<< Scholz, Gustav
Scholz, Wenzel Johann >>
Scholz, Roman Karl (Taufname)
Augustinerchorherr, Dichter, Widerstandskämpfer,
* 16.1.1912 Mährisch Schönberg (Šumperk, Böhmen),
† (hingerichtet) 10.5.1944 Wien,
⚰ Wien, Heiligenstädter Friedhof.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V N. N.;
M Josefa
N. N.; keine
Geschw.Leben ↑
Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende
S. wurde von seinen Großeltern aufgezogen. Er absolvierte das Gymnasium in seinem Heimatort und trat einem
kath. Jugendbund bei, geriet aber – in der nationalistisch aufgeheizten Situation der Č
SR – auch unter dt.nationalen Einfluß. Unmittelbar nach der Matura im Herbst 1930 trat er als Novize in das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg ein und wurde 1936 zum Priester geweiht. Als Kaplan in Wien-Heiligenstadt und als Religionslehrer am Gymnasium Klosterneuburg 1938/39 sowie als Dozent für
christl. Philosophie an der ordenseigenen
Theol. Hochschule seit 1939 begeisterte
S. junge Menschen; er repräsentierte den „Typus des mitreißenden Jugendführers“ (Erika Weinzierl). Sein aus dem sudetendt. Nationalismus resultierendes, im Orden auf wenig Sympathie stoßendes Engagement für den Nationalsozialismus – 1935/36 Angehöriger der illegalen NSDAP, hatte er im Mai 1938 die Aufnahme in die NSDAP beantragt – beendete er angesichts der zunehmenden Gewaltpolitik Hitlers und nach einem desillusionierenden Besuch eines Reichsparteitags. Als Reaktion auf das Verbot des Religionsunterrichts nach dem „Anschluß“ Österreichs organisierte er Bibelstunden für seine ehemaligen Schüler, aus deren Kreis sich die Aktivisten für die von ihm im Herbst 1938 gegründete Widerstandsgruppe rekrutierten. Diese
kath.-konservative Gruppe, die sich zuerst
Dt., dann
Österr. Freiheitsbewegung nannte, kooperierte mit gleichgesinnten, gleichnamigen Gruppierungen um Jakob Kastelic (1897–1944) und Karl Lederer (1909–44) und bemühte sich um Kontakte zu den Westalliierten. 1940 fielen die drei
Österr. Freiheitsbewegungen dem Verrat des Burgtheaterschauspielers und Gestapospitzels Otto Hartmann zum Opfer. Während seiner Haft schuf
S., der bereits 1934 einen Gedichtband im Selbstverlag herausgebracht hatte, ein umfangreiches literarisches Werk (Gedichte, Dramen, Novellen), das
z. T. aus dem Gefängnis geschmuggelt und später veröffentlicht wurde. Am 23.2.1944 wurde
S. gemeinsam mit Mitkämpfern vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt und einige Wochen später hingerichtet. Sein Leichnam gelangte in das Anatomische Institut und konnte erst nach der Befreiung 1945 bestattet werden.
Die drei
Österr. Freiheitsbewegungen, deren herausragendste Persönlichkeit
S. war, zählten zu den wichtigsten Gruppen des
österr. Widerstands, dessen staatspolitische Bedeutung in jenem „eigenen Beitrag zur Befreiung“ vom
NS-Regime bestand, der in der Moskauer Deklaration der Alliierten 1943 von Österreich verlangt worden war.
Werke ↑
Feine ferne Dinge, Gedichte, 1934;
Goneril, Die
Gesch. e. Begegnung, 1947;
Ich werde immer bei euch sein, Verse, Eine Auswahl, 1994.
Literatur ↑
E. Pfeifer.
Btrr. z. Gesch. d.
österr. Widerstandsbewegung d. konservativen Lagers 1938-1940,
Diss. Wien 1963
(ungedr.);
C. Klusacek, Die
Österr. Freiheitsbewegung Gruppe Roman Karl Scholz., 1968;
Dok.archiv d.
österr. Widerstands (
Hg.), Widerstand u. Verfolgung in Wien 1934-1945, III, 1975, S. 95-101
(P);
ders., Widerstand u. Verfolgung in
Niederösterr. 1934-1945, III, 1987,
|S. 71-78;
R. Rill,
Gesch. d. Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945, 1985;
E. Weinzierl, Prüfstand, Österr.s Katholiken u. d.
NS, 1988;
R. Koch, R. Mader u. E. Müller (
Hg.), Das Geheimnis d. Erlösung heißt Erinnerung, 1990;
I. M. Fux
OSB, Für Christus u.
Österr., Menschen, die Jesus Christus u. ihr Heimatland liebten, 2001;
A. Gutenthaler, R. K.
S. Can.
Reg., Utopist oder Realist?, Dipl.arb.
Univ. Wien, 2002;
H. Moll (
Hg.),
Zeugen f. Christus, Das
dt. Martyrologium des 20.
Jh.,
32001, II, S. 720 f.;
Biogr. Lex. Böhmen;
ÖBL.
Portraits ↑
Foto, aufgenommen
v. d.
Gestapo (Dok.archiv d.
österr. Widerstandes, Wien).
Autor ↑
Wolfgang NeugebauerEmpfohlene Zitierweise ↑
Neugebauer, Wolfgang, „Scholz, Roman Karl“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
461-462
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd120605406.html