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Appun, Karl Ferdinand
Leben
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Leben ↑
Appun: Karl Ferdin.
A.
, Reisender in Amerika, geb. in Bunzlau in Nieder-Schlesien 24. Mai 1820, † im Juli 1872 in brit. Guyana, war der zweite Sohn des
Buchhändlers Karl Friedr.
A.
, besuchte die Stadtschule seines Geburtsorts und das
Gymnasium zu Glogau, und trat früh in das väterliche Geschäft,
widmete sich aber, da ihm die nöthigen Bücher leicht zugänglich
waren, mit großem und erfolgreichem Eifer den Studien der
Naturwissenschaften, namentlich der Botanik und Zoologie.
Autodidakt im strengsten Sinne des Wortes ging er 1849 auf
Humboldt's Rath und unterstützt von König Friedrich Wilhelm IV. als Botaniker nach Venezuela. Fast 10
volle Jahre wanderte und sammelte er in den Wildnissen dieses
Landes, dann wandte er sich im Auftrage der engl. Regierung nach
Guyana, nach Demarara in gleicher, eifriger Thätigkeit. Er
durchforschte den größten Theil dieser Colonie, zog dann weiter
durch einen Theil Brasiliens, auf dem Rio Branco, Rio Negro und
dem Amazonenstrome bis nach Tabatinga an den Gränzen Peru's. Auch
diese Wanderungen währten fast 10 Jahre. Seine Sammlungen
verschiedener Hölzer erwarben auf der Londoner
Industrieausstellung zwei Preise. So lebte
A.
20 Jahre ohne irgendwelche Unterstützung in dem Innern
Amerikas vor allem botanischen und zoologischen Studien, von der
tropischen Natur vollständig imprägnirt. Während dieser langen
Zeit erschienen von ihm nur wenige einzelne Artikel in deutschen
Zeitschriften, namentlich in Cotta's "Ausland". Erst nach seiner
Heimkehr 1868 veröffentlichte er 1871 ein größeres Werk "Unter den
Tropen" in 2 Bänden, mit Illustrationen, die er selbst nach der
Natur gezeichnet. Der 1. Band schildert Venezuela. Die Wanderungen
gehen sonach in Länderstriche, die schon Humboldt 1799 durchzogen.
A.
widerspricht einzelnen Mittheilungen desselben, dem
Winterschlaf der Krokodile, dem Gymnotenfang durch Pferde, er
giebt der Milch des Kuhbaums animaliche Eigenschaften, kommt aber
dabei in Widersprüche mit sich selbst. — Der 2. Band,
Britisch-Guyana, ergänzt Schomburgk's Reisen oft recht wesentlich.
Der Schwerpunkt des ganzen Werkes liegt in den botanischen
Einzelschilderungen, in dem, was er über die wunderbare Vegetation
Venezuelas, über die außerordentlichen mannichfaltigen nutzbaren
Pflanzen, über die Cultur der Handelsgewächse, über die tropische
Landwirthschaft mittheilt. Hier ist er Kenner und Meister. Auch
die ethnographischen Beobachtungen sind von hohem Interesse.
Gleichwol besteht das Werk eigentlich nur aus einer Reihe
aneinandergefügter Einzelheiten, ohne großen Horizont, ohne
Totalansichten. Ueberreich ist es an persönlichen Abenteuern oft
sehr romantischer Art. Nach dreijährigem Aufenthalt in der Heimath
kehrte
A.
wieder nach Britisch-Guyana zurück. Von hier meldete
die zu Georgetown erscheinende "Royal Gazette" vom 18. Juli 1872
seinen Tod aus der Strafcolonie, wo er wissenschaftlichen
Forschungen nachlebte. "In früheren Jahren", schreibt sie, "hatte
Appun einige Zeit in einer Indianer-Niederlassung gelebt, und litt
seitdem an der fixen Idee, daß ihm von Indianern nachgestellt
würde. Die Furcht vor diesen eingebildeten Nachstellungen
veranlaßte ihn daher fortwährend ein verschlossenes Gefäß mit
Schwefelsäure bei sich zu führen. Durch einen unglücklichen Zufall
ergoß sich der Inhalt desselben über sein Gesicht und seine Augen.
Man brachte ihn in einem so entkräfteten Zustand auf die
Niederlassung zurück, daß alle Bemühungen ihn am Leben zu
erhalten, erfolglos blieben, und er wenige Tage danach seinen
Verletzungen erlag." Außer dem Hauptwerke "Unter den Tropen"
erschienen von ihm zahl- und umfangreiche Artikel im "Ausland" in
den J. 1868—1872, im "Globus" 1870, in "Aus allen Welttheilen"
1871 und noch bis Ende des J. 1872 brachte "Das Ausland" von ihm
eine Reihe von Artikeln über die Indianer von Brit. Guyana. (Vgl.
Petermann's Mittheilungen etc. 19. B. 1873. S. 56.)
Autor ↑
Loewenberg.
Empfohlene Zitierweise ↑
Loewenberg, „Appun, Karl Ferdinand“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
508-509
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118649906.html?anchor=adb
Appun, Karl Ferdinand
Name: Appun, Karl Ferdinand
Lebensdaten: 1820 bis 1872
Beruf/Lebensstellung: Forschungsreisender; Botaniker; Zoologe
Konfession: keine Angabe
Autor ADB:
LoewenbergPND: 118649906