<< Schmid, Karl Ernst
Schmid, Anton Edler von >>
Schmid, Alois (auch Aloys) Ritter von (bayerischer Personaladel 1893)
katholischer Theologe, Philosoph,
* 22.12.1825 Zaumberg bei Immenstadt (Allgäu),
† 16.3.1910 München,
⚰ Immenstadt.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V
Joseph Anton (
* um 1801), Bauer in
Z.;
M Anna Maria Käser (
† 1840), aus Obereinharz: 7
Geschw u. a.
Andreas (1840–1911), 1863 Priester, 1866
Dr. theol., 1865 Subregens, 1877
Dir. d.
Hzgl. Georgianums in
M.,
Begr. d.
Kunstslg. ebd., 1877-1909
|Prof. d. Pastoraltheol. in
M.,
Vf. v. Schrr. z. Pastoral- u.
Liturgiewiss., e. „
Gesch. d. Georgianums“ (1894) u. e.
Biogr. seines Bruders (s.
L);
N
Alois (1854–1911), seit 1893
RT-
Abg. (Zentrum),
Lokalhist. (s.
BJ 15,
Tl.;
RT-Abg. Zentrum;
BBKL 23).
Leben ↑
Nach dem Besuch des Benediktiner-Gymnasiums
St. Stephan in Augsburg studierte
S. seit 1844 in München Philosophie, daneben Altphilologie, naturwissenschaftliche und medizinische Fächer, seit 1846 Theologie. 1849 in Augsburg zum Priester geweiht, wurde er 1850 in München mit einer Preisarbeit (Die Bisthumssynode, 2
Bde., 1850/51) zum
Dr. theol. promoviert. Anschließend war er Gymnasiallehrer in Zweibrücken und 1852-66 Professor für Philosophie an der
Phil.-theol. Hochschule Dillingen. 1866-94 lehrte
S. als Nachfolger Max
v. Stadlbaurs (1808–66) an der
Univ. München Dogmatik, 1878-1904 zusätzlich Apologetik, die er als „Fundamentaltheologie“ verstand.
Der Schwerpunkt von
S.s wissenschaftlicher Tätigkeit lag auf dem Gebiet der Philosophie,
v. a. der Erkenntniskritik und der philosophischen Begründung von Theologie als Wissenschaft. Im romantischen Universalismus und den Vorgaben des Idealismus (Franz
v. Baader, Martin Deutinger, Johannes Kuhn) wurzelnd, wandte sich
S. zunehmend der neuscholastischen Richtung zu; der Begriff „Neuscholastik“ wurde wahrscheinlich von ihm zuerst benutzt. Von seiner vermittelnden Position zwischen älteren
theol. Entwürfen und der vordringenden Neuscholastik – nicht nur in der Kontroverse zwischen Johannes Kuhn (1806–87) und dem Neuscholastiker Constantin
v. Schäzler (1827–80) über das Verhältnis von Natur und Gnade – rückte er später ab. 1869 votierte er in der Münchner
theol. Fakultät gegen das von der Majorität unter Führung von Ignaz
v. Döllinger (1799–1890) verfaßte Gutachten, das sich gegen Jurisdiktionsprimat und Unfehlbarkeit des Papstes aussprach. Während des I. Vatikanums stellte er sich bedingungslos hinter die Beschlüsse des Konzils und bestimmte fortan die eher konservative Richtung der Fakultät.
Auszeichnungen ↑
bayer. GR(1903).
Werke ↑
Weitere W
Entwicklungsgesch. d. Hegelschen Logik, 1858;
Thomist. u. Skotist. Gewißheitslehre, 1859;
Über Natur u. Gnade, in:
Theol. Quartalschr. 44, 1862, S. 3-49;
Wiss. Richtungen auf d. Gebiete d. Katholizismus in neuester u. gegenwärtiger Zeit, 1862;
Die Kontroverse
zw. Kuhn u. Schäzler, in: Bonner
Theol. Lit. bl. 1866.
Nr. 18-22;
Wiss. u. Auktorität, 1868;
Gutachten über d. in Betreff d. Vatikan. Konzils
v. Ministerium Hohenlohe angeregten fünf Fragen, 1869;
Unterss. über d. letzten Gewißheitsgrund d. Offenbarungsglaubens, 1879;
Erkenntnislehre, 2
Bde., 1890;
Apologetik als spekulative Grundlegung d.
Theol., 1900.
Literatur ↑
K. Werner,
Gesch. d.
kath. Theol., 1866 (
Nachdr. 1966), S. 641 f.: Andreas Schmid,
GR Dr. A.
v. S., 1911
(W);
C. Schreiber, in:
Philos. Jb. 24, 1911, S. 104-12;
A. J. Schneider, Die
theol. Erkenntnislehre
b. A.
v. S, 1964;
G. Denzler, Das I. Vatikan. Konzil u. d.
Theol. Fak. d.
Univ. München, in: Annuarium Historiae Conciliorum 1, 1969, S. 412-55;
ders.,
Prof. Valentin Thalhofer u. d.
Theol. Fak. d.
Univ. München, in:
Btrr. z. altbayer. KGesch. 32, 1979, S. 33-84;
J. Finkenzeller, in: H. Fries u. G. Schwaiger (
Hg.),
Kath. Theologen Dtld.s im 19.
Jh., III, 1975, S. 125-44
(W, L);
H. Wolf, Ketzer oder Kirchenlehrer, Der Tübinger
Theol. Johannes
v. Kuhn, 1989, S. 147-49;
L. Scheffczyk,
Theol. im Aufbruch, in: W. Brandmüller (
Hg.),
Hdb. d.
Bayer. KGesch. III, 1991, S. 518-21;
J. Bernhart, Erinnerungen, I, 1992, S. 136 f., 203-05;
E. Pahud de Mortanges, Apologie als
Begründungswiss. d.
Theol., in: Freiburger
Zs. f.
Philos. u.
Theol. 43, 1996, S. 459-72;
E. M. Buxbaum, in: Immenstadt im Allgäu,
hg. v. R. Vogel, 1996, S. 579-82
(P);
F. X. Bischof,
Theol. u.
Gesch., Ignaz
v. Döllinger in d. zweiten Hälfte seines Lebens, 1997, S. 253-57, 301-04;
LThK3;
BBKL (W);
– zu Andreas: E. J. Raps. Das
Hzgl. Georgianum in München u. seine
Kunstslg. unter A.
S.,
Diss. München 1969;
E. M. Buxbaum, in: Immenstadt im Allgäu,
hg. v. R. Vogel, 1996. S. 582-85;
BJ 16,
Tl.Autor ↑
Otto WeißEmpfohlene Zitierweise ↑
Weiß, Otto, „Schmid, Alois Ritter von“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
141-142
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116696915.html