<< Schlüter, Otto Louis Karl
Schlums, Johannes Rudolf >>
Schlumberger
elsässische Industriellenfamilie. (evangelisch)
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Leben ↑
Die Familie stammt aus dem
schwäb. Raum bei Ulm, wo erstmals 1438 ein
Hanns Schlumpperger urkundlich erwähnt wird. 1542 erhielten die Brüder
Hanns und
Christoph Schlumperger einen
ksl. Wappenbrief, 1592 wurden die Brüder
Hans, Jakob und
Abraham sowie ihr Vetter
Martin Schlumperger in den Reichsadelsstand erhoben. 1545 wird
Claus in Setzingen, 1547 werden die Brüder
Georg und
Christian in Öllingen bei Langenau erwähnt. Die Familie trat zur Reformation über und siedelte sich um 1547 auch in Mülhausen (Elsaß) an. Familienmitglieder waren tätig im Handwerk und im Stadtrat, die Familie stellte in den folgenden 200 Jahren mehrere Räte und Bürgermeister. Sie spielte eine führende Rolle bei der Industrialisierung der Stadt und verbreitete sich dann zuerst in anderen oberelsäß. Städten, im 19.
Jh. in Österreich, im 20.
Jh. in Frankreich und den USA.
Georg Jacob (1733–1811), zuerst Tuchmacher in Mülhausen, trat 1764 hier in das Textilunternehmen „Heilmann-Blech und Cie“, seit 1793 „Blech, Schlumberger & Cie“, ein, wo er sehr schnell Hauptleiter wurde. Sein Bruder
Peter (1750–1830) gründete 1819 die Manufaktur „Schlumberger, Grosjean und Cie“; Ahnherr von sieben Generationen Industrieller, hinterließ er ein großes Vermögen und ließ sich betiteln als „
S. v. Löwenfels“. Sein Vetter
Daniel (1764–1827) gründete eine Indiennemanufaktur, eine Baumwollweberei und -Spinnerei und war Mitbegründer der ersten Freimaurerloge in Mülhausen (Perfekte Harmonie).
In der 2. Generation war
Isaac (1761–1815), Sohn Georgs, Leiter des väterlichen Unternehmens und Mitunterzeichner des Angliederungsvertrags der Stadt an Frankreich
|(1798). Die Brüder
Jacob (1777–1861) und
Hartmann (1780–1868), Söhne Peters, leiteten die väterliche Manufaktur. Ihr Bruder
Nicolas (1782–1867) gründete 1810 ein Unternehmen zur Herstellung von Textilmaschinen in Gebweiler (Guebwiler), das Weltruf erreichte und heute noch als „Nicolas Schlumberger & Cie“ besteht. Nicolas gelangen viele technische Erfindungen, durch ihn wurde Gebweiler zu einem Industriezentrum. Er förderte
ev. Institutionen (Diakonat) und war Gründer der Gebweiler Linie der Familie
S. Sein Bruder
Daniel (1788–1840) war sein wichtigster Teilhaber und zehn Jahre lang Bürgermeister von Gebweiler.
Jean-Georges (1788–1847) aus einer weiteren Linie der Familie in Mülhausen, war Leiter der von seinem Schwiegervater gegründeten Baumwollweberei „Schlumberger-Steiner & Cie“ in Mülhausen mit seinem Bruder
Pierre (1794–1845), der später die Linie von Rappoltsweiler (Ribeauvillé) gründete und dessen Sohn
Camille (1831–97) 1880-96 Bürgermeister von Colmar war.
In der dritten Generation wurde
Isaac (1792–1866) Nachfolger seines Vaters Isaac in der nun „Isaac Schlumberger und Cie“ genannten Indiennemanufaktur. Er war 1826 einer der Gründer und erster Vorsitzender der „Industriellen Gesellschaft“ in Mülhausen.
Jules (Julius) Albert (1804–92) wandelte das Unternehmen seines Großvaters Pierre um in „Schlumberger Fils et Cie“, eines der größten im Elsaß mit 2500 Arbeitern 1892; er war 42 Jahre Vorsitzender der Handelskammer von Mülhausen.
Henry (1817–76), Sohn von Nicolas, vergrößerte das Unternehmen seines Vaters in Gebweiler, wo er 1859-70 auch Bürgermeister war, erheblich. Sein Bruder
Jean (Johann
v. S.,
preuß. Adel 1895) (1819-1908) spielte ebenfalls eine bedeutende Rolle im Unternehmen, das er 60 Jahre leitete. Er gründete das Weingut Schlumberger, war Schmetterlingssammler, stiftete der Stadt ein Spital und war politisch tätig im Reichsland Elsaß-Lothringen als langjähriger Vorsitzender des Landesausschusses (1874–1903). Er war Staatsrat und Geheimrat.
In der vierten Generation ragt
Theodor (Théodore) (1840–1917), Sohn Jules Alberts, Industrieller, Mitglied des Reichstags (1900–07, s.
RT-Abg. Liberale), des Landtags und des Direktoriums des
dt. Patronats heraus. Zwei Mitglieder dieser Generation errangen Ruhm auf wissenschaftlichem und künstlerischem Gebiet:
Gustave (1844–1929), Enkel Daniels, als Spezialist der
byzantin. Geschichte und Numismatiker, Mitglied der
Bayer. Akademie der Wissenschaften und Präsident der Société des antiquaires de France (s.
Geist u. Gestalt, Erg.bd.;
NDBA 33;
BBKL) und
Camille (1864–1958), Sohn des Colmarer Bürgermeisters Camille, als Kunstmaler.
