Br.) (apl., 1938 o. Prof.), wo er trotz mehrerer Rufe (nach Göttingen 1939, Kiel 1946, Hamburg 1958 u. Wien 1960) bis zur Emeritierung 1968 blieb (1941-45 Dekan, 1946 Prodekan, 1953/54 Rektor).
S.s lebenslanges Interesse galt der griech. Kunst, über deren Entwicklung er mehrere Überblickswerke schrieb. Seine Forschungen bezogen sich ausnahmslos auf griech. Skulpturen von der Archaik bis zum Hellenismus sowie auf deren röm. Kopien. Theorien durchaus abgeneigt, entwickelte er eine hohe Sensibilität für die formalen Kennzeichen des allgemeinen Stilwandels und der individuellen Künstlerhandschrift. Ein besonderes Anliegen war ihm die Scheidung von Händen an großen Reliefwerken wie dem Pergamonaltar, dem Nereidenmonument von Xanthos und dem Parthenonfries, aber auch die Erfassung der schöpferischen Formveränderungen an Epochenwenden und der Charakteristika großer Meister. S. war Kunsthistoriker der Klassischen Antike in einem ausschließlich formalen Sinne. Die historischen Bedingungen der griech. Klassik und des röm. Klassizismus interessierten ihn wenig. Primitives und Spätzeitliches lagen außerhalb seines Gesichtskreises. Seine detailgenaue Strenge geht sowohl aus seinen Rezensionen besonders von Skulpturkatalogen als auch aus der ausführlichen Dokumentation einzelner Bildwerke hervor. Vom klassischen Bildhauer Alkamenes handelt seine letzte Monographie. 1972 begann er noch die diffizile Untersuchung von über 400 Abgußfragmenten einer röm. Bildhauerwerkstatt in Baiae bei Neapel. Sowohl über griech. Bronzeoriginale des 5. und 4. Jh. als auch zum röm. Kopistenwesen gelangte er zu grundlegenden Einsichten. S.s Mitarbeiterin Christa Landwehr führte nach seinem Tode die aufwendigen Untersuchungen zu Ende (ersch. 1985).

Auszeichnungen  
o. Mitglied d. DAI (1938, Mitgl. d. Zentraldirektion 1939–69); Officier d'Académie (1955); o. Mitgl. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1968); Chevalier des Palmes Académiques.

Werke  
Weitere W Die Kunst d. Griechen, 1940; Die Epochen d. griech. Plastik, 1959; Gesch. d. griech. Kunst, 1971; Alkamenes, 1977 (W-Verz. S. 61-63); – Hg. u. Mitautor: Antike Plastik, I-XI, 1962-72; – W-Verz. in: Theoria, FS z. 60. Geh.tage, hg. v. F. Eckstein (Dt. Btrr. z. Altertumswiss. 12/13), 1960.

Literatur  
Jb. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. 1968, S. 66-68; H. Weber, in: Bad. Ztg. v. 17.1.1976; H. v. Steuben, in: FAZ v. 20.1.1976; ders., in: Gnomon 48, 1976, S. 827-30 (P); ders., in: Archäologenbildnisse, hg. v. R. Lullies u. W. Schiering, 1988 (P); V. M. Strokka, in: Freiburger Univ.bll. 118, 1992, S. 71-73.

Autor  
Volker Michael Strocka
Empfohlene Zitierweise  

Strocka, Volker Michael, „Schuchhardt, Walter-Herwig“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 626-627 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118762087.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S.  626-627
Erwähnungen: 
NDB 23 (2007), S. 509 in Artikel Schrader, Hans
NDB 23 (2007), S.  624*

PND: 118762087
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Index

Schuchhardt, Walter-Herwig

Name: Schuchhardt, Walter-Herwig
Lebensdaten: 1900 bis 1976
Geburtsort: Hannover
Sterbeort: Freiburg (Breisgau)
Beruf/Lebensstellung: klassischer Archäologe
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Strocka, Volker Michael
PND: 118762087

Weitere Informationen

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Schuchhardt, Walter-Herwig

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118762087

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