<< Schering, Karl Dietrich Arnold
Scherl, August Hugo Friedrich >>
Schering, Ernst Christian Friedrich
Apotheker, Chemieindustrieller,
* 31.5.1824 Prenzlau (Uckermark),
† 27.12.1889 Berlin,
⚰ Berlin, Friedhof der Jerusalemskirchgemeinde. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Christian Friedrich
S. (Schaering) (
* 1773), Gastwirt aus
P.;
M Marie Sophie Kanzow (1782–1860); 6
Geschw,
u. a. August Ferdinand (1810–86),
Dr. iur., Oberjustizrat im
preuß. Justizmin.; –
⚭ Berlin Mathilde
Emilie Henriette (1827-95),
T d. Johann Heinrich Zitelmann
(1800-87),
preuß. Dragonerwachtmeister
in Schwedt, u. d. Charlotte
Friederike Wilhelmine Devantier (
1807–83); 5
K u. a. Richard (1859–1942), Apotheker, 1881
Begr. d. R. Schering Fabrik
chem.-pharmazeut. Präparate (seit 1948 Blücher-Schering
GmbH & Co, Lübeck),
Aufsichtsratsmitgl. d. Schering-Kahlbaum
AG (s.
Wenzel;
Rhdb.);
E Else Blücher-
S. (1900-84).
Leben ↑
|Nach dem Gymnasialabschluß in Prenzlau absolvierte
S. 1841-44 eine Lehre in der Berliner „Apelius'schen Apotheke“ und arbeitete während der folgenden fünf Jahre als Apothekergehilfe in Köln, Aachen, Witten/Ruhr und Pasewalk. Seit 1849 studierte er an der
Univ. Berlin Chemie, Physik und Botanik
u. a. bei Eilhard Mitscherlich, Heinrich Gustav Magnus und Heinrich Rose mit abschließendem Staatsexamen (1850) zum Apotheker 1. Klasse. Nach kurzer Anstellung in der Kellner'schen „Schwanen-Apotheke" in Berlin wurde er 1851 als Apotheker vereidigt und kaufte mit finanzieller Unterstützung der Mutter, des älteren Bruders und eines Freundes sowie zwei auf dem Grundstück belassenen Hypotheken im selben Jahr die in der Chausseestraße gelegene „Schmeisser'sche Apotheke“, die er in „Grüne Apotheke“ umbenannte. Hier begann er, Chemikalien für die Pharmazie und die aufkommende Photographie herzustellen. Er analysierte Importchemikalien und erkannte, daß die photographische Technik zur Herstellung von Platten und Bildern nur dann Erfolg versprach, wenn Chemikalien von hoher Reinheit verwendet wurden. 1854 nahm er die Produktion von hochreinen Chemikalien für die Photographie im eigenen Labor auf. Weitere Chemikalien von hoher Qualität stellte
S. für die Parfümerie, Textil- und Lederindustrie, die Seifenfabrikation, die Fouerwerkerei und andere Gewerbezweige her. 1864 bezog sein Unternehmen ein neues Gebäude in Wedding, wo
S. neben der Produktion ein technisches Laboratorium zur Entwicklung industrieller Herstellungsverfahren für seine chemischen und pharmazeutischen Produkte aufbaute. Er unterhielt enge Beziehungen zu führenden Chemikern und gehörte 1868 zu den Gründern der „
Dt. Chemischen Gesellschaft“, deren Schatzmeister er 1868-80 war. Im
Dt.-
Franz. Krieg 1870/71 versorgte
S. die
preuß. Armee mit Arzneimitteln. Nach der Reichsgründung wandelte
S. 1871 sein Unternehmen in eine
AG um, die unter der Bezeichnung „Chemische Fabrik auf Aktien (
vorm. E. Schering)“ firmierte. Bis 1874 war
S. Alleinvorstand, seit 1882 wirkte er im Aufsichtsrat.
Nach seinem Tod wuchs das Unternehmen, in welchem keine Familienmitglieder tätig waren, weiter. Entwickelt wurden zahlreiche pharmazeutische Spezialitäten wie Urotropin, Athophan und Veramon. Zu Beginn des 2. Weltkrieges verfügte die „Schering
AG“ über sechs Produktionsstätten im Inland und 27 Tochtergesellschaften im In- und Ausland. Nach schweren Verlusten begann der Wiederaufbau nach 1945 nur mit dem völlig zerstörten Stammwerk in Berlin-Wedding und einem weiteren Berliner Werk. Die inländischen Absatzorganisationen wurden wieder aufgebaut und die Exportmärkte größtenteils zurückgewonnen, gleichzeitig erfolgreiche Produkte entwickelt (1961 Anovlar, erstes
europ. Präparat
z. hormonalen Empfängnisverhütung, 1985 u. 1988 die Röntgenkontrastmittel Ultravist u. Magnevist, 1993 Betaferon als erstes Medikament
z. Behandlung d. Multiplen Sklerose, 2001 Yasmin, das erste orale Kontrazeptivum mit einem neuartigen Wirkstoff). Die Schering
AG besitzt heute weltweit über 150 Tochtergesellschaften, über 26 000 Mitarbeiter und hat einen Umsatz von mehr als 5
Mrd. €
|Auszeichnungen ↑
preuß. KR (1871); Berliner Gedenktafel, Porzellan (1988); Ernst Schering-Preis d. Schering-Forsch.gemeinschaft (seit 1992); Schering-Stiftung (seit 2002).
Werke ↑
Reisen 1876-1878, Tagebücher,
hg. v. d. Schering
AG, Schrr.reihe Scheringianum,
bearb. v. G. J. Wlasich u. C. Berghausen, 2001
(P).
Literatur ↑
E. Jacobsen, in: Pharmazeut.
Ztg. Nr. 1, 1890;
J. F. Holtz, in:
Berr. d.
Dt. Chem.
Ges. 23, 1890, S. 900 ff.;
W. Vershofen, Die Anfänge d.
chem.-pharmazeut.
Ind., 1960;
W. Frobenius, A Triumph ol Scientific, 50 Years Ethinylestradiol, 1990;
From a chemist's shop to a multinational enterprise, 1990;
M. u. B. Engel, Chemie u. Chemiker in Berlin. Die Ära August Wilhelm
v. Hofmann 1865-1892,
Kat. u. Lesebuch, 1992, S. 227 f.;
G. J. Wlasich (
Hg.), Research Milestones, 100 years of pharmaceutical innovations at Schering, 1993;
H.-J. Hamann, Die Schering
AG 1945 bis 1949, Ein Untern, kämpft um sein Überleben,
21997;
Aus Berlin in alle Welt, Die Schering
AG 1949-1971, 1998;
Von d. Grünen Apotheke
z. Weltuntern.,
82003
(P), C. Kobrak,
Nat. Cultures and
Internat. Competition, 2002, S. 12-41;
W. Bartmann, Zw. Tradition u. Fortschritt, Aus d.
Gesch. d. Pharmabereiche
v. Bayer. Hoechst u. Schering
v. 1935-1975, 2003;
Pogg. III-IV;
Dt. Apotheker-Biogr.;
–
eigene Archivstud.:
Scheringianum,
Hist. Archiv u.
Mus. d. Schering
AG. Berlin.
Portraits ↑
Ölgem. v. H. Ernecke (Untern.mus. Scheringianum, Berlin).
Autor ↑
Christine BerghausenEmpfohlene Zitierweise ↑
Berghausen, Christine, „Schering, Ernst Christian Friedrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
22
(2005), S.
697-698
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd139561935.html