<< Döderlein.
Döderlein, Johann Ludwig Christoph Wilhelm von >>
Döderlein, Albert Siegmund Gustav
Geburtshelfer und Gynäkologe,
* 5.7.1860 Augsburg,
† 10.12.1941 München.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Gustav (1826–71), Regimentsarzt,
S des
Ludw. s. (2);
M Natalie (1837–95),
T des Honorat Casella (1808–43),
Kaufm. in Augsburg (
S des Honoratus, 1772-1835, aus Como, Gründer einer Seidenfabrik in Wien
u. Augsburg),
u. der Anna Sus. Ursula Mössl;
⚭ 1) Erlangen 1885 Anna (1863–1916),
T des Andreas Deichert (1823–88), Verlagsbuchhändler in Erlangen, 2) München 1918 Helene (1882–1956,
kath.),
T des Theodor
v. Zwehl (1849–1915),
Gen. der
Inf.,
u. der Marie
v. Faber du Faur; 1
S, 4
T aus 1),
u. a. Gustav (
* 1893),
Prof. der Gynäkologie in Jena, Hildegard (
⚭ Alfred Brunner,
* 1890,
Prof. der Chirurgie in Zürich).
Leben ↑
Döderlein studierte Medizin in Erlangen und in München (Examen und Promotion 1884). Der Obstetrik und Gynäkologie sich zuwendend unternahm er eine Studienreise nach Berlin (August Martin) und Paris und ging dann als Assistent zu P. Zweifel. Die akademische Laufbahn (Habilitation 1887, außerordentlicher Professor 1893) führte ihn als Ordinarius 1897 nach Groningen, noch im gleichen Jahr nach Tübingen und 1907 auf den Lehrstuhl F. von Winckels nach München. 1934 wurde er emeritiert.
Döderlein gehört zu den Begründern der gynäkologischen Bakteriologie. In der Schule P. Zweifels entdeckte er den Bacillus vaginalis, auch „Döderleinsches Stäbchen“ geheißen. Auf dieser Entdeckung gründen heute noch physiologische Arbeiten, hygienische und therapeutische Richtlinien in der Frauenheilkunde. Auf Grund seiner bakteriologischen Untersuchungen und nach jahrelangem Operieren unter bakteriologischer Kontrolle führte er - anknüpfend an Semmelweis - in Tübingen den Gummihandschuh in die Geburtshilfe ein. Diese Maßnahme wurde als Großtat gewertet. - Schon in Tübingen galt Döderlein als führender Karzinomoperateur. Auf Grund anatomischer und geometrischer Untersuchungen gewann er neue Einsichten für die Entwicklung erweiternder Operationen des engen Beckens, so für seine Methode der subkutanen Hebosteotomie (Hebotomie). Seine „Domäne“ wurde der extraperitoneale zervikale Kaiserschnitt, den er nach der Frank-Sellheimschen Technik ausgestaltete. – Auf dem Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie in Halle (1913) berichtete er neben E. Bumm, B. Krönig und C. J. Gauß über die ersten Erfolge in der Strahlenbehandlung des Uteruskarzinoms (= Gebärmutterkrebs) mit dem 1907 (O. Hahn) entdeckten Mesothorium. Döderlein hat in der Behandlung des Uteruskarzinoms schließlich auf
|das Messer verzichtet. Ebenso erfolgreich förderte er die Röntgentherapie in der Frauenheilkunde; nach der Methode der Hartfilterbestrahlung (Krönig und Gauß) behandelte er an klimakterischen Metrorrhagien und Myomen erkrankte Frauen. Sein Mitarbeiter auf den Gebieten der Strahlenbehandlung war der Physiker Friedrich Voltz. – Döderlein hat den Film in den geburtshilflichen Unterricht eingeführt (14.2.1918) sowie für nicht sichtbare Vorgänge den Trickfilm. Von seinem Lehrtalent zeugt sein klassischer „Leitfaden für den geburtshilflichen Operationskurs“, 1893,
201950 (bearbeitet von Gustav Döderlein).– Unter der Leitung Döderleins erreichte die durch K. von Hecker und F. von Winckel begründete Münchener Schule der Gynäkologie und Geburtshilfe Weltruf. Die Münchener Klinik an der Maistraße, 1916 in Beisein des Königspaares eröffnet, war Döderleins Schöpfung. Döderlein war eine autoritativ auftretende Persönlichkeit von „ganz seltener Geschlossenheit“. – Dr. artis obstetriciae honoris causa (Groningen 1914).
Werke ↑
Weitere W u. a. Operative Gynäkol., 1905,
51927 (mit B. Krönig, span.
Übers.); Aus d. prakt. Geburtshilfe d. letzten 75 J., in: Münchener
med. Wschr. 75, 1928, S. 42-45;
Hrsg.: Hdb. d. Geburtshilfe, 3
Bde. u. Erg.-
Bd., 1915-21,
21924
ff. –
Mitarbeiter: J. Veit,
Hdb. d. Gynäkol., 1897-1907; O. Küstner, Kurzes
Lehrb. d. Gynäkol., 1901-24; F.
v. Winckel,
Hdb. d. Geburtshilfe. 1906; F. Penzoldt
u. R. Stintzing,
Hdb. d. gesamten Therapie, 1911-27; P. Zweifel
u. E. Payr, Klinik d. bösartigen Geschwülste, 1927. –
W-Verz. in: Dt. Gynäkol.
Verz.,
21939.
Literatur ↑
A. Martin, in: Archiv f. Gynäkol. 142, 1930, S. 1-6
(P);
E.
v. Seuffert, Die Entwicklung d. radiolog.
Abt. a. d.
Univ.-Frauenklinik zu München,
ebd. 142, 1930, S. 84-92;
G. A. Wagner,
ebd. 170, 1940, H. 3, S. I-II;
A. Wagner, in: Münchener
med. Wschr. 77, 1930, S. 1129-32;
H. Albrecht, A.
D. u. d. Münchener Gynäkol.
Ges.,
ebd. 77, 1930, S. 1132-36;
W. Stoeckel, in:
Zbl. f. Gynäkol., 1942, S. 182-93
(P);
L. Nürnberger,
ebd. 89, 1942, S. 107-09
(P);
G. A. Wagner,
ebd. 172, 1942, H. 3, S. I-V
(P);
H. Eymer, in: Dt.
med. Wschr. 68, 1942, S. 96 f.
Portraits ↑
Büste
v. Herm. Bleeker (I.
Univ.-Frauenklinik, München).
Autor ↑
Magnus SchmidEmpfohlene Zitierweise ↑
Schmid, Magnus, „Döderlein, Albert Siegmund Gustav“,
in: Neue Deutsche Biographie
4
(1959), S.
14 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119081822.html