<< Schönborn, von
Schönborn, Friedrich Erwein Maria Carl Franz Graf von >>
Schönborn-Wiesentheid, Franz Erwein Damian Joseph Graf von|
Kunstsammler,
* 7.4.1776 Mainz,
† 5.12.1840 Frankfurt/Main,
⚰ Wiesentheid.
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Damian Hugo Erwein Franz (1738–1817), aus Aschaffenburg,
k. k. Kammerherr,
k. k. WGR (s.
P),
S d. Joseph Franz Bonaventura Kilian (1708–72),
kurmainz. u. würzburg.
WGR, Vicedom
v. Aschaffenburg, u. d. Bern(h)ardine
Gfn. v. Plettenberg (1719–96):
M Maria Anna (1746–1817), aus Höchst/
M. (s.
P),
T d. Hugo
Gf. v. Stadion zu Thannhausen u. Warthausen (1720–85).
kurmainz. WGR (s.
NDB VII
*), u. d. Maria Anna Schenk Freiin
v. Stauffenberg (1728–99);
Ur-Gvv Ferdinand
Gf. zu Plettenberg (1690–1737,
Reichsgf. 1724),
kurköln. Min. u. Obristhofmeister (s.
NDB 20);
Tante-m Sophie Helene
Gfn. v. Stadion (1753–1828,
⚭ Friedrich
Frhr. Groschlag zu Dieburg, 1729–99,
kurmainz. Staats- u.
Konferenzmin., s.
NDB VII); –
⚭ Glückstadt (Holstein) 1802 Fernandine (1781–1813), aus Hildesheim (s.
P),
T d. Clemens
Gf. v. Westphalen (1753–1818,
Reichsgf. 1792), Fideikommißherr auf Fürstenberg, Erbküchenmeister d. Fürstbm. Paderborn,
k. k. WGR, u. d. Maria
Gfn. Waldbott
v. Bassenheim (1757–86); 3
S u. a. Erwein Damian (1805–65), Clemens (1810–77), auf Wiesentheid,
bayer. Major (s.
P), 1
T Maria Anna (1809–56,
⚭ Maximilian
Frhr. v. Loë, 1801–50, auf Allner u. Marienwasser,
preuß. Landrat,
Mitgl. d. ProvinzialLT, s.
Kosch, Kath. Dtld.;
NDB 15
*);
E Arthur (1846–1915), auf Wiesentheid,
bayer. Oberstlt.;
Gvm d. Ehefrau Johann Maria Rudolph
Gf. Waldbott
v. Bassenheim (1731–1805),
kurmainz. Erbschenk,
Präs. d. Reichskammerger.,
k. k. WGR.
Leben ↑
S. studierte Rechtswissenschaft in Würzburg und wurde 1802 Erbe der Schönborn-Besitzungon im Reich. Wie schon sein Vater
bayer. Reichsrat, widmete sich
S. der Verwaltung seiner
fränk. Güter und der Weinanbaugebiete im Rheingau. 1806 erfolgte die Übergabe der Herrschaft Wiesentheid an den
bayer. König, nachdem
S. als erster Standesherr in Bayern die Subjektionsurkunde unterzeichnet hatte. 1811 zog er mit seiner Familie nach München; 1812 schloß er Bekanntschaft mit dem
bayer. Kronprinzen Ludwig. Im selben Jahr begann
S. sich als Sammler zu betätigen und mit bedeutenden Künstlern zu korrespondieren. 1814/15 diente er als
kgl. bayer. Generalmajor in Aschaffenburg. Zum Aufbau seiner Kunst- und Gemäldesammlung reiste er 1821 nach Paris, 1822/23 nach Rom und auch in die Niederlande (1821, 1834, 1837).
S., der nach dem Tod seiner Frau von Schloß Wiesentheid zunächst nach Schloß Gaibach gezogen war. veranlaßte hier den Bau der Konstitutionssäule auf dem Sonnenhügel oberhalb des Schlosses; den Entwurf dazu lieferte Leo
v. Klenze. den er 1820 kennengelernt hatte (Grundsteinlegung 1821, feierl. Einweihung in Anwesenheit d. Kronprinzen 1828). Den seit 1825 geplanten und 1828 vollendeten „Konstitutionssaal“ des Schlosses malten auf Klenzes Rat zwei Schüler von Peter
v. Cornelius. Karl Hermann und Jakob Götzenberger, aus, Klenze entwarf die Ausstattung. 1827 ließ
S., dem Zeitgeschmack entsprechend, sämtliche Schloßgärten in
engl. Parks umwandeln.
