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<< Schmidt, Trudeliese     Schmidt, Wilhelm >>

Schmidt, Wieland

Germanist, Buch- und Bibliothekshistoriker, Bibliothekar, * 29.3.1904 Charlottenburg bei Berlin, 27.12.1989 Charlottenburg bei Berlin. (evangelisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturNachlassAutorZitierweise

Genealogie  
V Ferdinand Jakob (1860–1939), aus Mettlach/Saar, Dr. phil., bis 1913 Dir. d. Margarethen-Lyceums in Berlin, 1913-27 ao. Prof. f. Philos. u. Päd. an d. Univ. Berlin, wo u. a. Richard Friedenthal, Richard Moderhack u. S. seine Schüler waren, Vf. v. Schrr. z. dt. Idealismus, engagiert in d. ev. Kirche, Mitgl. d. Dt. Protestantenver. (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1931; BBKL), S d. Bahnmeisters Jann u. d. ; M Luise, T d. Fabrikbes. Hermann Reiche u. d. Hulda Storch; Berlin 1937 Annemarie Dahlke ( n. 1989, s. W); 1 T .

Leben  
S. wuchs in einem wohlhabenden, intellektuell geprägten Elternhaus auf. An das Abitur 1922 am Wilhelmsgymnasium in Berlin schloß sich 1922-32 ein breit angelegtes Studium an der Univ. Berlin an: Germanistik (bei Gustav Roethe, Julius Petersen, Arthur Hübner), Geschichte (bei Albert Brackmann, Ernst Pereis), Kunstgeschichte (bei Adolf Goldschmidt), Mittellatein (bei Karl Strecker) und Philosophie (bei Ferdinand Jakob Schmidt). Den Abschluß bildete die Promotion (mündl. Prüfung 1933, Diss. über „Die vierundzwanzig Alten Ottos von Passau“, Teildr. 1936, vollst. 1938, Nachdr. 1967), eine durch Arbeiten Konrad Burdachs angeregte Untersuchung zur Überlieferung und zum Publikum eines spätmittelalterlichen Erbauungstraktats (113 Handschriften und Fragmente sowie 20 Inkunabeln). Statt einer Edition legte S. eine Studie über die Besitzer dieser Handschriften, ihre Lebensumstände und Motive vor. Mit seiner grundlegenden Dissertation, in der S. methodisch innovativ und überzeugend einen Paradigmenwechsel von der Archetypuserforschung der altdt. Handschriften zur neuen Rezeptionsforschung vollzog, profilierte er sich in der älteren Literaturwissenschaft – wie Ernst Beutler (1885–1960) und später Kurt Ruh (1914–2002) – als einer der Pioniere der Rezeptionsästhetik.
Seine berufliche Laufbahn führte ihn jedoch in das Bibliothekswesen. An Tätigkeiten als Mitarbeiter bei der Beschreibung altdt. Handschriften für das Handschriftenarchiv der Preuß. Akademie der Wissenschaften (1927–39) und als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Gesamtkatalog der Wiegendrucke schloß sich ein Volontariat an der Preuß. Staatsbibliothek Berlin sowie an der Universitätsbibliothek Berlin an (1934-36). S. war 1937-39 und – nach Kriegsteilnahme und russ. Kriegsgefangenschaft – 1945-46 Bibliothekar (Bibl.rat 1942) an der Staatsbibliothek. 1946-50 war S. Direktor der Universitätsbibliothek der Humboldt-Univ. in Ost-Berlin, 1951-66 der Universitätsbibliothek der Freien Univ. in West-Berlin, die er mitbegründete und – unter tatkräftiger Mitarbeit seiner Stellvertreterin Luise v. Schwartzkoppen (1902–86) – aufbaute. Ebenfalls 1951 wurde er ao. Professor für Bibliothekswissenschaft an der Freien Univ., 1966-69 o. Professor, stets mit zahlreichen Studenten, u. a. Wolfgang Milde, Hans Werner Schober, Hans-Peter Freytag und Barbara Wilk-Mincǔ.
S.s publizierte später überwiegend Aufsätze und Handbuch- bzw. Lexikonartikel (u. a. Vf.-Lex. d. MA; Reallex. d. dt. Lit.gesch.; Hdb. d. Publizistik; Goethe Hdb.) zu den Themen altdt. Literatur, Publikum, Inkunabelforschung, Einbandkunde, Bibliotheksgeschichte, speziell auch zur Berliner Wissenschafts- und Bibliotheksgeschichte, häufig biographisch orientiert, daneben Gelegenheitsstudien, bei denen Buchrezeption und Buchgeschichte die leitenden Gesichtspunkte waren. In späteren Jahren widmete sich S.|hauptsächlich dem Aufbau der Staatsbibliothek der Stiftung Preuß. Kulturbesitz in Berlin: Als Mitglied des Stiftungsbeirats und der Bibliothekskommission (Vors. 1962–72) gelang es ihm, die zukünftige Staatsbibliothek als Teil eines modernen Bibliothekssystems zu installieren, den Neubau in der Potsdamer Straße entscheidend zu befördern, eine Grundkonzeption ihrer Funktion als zentraler Universalbibliothek von nationaler und internationaler Bedeutung zu entwickeln und die Rückführung der ca. 1 ½ Mio. Bücher der ehemaligen Preuß. Staatsbibliothek aus ihren Provisorien Marburg und Tübingen nach Berlin in die Wege zu leiten. Er sah diese Bibliothek weniger für den rezeptiv arbeitenden Massenbenutzer als vielmehr für den produktiv arbeitenden Wissenschaftler bestimmt – eine eher ideale denn reale Auffassung.

