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NDB-Artikel

<< Scholz, Adolf Franz Ludwig     Scholz, Franz Josef >>

Scholz, Ernst August Gustav

Kommunal- und Wirtschaftspolitiker, Verbandsfunktionär, * 3.5.1874 Wiesbaden, 26.6.1932 Berlin, Berlin, Friedhof Sacrow. (evangelisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturQuellenAutorZitierweise

Genealogie  
V Carl (1833–93, dt.-kath.), RA, JR, seit 1863 Dir. d. Rhein. Vers.ges. in W., seit 1883 d. Verbandes d. Erwerbs- u. Wirtsch.genossenschaften am Mittelrhein, 1865/66 Mitgl. d. I. Kammer d. Hzgt. Nassau f. d. Nassau. Fortschrittspartei, 1868/69 Mitgl. d. Wiesbadener Gde.tages f. d. Nat.lib. Partei (s. Nassau. Biogr.), S d. Philipp (1797–1853), Obersteuerrat, u. d. Johannette Fussinger (1799–1840), aus Weilburg; M Luise (1844–1908), aus Eltville, T d. Friedrich Raht u. d. Bertha Lex; Frankfurt/M. 1906 Luise (1884–1945), aus Straßburg, T d. Dr. med. Reinhard v. den Velden u. d. Marianne Freund; 3 S, 1 T .

Leben  
S. besuchte seit 1880 die Vorbereitungsschule und seit 1883 das Gymnasium in Wiesbaden. 1892-95 studierte er Rechtswissenschaften in Freiburg (Br.), wo er dem Corps Suevia beitrat, und in Marburg; in Heidelberg wurde er zum Dr. iur. promoviert. 1895 ging er als Gerichtsreferendar nach Kassel, 1899 als Gerichtsassessor nach Berlin. 1900/01 war er Erster Sekretär des Allgemeinen Verbandes dt. Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften in Charlottenburg, dann Magistratsassessor bei der Stadtverwaltung in Frankfurt/M. Im Juli 1902 wurde S. in Wiesbaden dritter besoldeter Beigeordneter, Anfang 1903 erhielt er das neu geschaffene Amt des Stadtkämmerers. Im Okt. 1909 schied er infolge seiner Wahl zum Beigeordneten in Düsseldorf aus dem Dienst der Stadt Wiesbaden aus. Auch in Düsseldorf übernahm er das Amt des Stadtkämmerers, außerdem wurde er Dezernent der Städtischen Sparkasse Düsseldorf. 1912/13 amtierte S. als Oberbürgermeister von Kassel, 1913-20 als letzter Oberbürgermeister von Charlottenburg vor der Eingemeindung. Am 1. Weltkrieg nahm er als Kompanie- und Bataillonsführer teil. 1912-18 gehörte S. dem Preuß. Herrenhaus an, 1916-20 dem brandenburg. Provinzialausschuß (zuletzt als Vors.) und seit 1921 dem Reichtag als Abgeordneter der DVP, deren Wahlprogramm 1920 er maßgeblich mitgestaltete. 1923 war er Fraktionsführer und 1929/30 Vorsitzender der DVP. In seiner Amtszeit als Reichswirtschaftsminister im Kabinett von Reichskanzler Konstantin Fehrenbach (Zentrum) vom 25.6.1920 bis 4.5.1921 standen die Reparationszahlungen, der Kohlebergbau sowie der Versuch, Stillegungen von Betrieben einer staatlichen Kontrolle zu unterwerfen, im Mittelpunkt seiner Bemühungen.
Nachhaltigen Erfolg hatte S. beim Ausbau der dt. Sparkassenorganisation. 1910 wurde eine nach seinen Plänen organisierte Geldvermittlungsstelle des Dt. Städtetags für Gemeinden mit über 80000 Einwohnern geschaffen, die 1916 in der Dt. Girozentrale aufging. 1916 gründete S. zusammen mit Joh. Christian Eberle (1869–1937), Ernst Kleiner (1871–1951) u. a. den Dt. Zentral-Giroverband, einen Vorläufer des Dt. Sparkassenverbandes, dessen Vorsitzender er 1923 wurde. Nach der Verschmelzung der Interessenvertretungen der Sparkassen mit den Giroverbänden 1924 war er Vorsitzender der Verbandsversammlung und des Aufsichtsrats des Dt. Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Mit seiner langjährigen Arbeit für die Sparkassenverbände trug er zur Modernisierung des dt. Sparkassenwesens bei.

Auszeichnungen  
Vorstandsmitgl. d. Dt. (1911–21) u. Preuß. Städtetags (1912–21); Vors. d. Verbandes d. höheren Kommunalbeamten Preußens (bis 1922) u. d. Reichsbundes d. höheren Beamten (1922–29); Mitgl. d. Vorläufigen Reichswirtsch.rats (1920–24); E. K. II u. I; Dr.-Ing. E. h. (TH Berlin-Charlottenburg).

Werke  
Reichshypothekenrecht, 1900; Rechtsbuch f. Genossenschaften, 1908 (mit P. Donath); Unser Progr., 1920 (Kl. Hh. d. DVP); Zwei Reden, gehalten auf d. Bundestage d. Reichsbundes d. höheren Beamten, 1927 (mit L. Bolle); – Hg.: Cassel, 1913 (mit E. Stein).

Literatur  
H. Jursch, Zehn J. dt. Kommunal-Giroorganisation, 1926, S. 12 ff.; W. Hoffmann, Zw. Rathaus u. Reichskanzlei, 1974; R. Fattmann, Bildungsbürger in d. Defensive, Die akad. Beamtenschaft u. d. „Reichsbund d. höheren Beamten“ in d. Weimarer Rep., 2001, S. 162 ff.; L. Richter, Die Dt. Volkspartei 1918-1933, 2002; B. Hillen, Der Sparkassenreformer u. sächs. Mittelstandspol. Johann Christian Eberle (1869–1937), 2004, S. 140-46, 200 u. 260; Rhdb. (P); Jeserich-Neuhaus; Nassau. Biogr.; Nassau. Parl.; – zur Fam.: Dt.GB 14, 1908, S. 484; |

Quellen  
Qu StadtA Wiesbaden (WI/P, Nr. 2290); Blaubuch d. Corps Suevia, Ereiburg (Br.).

Autor  
Barbara Hillen
Empfohlene Zitierweise  

Hillen, Barbara, „Scholz, Ernst August Gustav“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 456 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11690318X.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S. 456

PND: 11690318X
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Index

Scholz, Ernst

Name: Scholz, Ernst
Namensvariante: Scholz, Ernst August Gustav
Lebensdaten: 1874 bis 1932
Geburtsort: Wiesbaden
Sterbeort: Berlin
Beruf/Lebensstellung: Kommunalpolitiker; Wirtschaftspolitiker; Verbandsfunktionär
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Hillen, Barbara
PND: 11690318X

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Scholz, Ernst

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