<< Schnackenburg, Rudolf
Schnauffer, Kurt >>
Schnapper (österreichischer Ritter 1865 beziehungsweise 1880, Freiherren 1879 mit Prädikat „von Wimsbach“)|
Bankiers. (jüdisch)
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Leben ↑
Die Familie ist schon im 16.
Jh. im Frankfurter Getto nachweisbar.
Wolf Salomon (1728–1811) besaß dort einen Geldverleih. Seine Tochter
Gutle (1753–1849) heiratete Mayer Amschel Rothschild (1743/44-1812). Ihr Bruder, der Wechselmakler
Meyer Wolf (1757–1821), hatte mehrere Söhne. Von diesen übersiedelten
Anton (1790–1870),
Salomon Mayer (1786–1859) und
Moritz (1824–90) in die Wirtschaftsmetropole Wien, heirateten dort in die Gesellschaft ein und führten Bankgeschäfte mittleren Umfangs. Anton, bei Rothschild in Frankfurt im Geldgeschäft ausgebildet, heiratete in Wien 1822
Marie (1800–83), die Tochter des Bankiers Wilhelm
v. Wertheimstein (um 1770–1829) und erhielt 1824 die Großhandelsbefugnis. Er errichtete die größte Wechselstube im damaligen Wien und wurde Mitglied des Bankausschusses der
Österr. Nationalbank. Sein Sohn
Max (1823–1900,
österr. Rr. 1880), zunächst Prokurist bei „Wertheimsteins Sohn“ in Wien, übersiedelte 1867 nach Paris, wo er sich als erfolgreicher Bankier der Finanzierung von Projekten im Vorderen Orient widmete (Orden d.
franz. Ehrenlegion;
osman. Meschidié-Orden).
Mayer (Salomon)
Arthur (1822–86,
österr. Rr. 1865,
Frhr. 1879 mit Prädikat „
v. Wimsbach“), Salomon Mayers Sohn, gründete 1841 in Wien das „Handlungshaus M. Schnapper“; er schuf ein Vermögen mit Börsenspekulationen, indem er seinen Informationsvorsprung nutzte, den er sich durch die mit einer Stafette aus Frankfurt besonders schnell überbrachte Kursliste erwarb. 1850
österr. Staatsbürger, kaufte er 1851 die Wechselstube des Franz Schaup und betrieb sie seit 1852 gemeinsam mit seinem Bruder
Moritz (1824–90,
österr. Rr. 1865,
Frhr. 1879 mit Prädikat „
v. Wimsbach“). Aufgrund seiner guten Verbindungen zum
ksl. Hof und seiner Tätigkeiten in Berufsorganisationen (
Gründungsmitgl. u.
Präs. d. Wiener Effektenassozietät;
Präs. d. Gremiums d. Wiener bürgerl. Wechsler) konnte er sein Geschäft,
u. a. mit der Situierung von Staatsanleihen, weiter ausbauen. Ergründete eine Stiftung für invalide Soldaten nach dem
dt.-
dän. Krieg 1864 und erwarb das landtäfliche Gut Tajkowitz in Mähren.
Moritz, der in Wien mit seinem Bruder Arthur die erwähnte Wechselstube betrieb, heiratete
Marie Landauer (1832–1918), Tochter einer Wiener Bankiersfamilie. Wollte das Bankhaus Rothschild mit der Gründung der Aktienbank „Creditanstalt" 1855 den Finanzbedarf der aufstrebenden Industrie befriedigen, so erkannte Moritz den Kreditbedarf der Großgrundbesitzer, die sich nach Aufhebung der Grundherrschaft 1848 auf rationellere Bewirtschaftungsmethoden umstellten. Moritz war 1863 Mitgründer und Verwaltungsrat der „Boden-Credit-Anstalt“, verkaufte 1867 seine Wechselstube der niederösterr. „Escompte-Gesellschaft“ und leitete dort auch einige Zeit das Wechselgeschäft. Außerdem wirkte er als Verwaltungsrat der
böhm. Westbahn- und der
österr. Nordwestbahngesellschaft. Seinen sozialen Aufstieg demonstrierte der Erwerb des Schlosses Wimsbach (
Oberösterr.) (brasilian. Honorarkonsul). Er starb kinderlos. – Die drei Brüder
S. gehörten zu der Schicht von Bankiers, die großen Anteil an der wirtschaftlichen Prosperität der Habsburgermonarchie in den 1850er und 1860er Jahren hatten.
|Literatur ↑
F. B. Fray,
Allg. Handels-, Gewerbs- u. Fabrik-
Alm. f. d.
österr. Ks.staat,
Jg. 1850, S. 59, 178 ff.;
Neue Freie Presse, Abendausg., 28.6.1886, 29.8.1890, Morgenausg. 6. u. 12.1.1900;
A. Dietz, Stammbuch d. Frankfurter Juden, 1907;
Weimarer
hist.-genealog.
Tb. d. gesamten Adels jehudäischen Ursprungs 1, 1912, S. 211 f., 2, 1913, S. 411, 876 ff.;
H. Jäger-Sunstenau, Die geadelten
Judenfam. im vormärzl. Wien,
Diss. Wien 1950, S. 168 f.;
Ein
Jh. Creditanstalt-
Bankver., 1957, S. 53;
R. Sandgruber, Ökonomie u.
Pol.,
österr. Wirtsch.gesch. v. MA bis
z. Gegenwart, 1995, S. 219;
ÖBL;
|Quellen ↑
Qu Wiener Stadt- u. Landesarchiv (Handelsreg.
Verl.);
Österr. StA,
Allg. Verw.archiv (Adelsakte: Mayer Arthur 1865, Moritz 1879, Maximilian 1880);
Mitt. d. Isr. Kultusgde. Wien.
Autor ↑
Josef MentschlEmpfohlene Zitierweise ↑
Mentschl, Josef, „Schnapper“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
278-279
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd139803939.html