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Schmidhäuser, Eberhard

Jurist, * 10.10.1920 Stuttgart, 6.3.2002 Hamburg.


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Hermann (1887–1948), aus Bad Cannstatt b. St., Jurist, Oberreg.rat, 1924-45 Leiter d. Jugendstrafanstalt in Heilbronn; M Hildegard Schwab (1895–1973), aus Schwäbisch Gmünd; 3 Geschw; – Stuttgart 1945 Elsbeth Johanna (* 1923), aus Bad Mergentheim, T d. Gustav Albert Hahn (1865–1955), aus Ellwangen, Pfarrer, u. d. Anna Haug (1876–1976), aus Langenau (Württ.); 2 T Konstanze Hübner (* 1947), Juristin, Agathe Lustfeld (* 1948), Fremdsprachenkorrespondentin.

Leben  
S. studierte nach dem Schulbesuch in Heilbronn (Abitur 1938) und Kriegsdienst (1939–41, nach schwerer Verwundung entlassen) 1942-46 in Straßburg, Freiburg und Tübingen Rechtswissenschaften. Nach dem Referendardienst in Stuttgart 1949-52 Richter am dortigen Landgericht, wurde S. im Anschluß an die Promotion 1952 bei Eduard Kern in Tübingen dort Wissenschaftlicher Assistent und habilitierte sich 1955 mit einer Schrift über das von Wilhelm Gallas angeregte Thema „Gesinnungsmerkmale im Strafrecht“ (1958). 1959-63 war er Ordinarius für Strafrecht und Prozeßrecht in Göttingen, danach an der Univ. Hamburg, der er über seine Emeritierung 1986 hinaus bis zu seinem Tod in Forschung und Lehre verbunden blieb.
Die Strafrechtswissenschaft verdankt S. als bleibende Leistung die teleologische Straftatsystematik. Diese erfaßt die Straftatmerkmale, die in den klassifikatorischen Systemen der zuvor herrschenden sog. klassischen und der sog. finalen Verbrechenslehre als bloße Attribute der naturalistisch bzw. ontologisch verstandenen „Handlung“ als des Basisbegriffs fungierten, in ihrem materialen Gehalt und ordnet sie unter dem Leitaspekt der sachangemessenen Rechtsfolgenregelung. Werden so von der Rechtsfolge „Strafe“ her deren Voraussetzungen systematisiert, ergibt sich als tatbestandsmäßiges Unrecht ein rechtsgutsverletzendes Willensverhalten ei|nes Menschen, als tatbestandsmäßige Schuld seine darauf bezogene unrechtliche Gesinnung. S. stellte seine methodische Grundthese, wonach sich alle strafrechtliche Begriffsbildung und Systematik auf ihre Relevanz für die Strafrechtsfolgen hin zu rechtfertigen hat, in seinem Lehrbuch „Strafrecht, Allg. Teil“ (1970, 21975) umfassend dar und veranschaulichte sie in weiteren Abhandlungen aus dem Gesamtfeld des materiellen und des formellen Strafrechts. Mit seiner Schrift „Vom Sinn der Strafe“ (1963, 21971) beteiligte sich S. an den Auseinandersetzungen um die tradierten Straftheorien und erkannte darin die Generalprävention als Grundlage des staatlichen Strafens an, das sich für ihn aber nur im Hinblick auf die Existenzsicherung des Gemeinwesens als sinnhaft erweist. Schüler S.s waren u. a. Winrich Langer und Heiner Alwart.

Werke  
Weitere W Objektive Strafbarkeitsbedingungen, in: ZStW 71, 1959, S. 545-64; Zur Frage nach d. Ziel d. Strafprozesses, in: FS f. Eberhard Schmidt, 1961, S. 511-24; Über Aktualität u. Potentialität d. Unrechtsbewußtseins, in: FS f. Hellmuth Mayer, 1966, S. 317-38; Zur Systematik d. Verbrechenslehre, in: Gedächtnisschr. f. Gustav Radbruch, 1968, S. 268-80; Vorsatzbegriff u. Begriffsjurisprudenz im Strafrecht, 1968; Der Unrechtstatbestand, in: FS f. Karl Engisch, 1969, S. 433-55; Einf. in d. Strafrecht, 1972; Strafrecht, Allg. Teil, Stud.buch, 1982, 21984 (mit H. Alwart); Strafrecht, Besonderer Teil, Grundriß, 1980, 21983; Das Verbrechen in Kleists „Marquise von O …“, in: Kleist-Jb. 1986, S. 156-75; Vom Verbrechen z. Strafe, Albert Gamus „Der Fremde“, 1992; Verbrechen u. Strafe, Ein Streifzug durch d. Weltlit. v. Sophokles bis Dürrenmatt, 1995, 21996; Über Strafe u. Gen.Prävention, in: FS f. E. A. Wolf, 1998, S. 443-58; Goethes Denken über Recht u. Staat aus d. Sicht v. gestern u. heute, in: Goethe-Jb. 116, 1999, S. 178-90.

Literatur  
K. Lackner, Rez. v. Strafrecht Allg. T., Lehrb., 1970, in: Jur.ztg. 1973, S. 69-71; ders., Rez. v. Strafrecht Allg. T., Lehrb., 21975, ebd. 1978, S. 210-12; W. Langer, Strafrechtsdogmatik als Wiss., E. S. z. 70. Geb.tag am 10. Okt. 1990, in: Goltdammer's Archiv f. Strafrecht, 1990, S. 435-66; H. Müller-Dietz, (Straf-)Gerechtigkeit im Spiegel d. Weltlit., ebd., 1995, S. 499-514; W. Langer, E. S. z. 80. Geb.tag, in: NJW, 2000, S. 3045 f.; ders., ebd., 2002, S. 2008 f.; H. Alwart, in: Jur.ztg., 1992, S. 879 f.; Hamburger Univ.reden, NF 6, 2004 (P).

Autor  
Winrich Langer
Empfohlene Zitierweise  

Langer, Winrich, „Schmidhäuser, Eberhard“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 157-158 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117747645.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S. 157-158

PND: 117747645
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Index

Schmidhäuser, Eberhard

Name: Schmidhäuser, Eberhard
Lebensdaten: 1920 bis 2002
Geburtsort: Stuttgart
Sterbeort: Hamburg
Beruf/Lebensstellung: Jurist
Autor NDB: Langer, Winrich
PND: 117747645

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Schmidhäuser, Eberhard

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117747645

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