<< Schoenlank, Bruno
Schönlein, Johann Lukas >>
Schoenlank, Bruno Franz Georg Paul Kurt
Schriftsteller,
* 31.7.1891 Berlin,
† 1.4.1965 Zürich,
⚰ Zürich, Friedhof Manegg. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Nachlass
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Bruno (s. 1);
M Auguste Klebing;
⚭ Berlin 1924 Elise Tichter (1898–1975), Modistin; 1
T Eva (
* 1933), Fremdsprachenkorrespondentin in London.
Leben ↑
Nach dem Besuch einer Ackerbauschule 1906-08 und landwirtschaftlicher Tätigkeit in Thüringen und Masuren arbeitete
S. 1911-13 als Buchhandlungsgehilfe in Stuttgart. In dieser Zeit erschienen seine ersten Gedichte; gleichzeitig wurde er aktives Mitglied der
SPD. Die damals für ihn wichtigsten Bezugspersonen waren Freunde seines Vaters, wie Rosa Luxemburg, über deren Ermordung er im Januar 1919 ein sehr persönliches Gedicht veröffentlichte, und Clara Zetkin, der er 1920 sein erstes Sprechchorwerk widmete. Veranlaßt durch den Kriegsbeginn, zog
S. 1914 nach Berlin. Während kurzer Kriegsteilnahme verwundet, wurde
S. als „dauernd dienstuntauglich“ eingestuft. 1915-22 arbeitete er als freier Schriftsteller und Journalist und engagierte sich im linkssozialistischen Flügel der Arbeiterbewegung. 1917-22 Mitglied der
USPD (und kurze Zeit der
KPD), kehrte er 1922 zur
SPD zurück. Die beiden Schlüsseldokumonte zu seinem schriftstellerischen und politischen Selbstverständnis stammen aus dieser Zeit: „Mehr Propaganda!“ (1918) und „Rotes Muckertum“ (1921). 1917-25 veröffentlichte er sechs Gedichtbände.
Bedeutung erlangte
S. v. a. als Verfasser von Arbeiter-Sprechchören. Die ersten Sprechchorwerke, 1920 von Ernst Toller (1893–1939) und
S. auf Anregung des Kulturpolitikers und Mäzens Leo Kestenberg (1882–1962) geschrieben, wurden als Kunstwerke konzipiert, in denen nicht Individuen sondern Klassen uder soziale Gruppen die Protagonisten der appellativen Darstellung des proletarischen Lebenskampfs in der Großstadt waren. Sie wurden im Rahmen der „Proletarischen Feierstunden“ im Großen Schauspielhaus in Berlin von Arbeiterlaienschauspielern uraufgeführt. 1920-32 verfaßte
S. elf große und mehrere kleine Sprechchorwerke (
u. a. Erlösung, 1920,
51935; Großstadt, 1923,
21935; Der Moloch, 1923,
41929; Jugendtag, 1925), und widmete sich als freier Schriftsteller Jahre hindurch der Weiterentwicklung dieser Literaturform. Während seine frühen Werke eher lyrisch-oratorischen Charakter hatten, ging er Mitte der 20er Jahre zu dramatisch-bewegten Sprechchören über, am bedeutendsten in „Der gespaltene Mensch“ (1927,
31935), der Wort, Tanz, Bewegung, Musik und Gesang zusammenbrachte. In dieser Zeit fand kaum eine Feier oder ein Kongreß der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung ohne die Aufführung eines Sprechchorwerks statt.
S.s „Wir wollen zusammen marschieren“ (1932) war ein letzter Versuch, mit sprechchorischen Mitteln zur Einheit der Arbeiterbewegung gegen den Faschismus aufzurufen. Nach mehreren antinazistischen Äußerungen emigrierte
S. im
Okt. 1933 nach Zürich. Das Gewicht seiner damaligen kulturellen Präsenz macht die ächtende Bemerkung von Joseph Goebbels deutlich, daß für „Dichter wie Heinrich Heine und B.
S.“ im
dt. Rundfunk kein Kaum sei; 1938 folgten die Ausbürgerung und das Verbot seiner Schriften. In den 50er Jahren schrieb
S. noch drei Festspiele im Auftrag westdt. Gewerkschaften, die aber nicht mehr als im Stil der Zeit empfunden wurden.
Werke ↑
Weitere W
Gedichte: In diesen Nächten, 1917,
31918;
Blutjunge Welt, 1919,
51925;
Sonniges Land, Kindergedichte, 1920 (mit 5 Zeichungen
v. G. Grosz);
Sei uns, du Erde!, 1925;
Lass Brot mich sein, Ausgew. Gedichte, 1940);
Mein Tierparadies, Verse, 1949 (mit Bildern
v. P. Roshardt);
– Verfluchter Segen, Drama, 1921,
41929;
Großstadt-Märchen, 1924;
Agnes, Roman, 1929,
21948;
Von Freitag bis Donnerstag, Musikal. Zeitspiel, 1931 (Musik
v. K. H. Pillney);
Fiebernde Zeit, Sprechchöre u. Kantaten, 1935;
Schweizer Märchen, 1938;
Wir schaffen alle Hand in Hand, Festspiel, 1954;
Vom König Dampf
z. Atomkraft, Spiel um Zeit u. Lohn, 1956; A. Teubel (
Hg.), B.
S., Ein Dichter d. Großstadt, Lesebuch u. Bestandsverz. seines
lit. Nachlasses, 2004
(W, L);|Nachlass ↑
Nachlaß: Fritz-Hüser-
Inst. f.
dt. u.
ausländ. Arbeiterlit. d. Stadt Dortmund;
H.-H. Paul. Inventar zu d. Nachlässen d.
dt. Arbeiterbewegung, 1993.
Literatur ↑
J. Clark, B.
S. u. d. Arbeitersprechchorbewegung, 1984
(W, L, P);
W. van der Will u. R. Burns, Arbeiterkulturbewegung in d. Weimarer
Rep., 1982;
R. Sheppard, Proletar. Feierstunden and the Early History of the Sprechchor 1919-1923, in:
Internat.|Archiv f.
Soz.gesch. d.
dt. Lit. 8, 1997, Sonderh.
Lit.,
Pol. u.
soz. Prozesse, S. 147-85;
Y. Hart,
Pol. Körper, Ausdruckstanz, Choreogrr. d. Protests u. d. Arbeiterkulturbewegung in d. Weimarer
Rep., 2004;
BHdE II;
Kosch, Lit.-Lex.3;
Metzler
Lex. Sozialist.
Lit. (P).Portraits ↑
Lith. v. E. Stumpp, 1930 (
Inst. f. Zeitgesch.forsch. d. Stadt Dortmund), Abdrr. im
Bes. d. Fritz-Hüser-
Inst. d. Stadt Dortmund u. d.
Fam. in London u. Birmingham;
Zeichnung
v. B. F. Dolbin, undatiert (
Inst. f. Zeitgesch.forsch. d. Stadt Dortmund).
Autor ↑
Jon Clark, Wilfried van der WillEmpfohlene Zitierweise ↑
Clark, Jon; Will, Wilfried van der, „Schoenlank, Bruno Franz Georg Paul Kurt“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
418-419
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118758934.html