<< Schmitthenner, Paul
Schmittmann, Benedikt >>
Schmitthenner, Heinrich Wilhelm
Geograph,
* 3.5.1887 Neckarbischofsheim (Kraichgau),
† 28.2.1957 Marburg/Lahn,
⚰ Marburg/Lahn.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Quellen
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus d. Nürnberger Linie e.
nassau. Offz.- u.
Pfarrerfam.;
V Adolf (1854–1907), 1892 1. Pfarrer in
N., 1893 Stadtpfarrer in Heidelberg, Lehrer am Predigerseminar,
Vors. d.
wiss. Predigerver. ebd., Heimatdichter (s. Bad.
Biogr. VI, 1935;
BJ XII u.
Tl.; Kraichgauer Gestalten;
Kosch, Lit.-Lex.3),
S d. Johann Heinrich August, Kirchenrat, u. d. ;
M Wilhelmine (Aline) (1857–1922),
T d.
N. N. Wagner, Dekan in Lahr;
Urur-Gvv David Jakob Elias (1725–99), übersiedelte
v. Solms
n. Nürnberg;
B Adolf (
* 1882), Pfarrer, Paul (1884–1963,
⚭ Emma,
T d. Alexander Grimmel,
Fabr.),
Dr. phil.,
Hist.,
Abg. d.
bad. LT 1925-33
DNVP, dann NSDAP, 1933
bad. Staatsmin., 1933
ao. Prof. f.
Gesch. in Heidelberg, 1937
o. Prof. f. Wehrpol. u.
Wehrwiss. ebd., 1938-45 Rektor, 1939
Oberstlt. im Gen.stab (s.
L), Gottfried (
* 1891),
Dir. b. Degussa;
Schw Aline (1881–1936,
⚭ Karl Hasse, 1883–1960,
Komp.,
Musikwiss.,
ao. Prof. in Tübingen, 1935
Dir. d. Hochschule f. Musik in Köln, s.
NDB VIII), Erika (
* 1895),
Dr. phil., Studienrätin; –
⚭ 1921 Emilie Luise Johanna Ruppenthal (1896–1980); 2
T Charlotte Lösche (
* 1922), Dr., in Leipzig, Gertrud Börtzler (
* 1925);
Verwandte Friedrich Jakob (s. 1), Paul (s. 2).
Leben ↑
1893 übersiedelte die Familie nach Heidelberg, wo
S. zur Schule ging und 1907 die Reifeprüfung bestand. Anschließend studierte er dort Geologie, Mineralogie, Petrographie und
v. a. Geographie bei Alfred Hettner (1859–1941), bei dem er 1911 promoviert wurde (Oberflächengestaltung d.
nördl. Schwarzwalds, 1913). Im selben Jahr bereiste
S. mit Hettner Algerien und Tunesien. 1913 folgte, wieder mit Hettner, eine große Reise über Sibirien nach China und weiter nach Java. Danach Privatassistent bei Hettner, habilitierte er sich 1919 (Die Entstehung d. Stufenlandschaft am
Bsp. d. Landes
zw. Maas u. Mosel). Seit 1923 war
S. apl. ao. Professor in Heidelberg. 1925/26 unternahm er eine weitere zehnmonatige Reise nach China, namentlich in die Lößgebiete und die Jangtse-Schluchten. 1928 wurde er als Nachfolger von Hans Meyer (1858–1929) als
pers. Ordinarius für Kolonialgeographie an die
Univ. Leipzig berufen, 1935 wurde ihm nach der Entlassung von Wilhelm Volz (1870–1958) die
o. Professur für Geographie übertragen. 1945 verbrachte die US-Militäradministration
S. zusammen mit anderen führenden mitteldt. Gelehrten nach Weilburg/Lahn, wo sie in Privathäusern untergebracht wurden; 1946 übernahm er die Professur für Geographie an der
Univ. Marburg (1954
em., amtierte bis 1955).
