<< Schmerling, Anton Ritter von
Schmetterer, Leopold Karl >>
Schmettau (Schmettow), Freiherren und Grafen von
(böhmischer u. brandenburgischer Adel 1668 beziehungsweise 1698, Freiherr 1717 u. 1734, Grafen 1742). (evangelisch u. katholisch)
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Leben ↑
1480 wird
Georg Smed (
† um 1508), Stadtpfarrer bei
St. Jakob in Neiße und Domherr in Breslau, genannt, seit 1565 erscheinen weitere Mitglieder der Familie urkundlich als Bürger und Kaufleute in Neiße,
Ungar.-Hradisch, Brieg und Breslau. Die Stammreihe beginnt mit
Georg Smete (
† vor 1604), der 1592 einen
böhm. Wappenbrief erhielt. Sein Sohn
Simon Schmete (1552–1610), wie sein Vater Kaufmann in Neiße, wurde dank seiner 3. Eheschließung Herr auf Ober- und Niederhansdorf (
b. Glatz).
Georg (1615–72), Kaufmann in Breslau,
Gottfried (1620–68), Kaufmann in Brieg, und
Ernst (1622–87), auf Ober-Drömling, Kaufmannsältester in Breslau, Söhne des liechtenstein. Forstmeisters
Georg S. (1585–1636), auf Ober- und Niederhansdorf, wurden 1668 in den
böhm. Adelsstand erhoben. Zusammen mit ihrem Bruder
Heinrich (1628–1704, s.
L), Hof- und Domprediger in Berlin, bildeten sie eigene Linien, von denen die Gottfriedsche (
gfl.) und Heinrichsche (in der Adelsführung nicht beanstandete) noch bestehen.
Zur 1. Linie gehört
Ferdinande (1798–1875, s.
L), Tochter des
preuß. Oberst
August Heinrich Christoph (1753–1817), seit 1866 Ehrenstiftsdame des Klosters Zehdenick; sie spielte in der
preuß.-patriotischen Geschichtslegende zu den Freiheitskriegen eine gewisse Rolle. Gottfrieds Enkel
Gottfried Wilhelm (1686-1728),
dän. Oberstleutnant, stiftete das Fideikommiß Pommerzig. 1717 wurden er und sein Vetter
Carl Friedrich (1691–1728) in den
böhm. Freiherrenstand erhoben. Carl Friedrichs Sohn Hermann
Woldemar (1717–85, s.
L), Neffe des Feldherrn Woldemar
Gf. v. Löwendahl (1700–55) war
dän. General der Kavallerie und Generalgouverneur von Norwegen.
Woldemar Friedrich (1749–94, s.
L) war
dän. Diplomat in Madrid, Warschau und Dresden und schließlich Generaladjutant des Königs. Nach ausgedehnten Reisen und einem längeren Parisaufenthalt, lebte er als Schriftsteller und Übersetzer in Plön in bescheidenen Verhältnissen. Gottfried Wilhelms Sohn und Nachfolger auf Pommerzig, der
preuß. Staatsminister und Oberjägermeister
Gottfried Heinrich (1710–62), erhielt 1742 die Reichsgrafenwürde. Dessen Sohn
Bernhard Alexander Gottfried (1748–1816), auf Brauchitschdorf, war
preuß. Generalmajor. Ab der folgenden Generation dieser 2. Linie wurde die Namensvariante „Schmettow“ gewählt.
Bernhard (1787–1872), auf Pommerzig und Brauchitschdorf, war
preuß. Oberstleutnant und Mitglied des Herrenhauses sowie Stiftsverweser von Rietschütz. Auf Pommerzig und im Amt des Stiftsverwesers folgte ihm sein gleichnamiger Sohn (1818–89) nach, auf Brauchitschdorf (und Oberau)
Maximilian (1824–86). Dieser sowie
Richard (1828–1914) und
Rudolf (1831–70) sowie die Nachfahren der beiden ersteren standen in
preuß. Militärdienst.
Eberhard (1861–1935),
Richard (1865–1939) und
Rudolf (1891–1970) brachten es bis zum Generalleutnant; Eberhard, Träger des „Pour le mérite“ mit Eichenlaub, diente
Ks. Wilhelm II. als Generaladjutant. Bernhards Söhne
Bernhard (1846–1912, s.
BJ 18,
Tl.), auf Pommerzig,
Willibald (1848–1927), auf Schles.-Drehnow, und
Egon (1856–1942), auf Oberwolmsdorf, fungierten als Stiftsverweser von Rietschütz; Bernhard gehörte außerdem dem
preuß. Herrenhaus an, Willibald war
preuß. Generalmajor, Egon
preuß. General der Kavallerie und Träger des „Pour le mérite“. Auch die folgende Generation stand in
preuß. Militärdienst;
Bernhard (1875–1956) führte das Majorat in Pommerzig fort,
Lazarus (1878–1967) und
Hubertus (1896–1983),
Dr. iur., konvertierten zum Katholizismus, ebenso Bernhards Sohn, der Mineralkaufmann
Alexander (
* 1914). Dessen Sohn
Axel (
* 1949), Arzt in Marne, ist Vorsitzender des „Familienverbands der Grafen
v. Schmettow und Schmettau e. V.“ Willibalds Enkel
Matthias (1925–78),
Dr. phil., war Bibliotheksdirektor in Düsseldorf, sein Urenkel
Johannes (
* 1962) ist
Dipl.-Mathematiker.
|Ernsts (
† 1687) Söhne
Samuel (1657–1709), auf Ober- und Nieder-Drömling,
preuß. Kammerrat,
brandenburg. Intendant und Resident in London, und
Friedrich Wilhelm (1663–1735),
dän. Generalleutnant und Gesandter in Schweden, wurden 1701 in den Reichsfreiherren-, seine Enkel
Samuel (1684–1751, s.