S.s vielfältige Interessen spiegeln sich in den von ihm aufgebauten Sammlungen von Gemälden, Büchern und Kupferstichen (das Inventar hierzu verzeichnet
ca. 500 Kupferstiche). Die Kunstsammlung, die
S. – auch mit Hilfe Martin
v. Wagners (1777–1858), dem Kunstagenten des Kronprinzen und späteren Königs,
v. a. in Rom – aufbaute, war zu ihrer Zeit neben der Ludwigs I. die bedeu
|tendste Sammlung zeitgenössischer Kunst im süddt. Raum. Zunächst geprägt durch die Porträtmalerei der Wiener Akademie mit Friedrich Heinrich Füger und Joseph Karl Stieler, wurde sie sodann erweitert durch Joseph Anton Kochs Verbindung zu dem Kreis der Nazarener in Rom mit Reinhart als Landschafter, Overbeck als Historienmaler und den Bildhauern Rudolph Schadow und Bertel Thorvaldsen: hinzu kamen Werke der
franz. Klassizisten François Gérard und Jacques Louis David sowie
niederl. und
belg. Zeitgenossen, schließlich auch Bilder der Münchner Landschafter wie Wagenbauer und Dillis. Aus Paris stammten ferner Bronzearbeiten und Uhren von Breguet. – 25 Jahre nach
S.s Tod wurde 1865 ein Großteil der Gemäldesammlung durch den jüngeren Sohn Clemens in München versteigert, die übrigen reichen Bestände befinden sich bis heute im Besitz der Familie.
Literatur ↑
Die Gaibacher Konstitutionssäule,
Ausst.kat. Würzburg 1978;
K. Bott, Sammler zu Beginn d. 19.
Jh., Die Italienreise d. F. E.
v. S. u. seine Begegnung mit Thorvaldsen, in:
FS f. Gerhard Bott
z. 60.
Geb.tag, 1987;
dies., F. E.
Gf. v. S., Kunstsammler
zw. Klassizismus u. Romantik, in: Die Grafen
v. S., Kirchenfürsten, Sammler, Mäzene,
Ausst.kat. GNM Nürnberg 1989, S. 173-79
(L) u. S. 535-39
(zahlr. Abb.);
dies., Un illustre viaggiatore e collezionista, F. E.
v. S. a Koma, in: Bertel Thorvaldsen 1770-1844, Scultore danese a Roma,
Ausst.kat. Galleria Nazionale d'Arte Moderna Rom 1989, S. 97-104;
dies., Ein
dt. Kunstsammler zu Beginn d. 19.
Jh., F. E.
v. S. (1776-1840), 1993;
J. F. Abort, in: LI. Franken 4,1930, S. 348-78;
Nassau. Biogr.Portraits ↑
N. Treu, Hugo Damian Erwein
Gf. v. S. mit seinen Söhnen Franz Philipp Joseph u. F. E., Öl/Lwd., um 1779,
Abb. in: K. Bott, 1993 (s.
L),
Abb. 2, S. 236;
F. Lerehours, F. E.
Gf. v. S., 1802, Miniatur,
Abb. ebd.,
Abb. 85, S. 279;
J. K. Stieler, F. E.
Gf. v. S., 1816, Öl/Lwd.,
Abb. ebd.,
Abb. 119, S. 297 u.
Ausst.kat. 1989 (s.
L),
Abb. 420a, S. 536;
–
zu Maria Anna
(
† 1817): J. K. Stieler, M. A.
Gfn. v. S., 1819, Öl/Lwd.,
Abb. in: K. Bott, 1993 (s.
L),
Abb. 120, S. 297 u.
Ausst.kat. 1989,
Abb. 420b, S. 536;
–
zu Fernandine:
F. Lerehours, F.
Gfn. v. Schönborn, 1802, Miniatur,
Abb. in: K. Bott, 1993 (s.
L),
Abb. 84, S. 279;
F. Gérard, F.
Gfn. v. S. mit ihrem ältesten Sohn Erwein, Öl/Lwd.,
Abb. ebd.,
Abb. 419, S. 535;
–
zu Erwein Damian, Clemens u. Maria Anna
(
† 1856): J. B. Lampi, E.
Gf. v. S. als Knabe, 1811, Öl/Lwd.,
Abb. in: K. Bott, 1993 (s.
L),
Abb. 76, S. 275, u. in:
Ausst.kat. 1989 (s.
L),
Abb. 421, S. 537;
A. Macco, Die drei Kinder d.
Gf. F. E., 1817, Öl/Lwd.,
Abb. ebd.,
Abb. 87, S. 280 (alle
Gf. v. Schönborn Wiesentheid Kunstslgg.).
Autor ↑
Angelika BurgerEmpfohlene Zitierweise ↑
Burger, Angelika, „Schönborn-Wiesentheid, Franz Erwein Damian Joseph Graf von“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
396-397
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119210150.html