<< Schofer, Joseph
Scholder, Klaus >>
Schoiswohl, Josef
Bischof von Graz,
* 3.1.1901 Guntramsdorf bei Wien,
† 26.2.1991 Wien,
⚰ Guntramsdorf.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Stefan (1867–1937), Schmelzmeister in Gußwerk (Steiermark),
S d. Benjamin (1817–1905), aus Weißenbach/Enns, Werkstattschreiber, u. d. Maria Sampl (1835–1905);
M Maria (1874–1959),
T d. Jakob Dietl (
* 1830), Landarbeiter, u. d. Juliana Greifensteiner (
* 1831); 11
Geschw (4 früh
†)
u. a. Adolf (
⚭ Ingeborg Körpert),
Dir. d. Papierfabrik Schweitzer in Frohnleiten, Franz, Ordensbruder in
St. Gabriel, Karl (
⚭ Berta Babler), Lehrer, beschäftigt im Stadtamt Hollabrunn,
Lt., Rosa,
Angest. b. österr. Verkehrsbüro in
W., Paula, Wirtschafterin
v. J.
S., Stefanie (1904–56),
Schloßverw. in Frankreich, Anna, Lehrerin.
Leben ↑
Nach dem Besuch des Gymnasiums in Hollabrunn studierte
S. 1919-24 Theologie in Wien und wurde 1931 bei Ernst Tomek (1879–1954) und Konstantin Hohenlohe-Schillingsfürst (1864–1942) mit der Dissertation „Die Einwirkung der Vogtei- und Patronatsentwicklung auf das Kirchengut mit besonderer Berücksichtigung der innerösterr. Verhältnisse“ zum
Dr. theol. promoviert. Im
|Anschluß an die Priesterweihe 1924 war er vielfältig pastoral tätig: 1924/25 als Kooperator in Kirchberg am Wagram, 1925-30 als Studienpräfekt im Knabenseminar Hollabrunn sowie seit 1930 in Wien als Domkurat bei
St. Stephan und als Sekretär im
ebfl. Ordinariat. 1939 beauftragte ihn Theodor
Kard. Innitzer mit dem Aufbau des Finanzamts der Erzdiözese. Seit 1940 fungierte
S. als Direktor der Finanzkammer der Erzdiözese Wien, 1942-46 als Pfarrverweser in Wien-Mauer, 1945 als Konsistorialrat; 1945-50 als Dechant des Dekanats Liesing, 1946-49 als Pfarrer in Wien-Mauer sowie 1949-54 als Apostolischer Administrator der Diözese Burgenland. Als solcher führte
S. 1951/52 wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten im Finanzbereich eine
päpstl. Visitation in der Diözese Seckau durch. 1951 wurde
S. in Eisenstadt von Innitzer zum Titularbischof von Phytea geweiht; 1954 folgte seine Translation in die Diözese Seckau, die auf seinen Antrag 1963 in Graz-Seckau umbenannt wurde.
S. reichte 1968 sein Rücktrittsgesuch ein, wurde im folgenden Jahr zum Titularerzbischof von Monteverde ernannt und übersiedelte nach Wien.
Bleibende Bedeutung für seine Diözese erwarb sich
S. durch seine rege Bautätigkeit. In den sieben von ihm eingerichteten Pfarreien ließ er neue Kirchen bauen. Durch die Gründung des
bfl. Siedlungswerks 1954 schuf er ein Mittel, um die Wohnungsnot zu lindern. Weitere Gebäude wurden von
S. für die Nutzung durch die christliche Arbeiterbewegung und -jugend und den Akademikerverband in Auftrag gegeben. In dem unter seiner Verantwortung restaurierten Schloß Seggau wurde 1968 eine Bildungsstätte eingerichtet. In Graz konnte das 1964 von ihm gegründete „Afro-
Asiat. Institut“, das einen wesentlichen Beitrag zur
österr. Entwicklungshilfe liefert, seine Tätigkeit aufnehmen.
Im Zentrum seines Wirkens als Diözesanbischof stand die Förderung der
Kath. Aktion. Strikt untersagte
S. bis zum Ende des II. Vatikan. Konzils die Gründung der Arbeitsgemeinschaft der wiedererstandenen
kath. Vereine, die er als Relikt des Politischen Katholizismus und als Gefährdung „seiner“ integralistisch strukturierten
Kath. Aktion bewertete.
S., der 1960 in der Vorbereitungszeit des II. Vatikanums eine Diözesansynode zum Thema „Der Laie in der Kirche“ veranstaltet hatte, zog als erster
österr. Bischof die Konsequenzen, die sich aus den Konzilsbeschlüssen für die in Österreich besonders ausgeprägte integralistisch-klerikalistische Laientheologie ergaben: Noch während des Konzils richtete er 1964 unter ausdrücklicher Berufung auf das noch nicht verabschiedete Bischofsschema in seiner Diözese den ersten Priesterrat (Collegium Presbyterorum) nach dem frei gewählten Vertreterprinzip im ganzen
dt. Sprachraum ein. Zu Weihnachten 1968 erteilte
S. erstmals ausgesuchten Männern und Frauen die Erlaubnis, in Notfällen die
hl. Kommunion spenden zu dürfen.
Werke ↑
Um d. Einheit der Christen, 1955;
Fortschritt in d. Kirche, 1969;
Kl. Chronik d. Bin. Seckau (tagebuchartig
hs. verfasst, beendet 1.1.1969,
unveröff.).
Literatur ↑
A. Posch, in: K. Amon (
Hg.), Die Bischöfe
v. Graz-Seckau 1218-1968, 1969, S. 470-73;
J. Rittsteuer, Diözese Eisenstadt gestern heute morgen, 1976;
M. Liebmann, in: M. Kronthaler (
Hg.),
Lb. steir. Bischöfe, 2002, S. 164-67;
ders., Die
steir. Bischöfe im 20.
Jh., in: E.-C. Gerhold
u. a. (
Hg.), Konfession u. Ökumene, Die
christl. Kirchen in d. Steiermark im 20.
Jh., 2002, S. 17-39;
ders., Die
Kath. Kirche, getrennt
v. Staat, in: J. F. Desput (
Hg.), Vom Bundesland
z. europ. Region, Die Steiermark
v. 1945 bis heute, 2004, S. 643-704;
ders., Das Experiment d. Collegium Presbyterorum d. Diözese Graz-Seckau (1964–1968) unter
Bf. J.
S. im Sog konziliaren Auf- u. Umbruchs, in: R. Meßner u. R. Franzl (
Hg.), Haec sacrosancta synodus, Konzils- u. kirchengeschichtl.
Btrr., 2006, S. 267-84;
ders., „Das Konzil sieht d. Aufgabe des Laien ganz anders“,
Laienver. u.
Laientheol. im Strom zeitgeistiger, ekklesiolog. Entwicklung d. 20.
Jh. (im Druck);
LThK3;
Gatz V
(P);
BBKL.
Autor ↑
Maximilian LiebmannEmpfohlene Zitierweise ↑
Liebmann, Maximilian, „Schoiswohl, Josef“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
439-440
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd123937124.html