<< Schmitt, Carl
Schmitt, Ludwig >>
Schmitt, Kurt Paul
Versicherungsunternehmer, Reichswirtschaftsminister,
* 7.10.1886 Heidelberg,
† 22.11.1950 Heidelberg. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Literatur
| Quellen
| Portraits
| Nachlass
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann Georg (
* 1861), aus Oppau/Rhein,
Dr. med.,
prakt. Arzt in Wachenheim/Weinstraße u. München;
M Luise Grundhöfer (
* 1866), aus Rödersheim (Pfalz);
⚭ München 1909 Margueruite (
* 1889), aus Straßburg,
T d. Paul Wengler (
* 1858),
Hptm. in München, u. d. Laura Scheuermann (
* 1865); 2
S Günther (1916–39), Klaus (1925–45), 1
T Hildegard (1913–97,
⚭ Carl Otto Pape, 1906–91,
Mitgl. d. Vorstands d. Allianz
Vers.-
AG,
Vors. d. Vorstands d. Frankfurter
Vers.-
AG).
Leben ↑
S. besuchte das Gymnasium in Dürkheim und Neustadt a. d. Haardt sowie mit dem Umzug seiner Eltern das Maxgymnasium in München (Abitur 1905). Nach dem Studium der Rechtswissenschaft in München (1. u. 2.
jur. Staatsprüfung,
Dr. iur., 1912) kurzzeitig bei einer Anwaltskanzlei tätig, kam er 1913 zur „Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft“ und wechselte noch im selben Jahr zur Zweigniederlassung München der „Allianz Versicherungs-
AG“. Zu Beginn des 1. Weltkriegs als Reserveoffizier eingezogen, wurde er wegen einer Verwundung vorzeitig entlassen und 1916 zur Generaldirektion der Allianz nach Berlin versetzt, wo er eine steile Karriere durchlief: 1917
stellv., 1918
o. Vorstandsmitglied und Stellvertreter des Gene
|raldirektors Paul
v. der Nahmer (1858–1921), nach dessen Tod Vorsitzender des Vorstands und Generaldirektor.
1921-33 baute
S. die Allianz durch die Gründung weiterer Gesellschaften,
insbes. der „Allianz Lebensversicherungsbank
AG“ 1922, und die Übernahme zahlreicher aufgrund der Inflation in Schwierigkeiten geratener Versicherungsunternehmen – häufig im Zusammenwirken mit der Münchener Rück unter ihrem Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Kißkalt (1873–1958) – zum größten
dt. Versicherungskonzern aus. Bedeutendster Zusammenschluß war 1927 die Fusion mit dem wirtschaftlich gesunden „Stuttgarter Verein“. 1929 wurde die durch Spekulationsgeschäfte zusammengebrochene „Frankfurter Allgemeine Versicherungs-
AG“ (FA-VAG) aufgefangen. Seit 1921 Vizepräsident, 1931 zum Vorsitzenden des Reichsverbandes der Privatversicherung gewählt, setzte
S. sich für die damals als „Gemeinschaftspropaganda“ bezeichnete Öffentlichkeitsarbeit der Branche ein.
Neben seiner unternehmerischen Betätigung engagierte
S. sich auch politisch. 1926-28 und 1931-33 war er Mitglied des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats und gehörte zum Kreis der von Hitler herangezogenen Sachverständigen. 1930-45 unterhielt er intensive Kontakte zu Hermann Göring; 1933 trat er der NSDAP und
SS bei, wurde 1935
SS-Brigadeführer und Mitglied des „Freundeskreises Reichsführer
SS“. Am 29.6.1933 berief Hitler
S., der bereits 1930 und 1932 entsprechende Angebote abgelehnt hatte, zum Reichswirtschaftsminister und
preuß. Minister für Wirtschaft und Arbeit, um Befürchtungen der Industrie hinsichtlich unerwünschter wirtschaftspolitischer Maßnahmen gegenzusteuern.
S. organisierte die
dt. Wirtschaft in 11 Reichsgruppen nach dem Führerprinzip. Aufgrund einer Erkrankung wurde er bereits am 30.7.1934 beurlaubt und Hjalmar Schacht (1877–1970) mit der Führung der Geschäfte betraut, bis dieser nach
S.s Entlassung aus dem Kabinett am 30.1.1935 die Ämter endgültig übernahm.
S. kehrte in die Versicherungswirtschaft zurück und war nach der Pensionierung Kißkalts 1938-45 Vorstandsvorsitzender der Münchener Rück. 1945 für wenige Wochen in Moosburg interniert, in einem langwierigen Entnazifizierungsverfahren über mehrere Instanzen als „Hauptschuldiger“ angeklagt, schließlich 1949 als „Mitläufer“ eingestuft, konnte
S. – wiederum als Nachfolger Kißkalts – den Aufsichtsratsvorsitz der Münchener Rück übernehmen.
Auszeichnungen ↑
AR-
Vors. wichtiger
Untern. d.
Vers.wirtsch. u.
Ind. (AEG); Wehrwirtsch.führer (1935);
Mitgl. d.
Ak. f.
Dt. Recht (1933–45);
Preuß. Staatsrat (1933–45);
Mitgl. d. Beirats d. Reichsbank (1939–45); 2.
Vors. d. Reichsvers.ausschusses (1940–45).
Literatur ↑
Münchener Rückvers.-
Ges., Fünfundsiebzig J. 1880-1955, 1955, S. 45
(P);
L. Arps,
Dt. Vers.unternehmer, 1968, S. 165-79
(P);
P. Borscheid, 100 J. Allianz, 1990
(P);
G. D. Feldman, Die Allianz u. d.
dt. Vers.wirtsch. 1933-1945, 2001
(P);
A. Maier, Tochter, Schwester, Nachbarin – Das Machtkartell
v. Allianz u. Münchener Rück in d. Auflösung, in:
FAZ Nr. 201
v. 30.8.2003;
B. Eggenkämper, G. Modert u.
S. Pretzlik, Die Frankfurter
Vers.-
AG 1865-2004, 2004
(P);
Rhdb. (P);
C. Zentner u. F. Bedürftig, Das große
Lex. d. Dritten Reiches, 1985;
Biogr. Lex. Drittes Reich;
Personenlex. Drittes Reich;
Lilla, Preuß. Staatsrat;
Bad. Biogrr. NF 5;
|Nachlass ↑
Nachlaß: Firmenhist. Archiv d. Allianz
AG, München (FHA NL 1);
|Quellen ↑
Qu StA München (Spruchkammerakten).
Portraits ↑
Ölgem. v. A. Bresgen (Allianz
AG, München;
Münchener Rückvers.-
Ges., München).
Autor ↑
Peter KochEmpfohlene Zitierweise ↑
Koch, Peter, „Schmitt, Kurt Paul“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
238-239
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116799943.html