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<< Schneider-Esleben, Paul Maximilian Heinrich     Schneider-Manzell, Toni >>

Schneider-Lengyel, Ilse Maria

Schriftstellerin, Fotografin, Ethnologin, * 10.1.1903 München, 3.12.1972 Reichenau/Bodensee. (evangelisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Felix S. (1869-1946), Dr., Oberforstmeister, S d. Friedrich Konrad (1841–1919), Bankier, Gutsbes. auf Schloß Hartmannsberg/Chiemsee, u. d. Maria Schäff (1845–1903); M Anna v. Koch (1873–1948), aus Hamburg; Ur-Gvv Egidius S.; Ur-Gmv Kathinka Nun ( 1821), aus Samoa; 1 Schw; – 1933 1953 László Lengyel ( 1949?), aus Ungarn, Maler, Architekt, zuletzt in Paris.

Leben  
S. besuchte ein privates Internat in Augsburg und studierte nach dem Abitur Kunstgeschichte und Ethnologie in München und Berlin. Seit 1920 immer wieder für längere Zeit in Paris, beschäftigte sie sich dort intensiv mit dem Surrealismus. Ihre photographische Ausbildung erwarb sie an der „Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie“ in München und bei László Moholy-Nagy (1895–1946). Neben ihrer Affinität zum franz. Surrealismus entwickelte sie zunehmendes Interesse an indigenen Völkern und deren Kultur. 1934 veröffentlichte sie bei Piper in München ihren ersten Fotoband „Die Welt der Maske“, wo sie in Wort und Bild Masken sog. primitiver Völker und ihre Bedeutung im jeweiligen kulturellen Kontext erläuterte und damit zugleich auch Verständnis für die zeitgenössische Kunst zu wecken versuchte. Noch vor Erscheinen ihres zweiten Werks „Das Gesicht des deutschen Mittelalters“ (1935) verließ sie Deutschland aus Solidarität zu ihrem jüd. Mann; das Ehepaar ging 1934 über Ungarn und Rumänien nach Frankreich, wo S. in Paris mit Schreiben und Fotografieren beider Lebensunterhalt verdiente. Nach der Rückkehr aus der Emigration schrieb sie für Zeitschriften wie „Neues Europa", „Volk und Zeit" und „Der Ruf". Sie lernte Hans Werner Richter kennen und organisierte 1947 das erste Treffen der späteren Gruppe 47 in ihrem Haus am Bannwaldsee bei Flüssen. Mit ihrer surrealistischen Lyrik ebenso wie mit ihren Übersetzungen von Texten aus überseeischen Kulturen blieb sie jedoch ein Fremdkörper in der von der „Kahlschlag-Literatur“ dominierten Literatenvereinigung, an deren Treffen sie bis 1950 und ein letztes Mal 1957 teilnahm. Alfred Andersch veröffentlichte ihren Gedichtband „septemberphase“ (1952); sie lieferte Beiträge für die Süddeutsche Zeitung und für den Rundfunk. Ihre Karriere als Kunstfotografin und -historikerin konnte sie, von den Verfolgungen der NS-Zeit traumatisiert, nicht fortsetzen. Zunehmend isoliert, starb sie verelendet und krank in einer psychiatrischen Klinik. Literarische Porträts verfaßten Gerhard Köpf (Karlina Piloti) in seinem Roman „Innerfern“ (1983) und Günter Grass (Libuschka) in „Das Treffen in Telgte“ (1979).
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Auszeichnungen  
Grand Prix d. 15e exposition de la photo et du cinéma f. Porträtfotogr. (Paris 1937).

Werke  
Weitere W L'Art italien, Chefs-d'oeuvres de la sculpture, 1935; Griech. Terrakotten, 1936; Auguste Rodin, 1939; Michelangelo-Sculptures, 1940; Roman Heads, 1941, Neudr. 2004 u. d. T. Roman Portraits; Etruscan Sculptures, 1942; Der Bildhauer Rodin, 1943; Donatello als Bildhauer, 1944; Ghiberti, 1948; Griech. Münzen 1950; Masques primitifs, 1956; – Spielplatz u. Wüste, 1949 (Gedichte); Der Mondjournalist (Erzz.), in: B. Schulz (Hg.), Gib acht, tritt nicht auf meine Träume, Geschichten d. dt. Surrealismus, 1981; - Bibliogr.: Riedmiller (s. L); - (Rest-)Nachlaß: München, Bayer. Staatsbibl.

Literatur  
H. Meyer-Brockmann, Dichter u. Richter, Die Gruppe 47 u. ihre Gäste, 1962; H. W. Richter (Hg.), Alm. d. Gruppe 47, 1962; ders., Wie entstand u. was war d. Gruppe 47?, in: H. A. Neunzig (Hg.), H. W. Richter u. d. Gruppe 47, 1979, S. 41-76; D. Lattmann, Stationen e. lit. Rep., in: Kindlers Lit.gesch. in Einzelbdn., II, S. 10-142; H. Lehnert, Die Gruppe 47, in: M. Durzak, Dt. Gegenwartslit., 1981, S. 32-60; G. Köpf, Fischwinter, in: Sprache im techn. Za. 87, 1983, S. 83-95 (P); J. Schütte (Hg.), Dichter u. Richter, Die Gruppe 47 u. die dt. Nachkriegslit., 1988; H. W. Richter (Hg.), Der Skorpion (Reprint d. Nullnr. mit e. Dok. u. e. Nachwort), 1991; N. Sombart, Pariser Lehrjahre 1951-1954, 1996; G. Köpf, Eine Asphodele, in: Lit. f. Leser, H. 1, 1996, S. 32-45 (P); S. Cofalla (Hg.), H. W. Richter, Briefe, 1997; Kulturamt d. Stadt Füssen (Hg.), I. S.-L., Kunsthist., Ethnologin, Fotografin u. Dichterin, Ausst.kat. Füssen 1997 (P); Th. Riedmiller, in: Jb. d. Hist. Ver. Alt-Küssen 1997, S. 188-94; K. Briegleb, „Neuanfang“ in d. westdt. Nachkriegslit., in: S. Braese, Bestandsaufnahme, Studien z. Gruppe 47, 1999, S. 35-63; J. Preece, What they thought of themselves and each other, in: S. Parkes, The Gruppe 47 fifty years on a reappraisal of its hist., 1999, S. 263-78; M. Vogel, Platz, Position, Profilierung, Geschlechteraspekte d. dt. Lit.betriebes 1945-1950, in: Ch. Caemmerer u. a. (Hg.), Erfahrung nach d. Krieg, Autorinnen im Lit.betrieb 1945-1950, 2002, S. 225-42; Killy; Kosch, Lit.-Lex.3.

Portraits  
Poto, um 1950 (Bayer. Staatsbibl., München), Abb. in: Ausst.kat. Füssen 1997 (s. L), S. 3.

Autor  
Eva Chrambach
Empfohlene Zitierweise  

Chrambach, Eva, „Schneider-Lengyel, Ilse Maria“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 311-312 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119490927.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S. 311-312

PND: 119490927
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Index

Schneider-Lengyel, Ilse

Name: Schneider-Lengyel, Ilse
Namensvariante: Schneider, Ilse Maria
Lebensdaten: 1903 bis 1972
Geburtsort: München
Sterbeort: Reichenau/Bodensee
Beruf/Lebensstellung: Schriftstellerin; Photographin; Ethnologin
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Chrambach, Eva
PND: 119490927

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Schneider-Lengyel, Ilse

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119490927

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