Auszeichnungen  
Mitgl. in mehreren Kommissionen d. DFG (Bibl.ausschuß, 1964/65 Vors., Hss.Katalogisierung, Drucke d. 16. Jh.), im Berliner Bibliophilen Abend (Vors. 1960–70, Ehrenmitgl. 1988), d. Heinrich-v.-Kleist-Ges. Berlin (Präs. 1968–78, Ehren-präs. ab 1984), d. Berliner Ges. f. d. Studium d. neueren Sprachen (Vors.), d. Vorstands d. Dt. Kulturgemeinschaft Urania Berlin, d. Beirats d. Dt. Bibl. Krankfurt/M. (Vors.) u. d. Bibl.beirats b. Senator f. Volksbildung Berlin.

Werke  
Kleine Schrr., Festgabe d. Univ.bibl. d. FU Berlin, hg. v. K. Kettig, 1969 (P), darin S. 293-304 v. Annemarie Schmidt u. H.-F. Trinks; – Bibliogr. 1930-68; fortges. v. M. Nottscheid 1968-90 (ungedr., u. a. Staatsbibl. zu Berlin, Preuß. Kulturbes.); W-Verz.: Internat. Germanistenlex.; |

Nachlass  
Nachlaß: Staatsbibl. zu Berlin, Preuß. Kulturbes., Hss.abt.: Korr.; Wilhelm-Scherer-Slg. (Fotoslg. v. Germanisten-Porträts); Archiv d. Berliner Bibliophilen Abends Berlin.

Literatur  
De captu lectoris, Wirkungen d. Buches im 15. u. 16. Jh., dargest. an … Hss. u. Drucken, 1988 (FS mit Widmung); W. Liebich, in: Zs. f. Bibl.wesen u. Bibliogr. 37, 1990, S. 193-98; W. Milde, in: Euphorion 85, 1991, S. 103-06; ders., W. S. als Germanist, ebd. 98, 2004, S. 107-26; D. Lemhoefer, in: Wandelhalle d. Bücherfreunde N. F. 32, 1990, S. 15; R. Theobald, in: Galerie Gerda Bassenge Berlin, Auktion 60 (…), Catalogus librorum W. S. (…) 10.11.1992, S. 4-7; M. Nottscheid, Bildnisse z. Gesch. d. Germanistik, Die Slg. W. S., in: Mitt. d. Marbacher Arbeitskreises f. Gesch. d. Germanistik 19/20, 2001, S. 56-66; W. Schochow, W. S., Bibliothekar zw. Tagwerk u. Wiss., in: ders., Die Berliner Staatsbibl. u. ihr Umfeld, 2005, S. 281-300 (P); LGB2; Internat. Germanistenlex. (W-Verz., L, Qu); A. Habermann u. P. Kittel, Lex. dt. wiss. Bibliothekare, 2004; – Personalakten: Archive d. Humboldt-Univ. u. d. FU Berlin; DLA Marbach/Neckar (Nachlaß Julius Petersen).

Autor  
Wolfgang Milde
Empfohlene Zitierweise  

Milde, Wolfgang, „Schmidt, Wieland“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 217-218 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117515035.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S. 217-218

PND: 117515035
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Index

Schmidt, Wieland

Name: Schmidt, Wieland
Lebensdaten: 1904 bis 1989
Geburtsort: Charlottenburg bei Berlin
Sterbeort: Charlottenburg bei Berlin
Beruf/Lebensstellung: Germanist; Buchhistoriker; Bibliothekshistoriker; Bibliothekar
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Milde, Wolfgang
PND: 117515035

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Schmidt, Wieland

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