ADB 31) und
Leopold (1714–77),
dän. Kammerherr und Regierungsrat in Oldenburg, 1742 in den Reichsgrafenstand erhoben. Samuel stand als Offizier in
dän., markgfl.-
ansbach., hessen-
kassel.,
kursächs., seit 1717 in
ksl. (1733
FML, 1735
GFZM, 1741
FM) und seit 1741 in
preuß. Diensten (
GFM u. Grand maître d'artillerie). 1743 wurde er Kurator der
preuß. Akademie der Wissenschaften; er machte sich durch seine kartographischen Arbeiten (
u. a. auf Sizilien u. Genua) verdient. Sein Bruder
Karl Christoph Gf. (1696–1755, s.
ADB 31), der unter
dän.,
ksl. und
preuß. Fahne diente (1743
Gen. major, 1754
Gen. lt.), stand bei Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs an der Spitze des Generalquartiermeisterstabs, fiel jedoch wegen der Aufgabe Dresdens 1759 in Ungnade. Samuels Sohn Friedrich Wilhelm
Carl Gf. (1742–1806, s.
L) führte als
preuß. Offizier eine präzise Landesaufnahme in Mecklenburg-Strelitz durch. Er war Adjutant des Prinzen Ferdinand von Preußen (1730–1813) und gilt als Vater des Prinzen Louis Ferdinand (1772–1806). Nachdem er wegen einer kritischen Veröffentlichung über den
bayer. Erbfolgekrieg in Ungnade gefallen war, nahm er 1790 seinen Abschied und widmete sich militärwissenschaftlichen Studien. 1806 übernahm er als Generalmajor eine Division und fiel bei Auerstädt.
Heinrichs (
† 1704) Sohn
Friedrich Wilhelm (1670–1732) war Oberamtmann des Joachimsthalschen Gymnasiums und seit 1724 Schulrat, sein Enkel
Ernst (1703–64, s.
ADB 31) brachte es in der
preuß. Armee 1757 zum Generalmajor, sein Urenkel
Karl Wilhelm Friedrich (1734–98) zum Generalleutnant (
Rr. d. Ordens Pour le mérite).
Literatur ↑
E.
v. Bertouch, in: Der
Dt. Herold 3, 1872, S. 92 f.;
C. Tielsch, in:
Fam. geschiehtl.
Bll. 36, 1938,
Sp. 81-88;
H. Banniza
v. Bazan u.
Rich. Müller,
Dt. Gesch. in Ahnentafeln 2, 1942, S. 220 f.;
Matthias G.
Gf. v. Schmettow, Schmettau u. Schmettow,
Gesch. e.
Geschl. aus Schlesien, 1961;
Rößler-Franz2;
GHdA VI u. 94 (Gfl. Häuser B I u. XII [
P u. a. zu Gottfried, 1883–1953, Hubertus, 1896-1983 u. Matthias, 1925-78]), 1953 u. 1988, IX u. 32 (Adelige Häuser B I u. VI), 1954 u. 1964, 125 (Adelslex. XII), 2001;
–
zu Heinrich:
R.
v. Thadden, Die
brandenburg.-
preuß. Hofprediger im 17. u. 18.
Jh., 1959;
Brandenburg. Gel. I
(W, L);
–
zu Ferdinande:
ADB 31;
Altpreuß. Biogr. II;
Breslau-Lex.;
–
zu Woldemar († 1785): ADB 31;
Biogr. Lex. SchleswigHolstein III
(W, L);
–
zu Woldemar († 1794): ADB 31;
Matthias
v. Schmettow, in:
FS O. E. Schramm, II, 1965, S. 83 ff.;
Biogr. Lex. Schleswig-Holstein (W, L);
Killy (W, L);
–
zu Friedrich Wilhelm Carl:
ADB 31;
B. Schulze, in:
Mitt. d. Reichsamtes f. Landesaufnahme VI, 1933/34;
ders., in:
Jb. f. d.
Gesch. Mittel- u. Ostdtld.s V, 1956. S. 227-49;
H.-H., Lawatsch. Goethe u. d. Andenken d.
preuß. Gen. S., in: Goethe-
Jb. 109, 1992, S. 191-98;
Biogr. Lex. Brandenburg.
Autor ↑
Franz MengesEmpfohlene Zitierweise ↑
Menges, Franz, „Schmettau, Freiherren und Grafen von“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
134-135
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd139805095.html