<< Dittes, Friedrich
Dittmarsch, Alfred Ludwig >>
Dittmann, Wilhelm Friedrich Karl
sozialistischer Politiker, Volksbeauftragter,
* 13.11.1874 Eutin,
† 7.8.1954 Bonn. (Dissident)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Joseph (1840–1918,
kath.), Stellmachermeister, seit 1882 Arbeiter, aus Bauernfamilie in Friedewalde
b. Neiße;
M Auguste (1840–1904,
ev.),
T des Stellmachermeisters
Ludw. Wendt aus Eutin;
B Paul (1878–1919), führend in der Opposition im Metallarbeiter-Verband in Hamburg, dort später Vorsitzender der
USPD, Leiter d.
rev. Bewegung, 1918 Polizeipräsident in Hamburg;
⚭ 1903 Anna Havemeyer, Tischlerstochter aus Bremerhaven.
Leben ↑
Nach einer harten Jugend trat Dittmann 1894 als Tischlergeselle dem Deutschen Holzarbeiter-Verband und der Sozialdemokratie bei. Hauptsächlich von Lassalle und Bebel beeinflußt, hat er sich für theoretische Fragen wenig interessiert. Seine Hauptleistung vor dem Kriege lag auf dem Gebiete der Parteiorganisation. 1899 Lokalredakteur in Bremerhaven, 1900 dort auch Parteivorsitzender, war er seit 1902 in Solingen tätig, bis er 1904 als besoldeter Parteisekretär nach Frankfurt/Main übersiedelte, wo er 1906 auch Stadtverordneter wurde. 1909 wurde er Chefredakteur der „Bergischen Arbeiterstimme“ in Solingen und trat 1912 für Remscheid-Lennep-Mettmann in den Reichstag ein. Seit jeher schroffer Gegner der Revisionisten und Wortführer der Radikalen, stimmte er seit Dezember 1915, in der Überzeugung, daß die deutsche Regierung den Ausbruch des Krieges verschuldet habe und einen Verständigungsfrieden verhindere, gegen die Kriegskredite und wurde 1916 beziehungsweise 1917 Gründungs- und Vorstandsmitglied der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft und der Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Der Vorwurf, daß Dittmann bei der Marinemeuterei vom Frühjahr 1917 die Hand im Spiel gehabt habe, wurde nie erwiesen, eine direkte Teilnahme ist unwahrscheinlich. Im Januar 1918 wurde er als Mitglied der Berliner Streikleitung verhaftet und zu 5 Jahren Festungshaft und 2 Monaten Gefängnis verurteilt, jedoch am 15.10.1918 entlassen. Am 10.11.1918 wurde er Mitglied des Rates der Volksbeauftragten, trat jedoch zusammen mit H. Haase und Barth bereits am 29.12. zurück. 1920-33 gehörte er wieder dem Reichstag an. Als einer der Delegierten der Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands nahm er an den Verhandlungen über den Anschluß der Partei an die III. Internationale in Moskau teil, den er (zusammen mit A. Crispien) leidenschaftlich bekämpfte. Nach der Ermordung Rathenaus 1922 betrieb er die Verschmelzung des Restes der Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands mit der
SPD. Bis 1933 in der Vereinigten
SPD in Vorstand und Fraktion führend tätig, verließ Dittmann Deutschland gemäß Vorstandsbeschluß im Februar 1933. In der Emigration in Zürich
|schrieb er umfangreiche Erinnerungen. Im Herbst 1951 kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete bis 1953 im Archiv der
SPD.
Werke ↑
Erinnerungen,
hrsg. v. G. Kotowski
(in Vorbereitung).
Literatur ↑
Kürschners Dt. Reichstag, 1912
ff. (P); P. M., W.
D. zum Gedächtnis, in: Neuer Vorwärts, 7.
Jg.,
Nr. 32
v. 13.8.1954
(P).
Autor ↑
Georg KotowskiEmpfohlene Zitierweise ↑
Kotowski, Georg, „Dittmann, Wilhelm Friedrich Karl“,
in: Neue Deutsche Biographie
4
(1959), S.
3 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119254069.html
Dittmann, Wilhelm
Name: Dittmann, Wilhelm
Namensvariante: Dittmann, Wilhelm Friedrich Karl
Lebensdaten: 1874 bis 1954
Geburtsort: Eutin
Sterbeort: Bonn
Beruf/Lebensstellung: sozialistischer Politiker; Volksbeauftragter
Konfession: Dissident; katholischer Vater
Autor NDB:
Kotowski, GeorgPND: 119254069