<< Schlegel, Dorothea Friederike
Schlegelberger, Louis Rudolph Franz >>
Schlegel, Johann Joachim
Bierbrauer,
* 27.9.1821 Bergtheim (Mittelfranken),
† 13.4.1890 Bochum. (lutherisch)
Genealogie
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| Literatur
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| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus seit 1541 zunächst in Rothenburg/Tauber nachweisbarer Bauern- u.
Brauerfam.;
V Georg (1782–1853), Landwirt, Brauer in Bergtheim;
M Elisabetha Juliana Friederike Brand (1786–1863);
⚭ Erlangen 1854 Anna Susanne Christiane (1825–88),
T d. Johann Peter Schwarz (1 799-1864), Tünchermuister, Zimmermaler u. Stadtrat in Erlangen; 4
S u. a. Wilhelm (1856–1903), 1899 Vorstand d. Schlegel-Brauerei
AG, Johann Friedrich, Hermann (1859–1914),
Aufsichtsratsmitgl. d. Schlegel-Brauerei
AG, beide übernahmen 1884 d.
väterl. Brauerei in Bochum u. entwickelten diese zu e. Großbetrieb weiter, d. 1899 in d. Schlegel-Brauerei
AG umgewandelt wurde, 2
T ;
E Hans Wilhelm (1896–1969),
Ur-E Klaus-Joachim (
* 1935),
Mitgl. d. Vorstands d.
Ges. f.
Gesch. d. Brauwesens, beide in d.
Ltg. d. Schlegel-Scharpenseel-Brauerei
AG tätig (s.
L).
Leben ↑
Nach der Schulzeit erlernte
S. 1838-41 in Münchsteinach das Brauhandwerk. Zunächst arbeitete er sechs Jahre in Erlangen, einem frühen Zentrum
bayer. Bierexports. Seit 1847 absolvierte er seine Wanderzeit, die ihn über München und Innsbruck bis nach Italien führte, bevor er nach einer Zwischenstation in Fürth 1850 in die Dienste des
Gf. v. d. Recke-Volmarstein trat. Dieser betrieb seit 1839 auf seinem Gut Haus Over-dyck in Bochum-Hamme eine Brauerei. Als wirtschaftliche Probleme die Eignerfamilie zur Aufgabe des Betriebes zwangen, gründete
S. 1854 vor den Toren des im selben Jahr gegründeten „Bochumer Vereins für Bergbau
|und Gußstahlfabrikation
AG“ eine kleine Gasthausbrauerei, die die rasch steigende Nachfrage nach dem „bairischen Bier“ bald nicht mehr befriedigen konnte. 1858/59 errichtete
S. gegenüber dem bisherigen Standort ein neues Brauhaus. Sein Unternehmen behauptete sich im Konzentrationsprozeß und wuchs kontinuierlich. Als
S. starb, stand der Betrieb an der Schwelle zur Großbrauerei. Noch vor dem 1. Weltkrieg überschritt die mittlerweile in eine
AG umgewandelte Brauerei die 100 000 hl-Grenze. Nach der Fusion mit der Bochumer „Moritz-Scharpenseel-Brauerei
AG“ (1918) und weiteren Übernahmen und Verschmelzungen erreichte die „Schlegel-Scharpenseel-Brauerei
AG“ 1928 einen Ausstoß von 325 000
hl. In den 1960er Jahren zählte sie zu den zehn größten Braubetrieben der Bundesrepublik Deutschland. 1971 mit der „Dortmunder Union-Brauerei
AG“ verschmolzen, stellte die Brauerei 1980 die Produktion ein. Seit 2003 wird erneut „Schlegel-Bier“ gebraut.
S.s unternehmerischer Weg und Erfolg, aus den kleinsten Anfängen einer Hausbrauerei heraus eines der führenden Brauereiunternehmen aufzubauen, spiegeln prägende Charakterzüge einer Epoche, in der die
dt. Brauwirtschaft einen grundlegenden Umbruch erlebte. Mit der seit den 1830/40er Jahren einsetzenden Umstellung von der in Nord- und Westdeutschland vorherrschenden obergärigen auf die untergärige „bairische“ Braumethode, die zahlreiche
bayer. Braumeister nach Norden führte, begann die Industrialisierung des Braugewerbes innerhalb der industriellen Ballungsräume.
Literatur ↑
Schlegel-Scharpenseel Brauerei
AG (
Hg.), Ein
Jh. Schlegel-Bier 1854-1954, 1954: K.-J. Schlegel, Die
Gesch. d. Schlegel-Brauerei zu Bochum, in:
Jb. d.
Ges. f. d.
Gesch. u. Bihliogr. d. Brauwesens 1988/89, 1989, S. 9-51;
G. Böth, Bochums Dreiklang, in: Baier. Bier aus Westfalen,
hg. v. Westfäl. Freilichtmus. Hagen, 1998, S. 67-78.
Portraits ↑
Daguerreotypie
v. G. J. Gattineaux, 1847 (
Privatbes., Bochum),
Abb. in: V. Jakob, Menschen im Silberspiegel, Der Anfang d. Fotografie in Westfalen, 1989.
Autor ↑
Heinrich TappeEmpfohlene Zitierweise ↑
Tappe, Heinrich, „Schlegel, Johann Joachim“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
43-44
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd139539484.html