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Schnitzler, Karl-Eduard Richard Arthur Gerhard von >>
Schnitzler
Schnitzler
von (zum Teil preußischer Adel 1913), Kaufleute, Bankiers. (reformiert, nach 1947 zum Teil auch katholisch)
Leben ↑
Die Familie war seit Anfang des 17.
Jh. in Gräfrath bei Solingen ansässig. Familienmitglieder nahmen öffentliche Ämter wahr, einige als Bürgermeister. Sie vertrieben als Händler geschmiedete Solinger Waren, als nicht privilegierte Kaufleute war ihnen der Handel mit Schwertern und Klingen verboten. Um dies zu umgehen, gründete
Philipp Jacob (1759–1811) 1797 mit seinem zunftangehörigen Onkel Wilhelm Bernhard Samuel Kirschbaum (
† 1803) das Unternehmen „Schnitzler & Kirschbaum“. Nach dem Tod Philipp Jacobs übernahm sein ältester Sohn Carl
Eduard (1792–1864) die Unternehmensleitung. Nach dessen Übersiedlung nach Köln folgten ihm seine jüngeren Brüder Carl
August (1794–1861) und Carl
Albert (1798–1852). Sie trennten sich 1835 von den Teilhabern Kirschhaum; das inzwischen nach Solingen verlegte Unternehmen hieß nun „August & Albert Schnitzler“. August war Vorsitzender des Fabrikengerichts und 1840-45 sowie 1850/51 Präsident der neu gegründeten Handelskammer für den Kreis Solingen. Nach dem Tod des Bruders verschmolz er das Unternehmen wieder mit „Schnitzler & Kirschbaum“ und zog sich als Rentier nach Bonn zurück.
Albert (1838–1906), Sohn Carl Alberts, war ebenfalls Präsident der Handelskammer (1879–1905).
Carl Eduard heiratete 1821
Wilhelmine Stein (1800–69), die Tochter von Johann Heinrich Stein (
† 1820), und wurde 1822 Teilhaber im Kölner Handelsgeschäfts „J. H. Stein“. Mit seiner Schwiegermutter Katharina Stein,
geb. Peill (1778–1854) wandelte er das Unternehmen zu einem der führenden Bankhäuser in Köln um. Er war 25 Jahre Stadtverordneter, Verwaltungsratsmitglied mehrerer Eisenbahn- und Versicherungsgesellschaften sowie der Köln. Baumwollspinnerei, ferner Mitgründer des „Weißblech-Verkaufscomptoirs“ und 1837-39 Präsident der Handelskammer (
GKR 1855;
preuß. Roter Adler-Orden III.
Kl. mit Schleife, 1860). Sein ältester Sohn
Eduard (1823–1900), verheiratet mit
Maria vom Rath (1831–91), folgte ihm als Bankier. Seit den 1850er Jahren war das Bankhaus Stein maßgeblich an der Industriefinanzierung beteiligt und investierte
v. a. in die neue Chemiebranche. Gemeinsam mit David Hansemann (1790–1864) beteiligte sich die Bank an der Entwicklung der „Disconto-Gesellschaft“. Carl Eduards zweiter Sohn
Robert (1825–97) wurde
Geh. Regierungsrat, dessen Sohn
Viktor (1862–1934, s.
Rhdb.) war Rechtsanwalt, Mitglied des
Preuß. Abgeordnetenhauses (1898–1903) und des Zentralvorstands der Nationalliberalen Partei, Stadtverordneter in Köln sowie Förderer des dortigen Musiklebens. Eine Urenkelin von Robert,
Inez (1908–91), heiratete 1928 den Bankier Hermann Josef Abs (1901–94). Carl Eduards Tochter
Emilie (1822–77) war verheiratet mit dem Dichter Karl Müller,
gen. Wolfgang Müller von Königswinter (1816–73). Eduards Söhne
Richard (1855–1938, s.
Rhdb.),
Paul (1856–1932, s.
Rhdb.), Landgerichtsrat, Gutsbesitzer in Giersberg bei Münstereifel, Mitglied des Aufsichtsrats der I. G. Farben
AG,
Arthur (1857–1917), verheiratet mit
Hedwig Borsig (1871–1945), Herr auf Klinck, Grabenitz, Eldenburg und Berenswerder in Mecklenburg, und
Eduard (1863–1937), Diplomat,
u. a. Vizekonsul in Shanghai während des Boxer-Aufstandes, wurden 1913
bzw. 1914 in den
|erblichen
preuß. Adel erhoben. Richard führte nach dem Jurastudium das Bankhaus neben Mitgliedern der Familie
v. Stein, war
schwed. Generalkonsul und bekannter Kunstsammler sowie Vorstand mehrerer Museumsvereine (
GKR 1917; Senator d.
KWG). 1926 zog er sich aus dem aktiven Geschäft zurück, blieb aber bis zu seinem Tod dem Bankhaus als Kommanditist verbunden. Seine Tochter
Edith (1892–1951) heiratete 1913 Kurt
Frhr. v. Schröder (1889–1966).
Eduards Sohn
Karl-Eduard (1918–2001,
s. u.) wurde 1952 Chefkommentator des
Dt. Fernsehfunks der
DDR und leitete 1960-89 die Sendung „Der Schwarze Kanal“. Pauls Sohn
Georg (1884–1962, s.
Rhdb.) wurde 1920
stellv. und 1924
o. Vorstandsmitglied der „Hoechst
AG“; 1925 war er an der Fusion zum I. G. Farben-Konzern beteiligt und rückte 1926 in den Vorstand des neuen Konzerns auf, wo er bis zum Kriegsende tätig war (1929 Reichskommissar f. d. Weltausst. in Barcelona, 1934
Mitgl. d.
SA, 1938 d. NSDAP, Wehrwirtsch.führer). Georg war im 2. Weltkrieg beteiligt an der Ausbeutung der Chemie-Industrie in den besetzten Gebieten, weswegen er 1948 im I. G. Farben-Prozeß zu fünf Jahren Gefängnishaft verurteilt, aber bereits 1949 entlassen wurde. Er konvertierte zum Katholizismus und war Präsident der
Dt.-Ibero-Amerik. Gesellschaft. Seine Frau
Lilly v. Mallinckrodt (1889–1981) förderte Max Beckmann und war 1925 Mitinitiatorin der konservativen Zeitschrift „Europ. Revue“. Nach dem Krieg war sie am Wiederaufbau des Städel in Frankfurt beteiligt und 1953 Mitgründerin der „Max-Beckmann-Gesellschaft“; ein Teil ihrer Kunstsammlung gelangte 1957 in das Kölner Wallraf-Richartz-Museum.
Schnitzler, Karl-Eduard Richard Arthur Gerhard von