<< Brandi, Ernst Theodor Oswald
Brandis >>
Brandi, Karl Maria Prosper Laurenz
Historiker,
* 20.5.1868 Meppen,
† 9.3.1946 Göttingen. (katholisch)
Genealogie
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Genealogie ↑
B Ernst s. (1);
⚭ Hedwig (1876–1934),
T des Ferdinand Regelsberger, Professor und Geheimer Justizrat, und der Anna Wislicenius; 3
S,
u. a. Dietrich, Architekt; 2
T .
Leben ↑
Brandi studierte in München (1886) bei A.
v. Druffel und C. A. Cornelius und in Straßburg bei P. Scheffer-Boichorst, als dessen Schüler er 1890 mit einer Arbeit über die Reichenau promoviert wurde. Sie brachte ihm die Mitarbeiterschaft an der Badischen Historischen Kommission ein. Er folgte seinem Lehrer nach Berlin. 1891-95 war er von der Münchner Historischen Kommission mit der Vollendung der nachgelassenen Arbeiten Druffels (Beiträge zur Reichsgeschichte, Monumenta Tridentina) betraut, 1895 habilitierte er sich in Göttingen mit einer Untersuchung über Landfrieden und Bündniswesen (ungedruckt). 1897 wurde er außerordentlicher Professor in Marburg, wo ihm vor allem die Pflege der Hilfswissenschaften oblag; von 1902 bis zu seiner 1936 erfolgten Emeritierung und wieder vertretungsweise von Kriegsausbruch bis kurz vor seinem Tode hatte er als besonders erfolgreicher Lehrer ein Ordinariat für deutsche Geschichte in Göttingen inne.
Nach flüchtiger Berührung mit dem Naumann-Kreis schloß sich Brandi, der immer in lebendiger Auseinandersetzung mit den in seinem Elternhaus stark und innerlich gepflegten Traditionen der katholischen Kirche blieb, unter dem Eindruck der Gesetze über Jesuitenorden und marianische Kongregationen 1904 den Jungliberalen an, ab 1919 spielte er eine aktive Rolle, zeitweilig als Abgeordneter im Provinziallandtag, in der Deutschen Volkspartei.
Entsprangen seine früheren Arbeiten zur Quellenkunde und Diplomatik im weitesten Sinne noch dem antiquarisch-kritischen Ausgangspunkt seiner Jugend, so machte sich daneben bald seine Begabung und Neigung zur bildenden Kunst, zur anschaulichen und gestalteten Form, bei innerer Fremdheit gegenüber philosophischen Problemen und „Ideengeschichte“, in seinen Forschungen zur Renaissance geltend. Er war in gleicher Weise fähig, sich in die Probleme der engeren Landesgeschichte zu vertiefen wie große historische Entwicklungsprozesse, besonders im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation, in universalgeschichtlichem Rahmen darzustellen. In der Biographie die vollkommenste Form der Historiographie sehend, verband Brandi mit seinen schon 1907 begonnenen und zunächst als Vollendung des Baumgartenschen Werkes gedachten Arbeiten zu seinem Buche über Karl V. die Betreuung der von der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften in Angriff genommenen Sammlung und Sichtung der Korrespondenz des Kaisers. Gleichfalls im Rahmen der Göttinger Akademie leitete er seit 1937 die Edition der Werke Justus Mösers und seit 1938 die Bearbeitung der Deutschen Inschriften im Gebiete des alten Herzogtums Sachsen. Seine wirklichkeitsnahe und die Gegenwart stets bejahende Persönlichkeit, bei konzilianten Formen von starkem Temperament getragen, beschränkte sich nicht auf rein gelehrte Arbeit, sondern entwickelte eine ausgebreitete Tätigkeit in wissenschaftlichen Organisationen. Brandi war ordentliches Mitglied der Akademie Göttingen, korrespondierendes Mitglied der Akademien Berlin, München, Budapest, Kopenhagen, Ehrenmitglied der Wiener Akademie und Ehrendoktor der Universität Cambridge.
Werke ↑
s.
DW; G. Franz,
Bücherkde. z. dt. Gesch., 1951; W. Holtzmann-G. Ritter,
Dt. Gesch. wiss. im zweiten Weltkrieg, 1951; Aus 77 J.
(ungedr. Autobiogr.).
Literatur ↑
E. Weniger, in: Sammlung 1, 1946;
L. Arbusow, in: Göttinger
Univ.-
Ztg.,
Nr. 7, 1946;
H. V. Srbik, in:
Alm. d.
österr. Ak. d. Wiss.,
Jg. 97, 1947, Wien 1948;
L. Schirmeyer, in:
Mitt. d.
Hist. Ver. Osnabrück, 1947;
R. Smend, in:
Mitt. d.
Univ.-Bundes Göttingen,
Jg. 25, 1947
(P);
H. O. May, in: Niedersächs.
Jb. 20, 1947
(P);
P. E. Schramm, in:
ZSRGG 65, 1947, S. 476 ff.;
W. Goetz, in:
Jb. d.
Bayer. Ak. d. Wiss. 1949, 1950, S. 106-10;
O.
Gf. Looz-Corswaren, in:
HJb. 62-69, 1949;
K. Jordan, in:
DA 8, 1951.
Portraits ↑
in:
Rhdb., 1930, S. 198.
Autor ↑
Sabine KrügerEmpfohlene Zitierweise ↑
Krüger, Sabine, „Brandi, Karl Maria Prosper Laurenz“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
523
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118673173.html
Brandi, Karl
Name: Brandi, Karl
Namensvariante: Brandi, Karl Maria Psoper Laurenz
Lebensdaten: 1868 bis 1946
Geburtsort: Meppen
Sterbeort: Göttingen
Beruf/Lebensstellung: Historiker
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Krüger, SabinePND: 118673173