Wie Hettner betätigte sich auch
S. noch auf verschiedenen Gebieten der Geographie. Er lieferte länderkundliche Beschreibungen der bereisten Länder, publizierte über Wirtschaftsprobleme, forschte über eher zur Geologie gehörende Fragen der Landschaftsbildung. Seine Untersuchungen zu Kolonialfragen und zur Siedlungsausdehnung behandelten neben den Überseekolonien
insbes. die Besiedlung und Besetzung von Nachbargebieten von Zentren aus, so die Ostkolonisation der Mitteleuropäer im Mittelalter und die Hanse, oder die Ausdehnung des
chines. Reichs.
S. äußerte Sympathie für die mittelalterlichen Kolonisationen und die Hanse, blieb aber auch in dem von ihm mitherausgegebenen Sammelwerk „Lebensraumfragen
europ. Völker“ (1941) sachlich distanziert, ohne die Kolonialpolitik dezidiert zu verurteilen. Bei verbalen Annäherungen an die Ideologie des Volkstumskampfs hielt
S. sich jedoch von den nationalsozialistischen Organisationen fern und trat nicht im Sinne einer kämpferischen Wissenschaft hervor. In sei
|nem Buch „Lebensräume im Kampf der Völker und Kulturen“ (1941,
21951) beschrieb er die Besiedlungsgeschichte und Wirtschaftsentwicklung verschiedener Weltgegenden sowie deren Ursachen. Fragen der Landschaftsentwicklung und Geomorphologie beschäftigten
S. seit seiner Dissertation immer wieder, etwa mit der genauen Untersuchung der Schichtstufenbildung in Thüringen. In China hatte er die Lößgebiete besucht und erörterte die Herkunft des Materials und dessen Absetzen.
Auszeichnungen ↑
o. Mitgl. d.
Sächs. Ak. d. Wiss. (1934) u. d.
Leopoldina (1939);
Ehrenmitgl. d. Geograph. Gesellschaften in Dresden, Leipzig, München u. Wien.
Werke ↑
Weitere W
Die
chines. Lößlandschaft, in: Geograph.
Zs. 25, 1919, S. 208-322;
Tunesien u. Algerien, 1924;
Chines. Landschaften u. Städte, 1925;
Reisen u. Forschungen in China, in:
Zs. d. Ges. f. Erdkunde zu Berlin, 1927, S. 171-96, 377-94;
Die Entstehung d.
Geomorphol. als geogr. Disziplin, in: Petermanns
Geogr. Mitt., 100, 1956, S. 257-68.
Literatur ↑
F. Metz,
Berr. z. Dt. Landeskunde 21, 1958, S. 48-53;
E. Noef,
Jb. d.
Sächs. Ak. d. Wiss. Leipzig, 1957/58, S. 335-37
(W, P);
E. Plewe, in: Petermanns Geograph.
Mitt. 98, 1954, S. 241-43
(W, P);
H. Blume u. H. Wilhelmy, H.
S.,
Gedächtnisschr. z. 100.
Geb.tag, 1987;
G. Wiemers,
Univ. Leipzig, Juli 1995, S. 19 f.;
H. Blume, in:
Bad. Biogrr. II, 1987;
Drüll, Heidelberger Gel.lex. I;
Pogg. VI, VII a;
|Quellen ↑
Qu Univ.archiv Leipzig (PA 257);
–
zur Fam.: J. H. A. Schmitthenner,
Geneal. d.
Fam. S., 1884;
Forts. in:
Dt. Fam.archiv V, 1956, S. 241 ff.;
–
zu Paul:
E. Wolgast, in:
Bad. Biogrr. III, 1990;
NDBA;
Die Führer d. Provinz,
hg. v. H. Kißener u. J. Scholtysek, 1997;
F.-R. Hausmann,
Dt. Geisteswiss. im 2. Weltkrieg,
22002.
Autor ↑
Gottfried ZirnsteinEmpfohlene Zitierweise ↑
Zirnstein, Gottfried, „Schmitthenner, Heinrich Wilhelm“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
248-249
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118759892.html