In den späteren Generationen waren künstlerisch und wissenschaftlich erfolgreich:
Jean (1877–1968), Enkel Jeans (1819–1908), als Schriftsteller und Gründer der einflußreichen Nouvelle Revue française, der Kunstmaler
Eugène (1875–1960), Sohn Gustaves, der 1946-64 in Afghanistan tätige Archäologe
Daniel (1904–72), dessen Bruder
Jean (1907–87), als weltberühmter Schmuckdesigner (2 J.zehnte tätig für Tiffany &
Co.).
Conrad (1878–1936) und sein Bruder
Marcel (1884–1953), Brüder Jeans (1877–1968), waren Erfinder einer Methode für die Suche nach neuen Erdölquellen sowie Gründer und Leiter der „Schlumberger Well Surveying Corporation“ in den USA (1934), heute weltweit größtes Service-Unternehmen für Öl- und Gasförderung. Von den Unternehmungen der Familie
S. existieren außerdem heute ein großes Weingut (140 ha, 1% d. elsäß. Rebenfläche) sowie die Bank Neuflize, Schlumberger, Mallet, Demachy.
Aus dem in Württemberg ansässigen Familienzweig ließ sich
Robert Alwin S. v. Goldeck (1814–79,
österr. Adel 1879), aus Stuttgart, zuvor sieben Jahre Betriebsleiter beim
franz. Champagnerhersteller Ruignard Père & Fils in Reims, 1843 in Österreich nieder, wo er Gründer der Wein- und Sektkellerei in Bad Vöslau wurde. Er etablierte 1859 die älteste registrierte
österr. Weinmarke (Vöslauer Goldeck), hatte große Verdienste um die Entwicklung der
österr. Weinwirtschaft und dehnte sein Unternehmen europaweit und bis in die USA aus (s.
ÖBL). Sein Enkel
Robert S. v. Goldeck (1874–1944), Wein- und Sektfabrikant, legte eine weinhistorische Sammlung an und publizierte über Weinhandel und Weinbau. Das Unternehmen wurde von ihm, seit 1945 von seinem Sohn
Robert (1902–84) geführt und gehört seit 1973 zur „Underberg
AG“ (s.
ÖBL).
Werke ↑
zu Jean (1819–1908):
César et Arioviste (1877), Chronique du couvent de Schoenensteinbach (1897), Chronique des Dominicains de Guebwiller (1898);
–
zu Gustave: Les principautés franques du Levant au Moyen-Age, 1877;
Numismatique de l'Orient latin, 2 Bde, 1878-82;
Un empereur byzantin au X
e siècle, Nicéphore Phocas, 1890;
L'épopée byzantine à la fin du X
e siècle, 3
Bde., 1896-1903;
Mes Souvenirs, 1844–1928, 1934;
–
zu Jean (1877–1968): Le lion devenu vieux, 1924;
Hist. des quatre potiers, 1935, Jalons, 1940, Eveils, 1949, Rencontres, 1968;
–
zu Daniel (1904–72): La Palmyrène du
|Nord-Ouest, 1951;
Descendants non méditerranéens de l'art grec, 1960;
L'Orient hellénisé, 1970.
Literatur ↑
Hist. documentaire de l'industrie de Mulhouse et environs au XIX
e siècle, 1902;
Clarisse Schlumberger, Portraits mulhousiens, 1906;
Das Kinderheil d. Stadt Gebweiler, Stiftung Dr. Johann u. Clarisse
v. S., 1909;
Schlumberger, Cartulaire de la famille
S., 1912;
Cinquantenaire de Théodore
S. à la
Soc. industrielle de Mulhouse, 1912;
C. de Lacroix, Théodore
S. (1840-1917), in:
Bull. de la
Soc. industrielle de Mulhouse, 1920, S. 18-23;
J. Schlumberger et D. de Ménil, Conrad
S., 1936;
Tableaux généalogiques de la famille
S., 1953-1956;
Nicolas Schlumberger et Cie, 1958;
Ch. Wetterwald, Guebwiller à travers son passé, 1971;
P. Teissonnière-Jestin, Itinéraire social d'une grande famille mulhousienne: les
S. de 1830 à 1930, in: Bull, de la
Soc. académique du Bas-Rhin, CIX-CX, 1989-90, S. 119-213 u. 244-47;
N. Stoskopf, Les patrons du Second Empire, Alsace, 1994;
Cat. de l'exposition Jean
S., Un diamant dans la Ville au Musée des Arts décoratifs, 1995;
O. Conrad, Le Conseil général du Haut-Rhin au XIX
e siècle, 1998;
Clarisse Schlumberger,
S., racines et paysages, 1998;
C. Bizot, The jewels of Jean
S., 2001;
Enc. de l'Alsace, XI, 1985, S. 6748 f.;
Dict. du monde religieux dans la France contemporaine. l'Alsace, 1987, S. 382-84;
NDBA 33, 1999,
S. 3452-68;
Dt.GB 70, 1930, S. 356-58;
GHdA 125 (Adelslex. XII), 2001, S. 501 f.;
|Quellen ↑
Qu Archiv d.
Soc. Nicolas Schlumberger et Cie, Guebwiller;
Bibl. d.
Soc. industrielle de Mulhouse.
Portraits ↑
Zahlr.
Gem. u. Fotos in d.
Bibl. Nat. et Universitaire de Strasbourg.
Autor ↑
Bernard VoglerEmpfohlene Zitierweise ↑
Vogler, Bernard, „Schlumberger“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
114-116
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119327465.html