<< Schmid, Heinrich Daniel
Schmid, Jakob, Chemiker >>
Schmid, Hermann Ludwig
Mathematiker,
* 26.6.1908 Göggingen bei Augsburg,
† 16.4.1956 Würzburg.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Josef (1867–1913),
Ziegeleibes. in
G.;
M Walburga Wechsler (1879–1961);
⚭ 1) Göttingen 1935 Viveka Dalin (
† 1936), 2) Berlin 1946 Ursula Pallasch (1920–2004); 3
S, 2
T aus 2).
Leben ↑
Nach dem Studium der Mathematik und Physik 1927-32 an der
Univ. München mit Abschluß für das Höhere Lehramt war
S. zwei Jahre im Schuldienst tätig. 1934 wurde er in Marburg bei Helmut Hasse (1898–1979) promoviert (Über d. Reziprozitätsgesetz in relativ-zykl. algebraischen Funktionenkörpern mit endlichem Konstantenkörper, in:
Math. Zs. 40, 1935, S. 94-109) und folgte seinem Doktorvater 1935 nach Göttingen. Als Mitglied einer Forschergruppe, der auch Ernst Witt (1911–91) und Oswald Teichmüller (1913–43) angehörten, verfaßte
S. eine Reihe von Beiträgen zur Arithmetisierung von algebraischen Funktionenkörpern. Ein arithmetischer Formalismus ist dabei besonders hervorzuheben, der später in den
sog. Wittschen Vektorkalkül Eingang fand. Nach der Habilitation (Zur Meromorphismentheo
|rie d. ellipt. Funktionenkörper, in:
Math. Zs. 47, 1941, S. 399-421) 1939 in Gießen und kurzem Militärdienst folgte
S. 1940 Harald Geppert (1902–45) an die
Univ. Berlin, wo er als Dozent und Redaktionssekretär des Referateorgans „Zentralblatt für Mathematik“ tätig war (seit 1947
Hg.). Seine Forschungen verlagerten sich in dieser Zeit weitgehend auf Themen aus der Algebraischen Geometrie (Formenprobleme) und der Mathematischen Physik (Lamésche Differentialgleichungen); die Publikationen erfolgten vielfach erst nach dem Krieg.
1946 übernahm
S. eine
o. Professur für Mathematik an der Ostberliner Humboldt-Universität, wo er sich intensiv der Wiederherstellung und Neuschaffung der institutionellen Strukturen in Lehre und Forschung widmete. Es ist weitgehend sein Verdienst, daß das verwaiste Mathematische Institut in kürzester Zeit wieder funktionsfähig wurde.
S., der
u. a. Hasse und Erhard Schmidt (1876–1959) für die Humboldt-Universität gewann, war maßgeblich beteiligt an der Einrichtung eines Forschungsinstituts für Reine Mathematik an der 1946 neugegründeten „
Dt. Akademie der Wissenschaften“, dessen Leiter er 1947-53 war. Unter
S.s Schriftleitung nahm das „Zentralblatt“ 1947 seine Arbeit wieder auf, dessen Fortbestand durch eine Kooperation mit den
amerik. „Mathematical Reviews“ gesichert werden konnte. Im selben Jahr war
S. Mitgründer der „Mathematischen Nachrichten“, deren Schriftleitung und Mitherausgabe er bis 1956 übernahm. 1961 erschien das „Mathematische Wörterbuch“ (2
Bde.), für das
S. 1947-53 alleine federführend war. 1953 nach Würzburg berufen, gründete
S. dort im selben Jahr mit Herbert Bilharz (1910–56) zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses eine mit Drittmitteln finanzierte Forschungsstelle für junge Mathematiker. Kurz vor seinem Tod wurde
S. noch zum Dekan und Rektor der
Univ. Würzburg gewählt. Mit großer Tatkraft und diplomatischem Geschick trug er dazu bei, die internationale Isolation der
dt. Mathematiker abzubauen; hierzu zählt auch seine Tätigkeit als Mitglied im Ausschuß „Referate und Symbole“ der „International Mathematical Union“ (1952/53).
Auszeichnungen ↑
Mitgl. d.
Dt. Mathematiker-Vereinigung (1935,
Mitgl. d. Vorstands 1949–52, d. Präsidiums bis 1954).
Werke ↑
Zykl. algebra. Funktionenkörper
v. Grad p
n über endlichem Konstantenkörper d. Charakeristik p, in: Journal f. reine u.
angew. Math. 175, 1936, S. 108-23;
Kongruenzzetafunktionen in zykl. Körpern, in:
Abhh. d.
Preuß. Ak. d. Wiss.,
Math.-
Naturwiss. Kl. 1941, S. 1-30;
Störungsrechnung
b. dreigliedrigen Kekursionen, in:
Math. Nachrr. 1, 1948, S. 377-98, 2, 1949, S. 35-44.
Literatur ↑
Zbl. f.
Math. 57, 1956, H. 6, vor S. 1
(P);
Hermann Schmidt, in:
Jber. d.
Dt. Math.-Vereinigung 61, 1958, S. 7-11;
H. Hasse, in:
Math. Nachrr. 18, 1958, S. 1-18
(W-Verz., P);
W. Jehne u. E. Lamprecht, Helmut Hasse, H. L.
S. and their students in Berlin, in: Mathematics in Berlin, 1998, S. 143-49;
Pogg. VII a.
Autor ↑
Wolfram JehneEmpfohlene Zitierweise ↑
Jehne, Wolfram, „Schmid, Hermann Ludwig“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
147-148
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119412349.html