<< Schneider, Eulogius
Schneider, Franz Cölestin Ritter von >>
Schneider, Ferdinand
Uhrmacher, Erfinder,
* 10.10.1866 Fulda,
† 27.3.1955 Fulda. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann (1838–95), Goldarbeiter, Zahntechniker in
F.,
S d. Ignatz;
M Luise (1838–1903),
T d. Johann Mollenhauer (1798–1871), aus
F., zunächst Feinmechaniker u. Drechsler, dann
Blasinstrumentenfabr., gründete 1822 e. Werkstatt in
F., 1825
hess. Hofinstrumentenmacher (s.
MGG;
Riemann);
Om Gustav Mollenhauer (1837–1914), gründete 1864 e.
Fa. in Kassel, Thomas Mollenhauer (1840–1914), beide traten in d.
väterl. Fa. „J. Mollenhauer & Söhne“ ein,
Blasinstrumentenfabr.; –
⚭ 1) Margareta Bohn (1872–1911), 2) Anna Harms (1883–1953); 1
T .
Leben ↑
S. zeigte schon als Kind lebhaftes Interesse an technischen Geräten. Auf den Besuch der Realschule folgte eine vierjährige feinmechanische Lehre bei einem Fuldaer Uhrmacher, danach Beschäftigungen als Gehilfe in verschiedenen Städten,
u. a. in Hamburg, dessen Eppendorfer Klinikum
S. mit einer „elektrischen Haustelegraphenanlage“ ausrüstete. Nach dem Militärdienst, den er 1889 als Musiker in Posen ableistete, betrieb
S. im elterlichen Haus eine Werkstätte für Uhren, Feinmechanik und Elektrotechnik. Als Erfinder trat er auf allen diesen Gebieten gleichermaßen intensiv hervor; insgesamt 117
dt. und 64
ausländ. Patente belegen die kreative Vielfalt des Autodidakten. Bei einer Demonstration vor Mitgliedern des Werkmeisterbezirksvereins Fulda am 24.3.1895 konnte
S. über mehrere Meter drahtlos telegraphieren. Er kam damit ähnlichen Experimenten des späteren Nobelpreisträgers Giuglielmo Marconi (1874–1937) vermutlich um Monate zuvor. Über sein Geschäft vertrieb er noch
|vor der Jahrhundertwende in großer Stückzahl eine „funkentelegraphische“ Versuchsanordnung für den Unterricht an Schulen. Auf der Grundlage des Kristalldetektors von Ferdinand Braun (1850–1918) und des Fritters von Edouard Branly (1844–1940) entwickelte
S. zu Beginn des 20.
Jh. verschiedene hochempfindliche Empfangsgeräte und befaßte sich mit Fragen der drahtlosen Fernsteuerung. Seine Erkenntnisse führten ihn zu Überlegungen für ein System der drahtlosen Steuerung von Uhren. 1910 erwarb er eine deutschlandweite Lizenz zum Betrieb einer funkgesteuerten Normaluhr. Auf reges Interesse seitens des Militärs stießen, namentlich während des 1. Weltkriegs, verschiedene ferngesteuerte Systeme, darunter ein Magnetzünder für Torpedos und Minen sowie Ortungsgeräte und Störsender. Einen seiner Empfangsapparate baute
S. nach dem Krieg zu einem Detektor-Rundfunkgerät aus, dessen Herstellung, zeitweise unter seiner Aufsicht, in Händen der Schweizer „Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft Wädenswil“ lag. Auf größeren wirtschaftlichen Erfolg hoffte
S. indes zeitlebens vergeblich. Eine ihm durch die
Univ. Jena angetragene Ehrendoktorwürde mußte er abweisen, weil er die damit verbundenen Verwaltungskosten nicht aufbringen konnte. Er verschuldete sich bei der Finanzierung seiner Patente immer mehr, was Mitte der 1930er Jahre zur Zwangsversteigerung des elterlichen Hauses führte. In seinen letzten Lebensjahren war
S. auf einen Ehrensold seiner Heimatstadt angewiesen.
Auszeichnungen ↑
Kulturpreis d. Stadt Fulda (1944).
Werke ↑
Die drahtlose Zeitzentrale, 1922;
–
Autobiogr., 1954 (
Ms. im
StadtA Fulda);
Stephan Mollenhauer (
Hg.), F.
S., Lebenserinnerungen e. Fuldaer Erfinders u. Pioniers d. „Drahtlosen Telegraphie“, 2005
(P).Literatur ↑
H. Mielert, F.
S., ein unbekannter Erfinder aus d. Frühzeit d. Elektrotechnik, in: Kultur u. Technik 5, 1981, S. 88-91;
ders., in: S.
v. Weiher (
Hg.), Männer d. Funktechnik, 1983, S. 156-58
(P);
Lex. Elektrotechniker.
Autor ↑
Klaus BeyrerEmpfohlene Zitierweise ↑
Beyrer, Klaus, „Schneider, Ferdinand“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
289-290
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd124887589.html