<< Scheel, Gustav Adolf
Scheel, Friedrich August Helmuth >>
Scheel, Heinrich
Historiker,
* 11.12.115 Berlin,
† 7.1.1996 Berlin.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Nachlass
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Harry Konrad Ernst (1882–1957), Malergeselle;
M Grete Magdalene Mollenhauer (1893–1987);
⚭ 1) Frieda Seeger (1918–95), 2) Edith Korth
geb. Schumann (
* 1916); 1 S, 1
T .
Leben ↑
Aus einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie stammend, besuchte
S. 1929-34 die reformpädagogische Schulfarm Insel Scharfen
|berg in Berlin-Tegel und studierte 1935-40 Germanistik, Geschichte und Anglistik in Berlin. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wahrte er als Schüler und Student Regimedistanz und schloß sich 1939 dem Widerstandskreis um Harro Schulze-Boysen, Arvid Harnack und Hans Coppi an. Im
Sept. 1942 verhaftet, entging
S. dank seiner geschickten Verteidigung vor dem Reichskriegsgericht dem beantragten Todesurteil und wurde Anfang 1943 „wegen Nichtanzeige der Vorbereitung zum Hoch- und Landesverrat“ zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach einjähriger Zwangsarbeit im
KZ Aschendorfer Moor (Emsland) wurde er einem Bewährungsbataillon zugeteilt, das an die Westfront verlegt wurde, und im Herbst 1944 von US-Truppen gefangengenommen. Nach zweijähriger Kriegsgefangenschaft unterrichtete
S. seit
Okt. 1946 an der Humboldt-Schule in Berlin-Tegel und übernahm 1947 nach der Pädagogischen Prüfung für das Höhere Lehramt auf Vermittlung des Reformpädagogen Wilhelm Blume (1884–1970) die Leitung der Schulfarm Scharfenberg. Anfang 1949 unter dem Vorwurf kommunistischer Unterwanderung der Schulfarm abgesetzt, wurde
S., der seit 1946
SED-Mitglied war, von den Sowjet. Besatzungsbehörden kurz darauf zum Ko-Direktor des „Hauses des Kindes“ für außerschulische Jugendarbeit in Berlin-Lichtenberg berufen, aber nach Überstellung der Einrichtung an den Zentralrat der Freien
Dt. Jugend 1950 wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ wieder abgelöst. Anfang 1951 wurde er Fachschulrat für Geschichte beim Hauptschulamt in Ost-Berlin, im Herbst desselben Jahres Dozent für Geschichte an der Pädagogischen Hochschule.
Ein Jahr später trat
S. als Assistent in das Institut für Geschichte des
dt. Volkes an der Humboldt-
Univ. Berlin ein, wo er mit Beiträgen zum Abschnitt 1789-1815 des als autoritative Gesamtdarstellung geplanten Hochschullehrbuchs der
dt. Geschichte befaßt war. Nach seiner Promotion 1956 zum
Dr. phil. mit einer Arbeit über revolutionäre Volksbewegungen in Süddeutschland wechselte er an das neugegründete Institut für Geschichte an der
Dt. Akademie der Wissenschaften (AdW), um sich fortan der Erforschung demokratischer und revolutionärer Traditionen in Deutschland und Frankreich im 18. und 19.
Jh. zu widmen. 1960 mit einer Arbeit über süddt. Jakobiner habilitiert und zum Professor für Geschichte an der Humboldt-Universität ernannt, stieg
S. am Akademie-Institut für Geschichte zum Abteilungsleiter,
stellv. Direktor und Bereichsleiter (1970) auf. 1960-64 fungierte er zugleich als Sekretär der
SED-Parteileitung und stand mehr als zwei Jahrzehnte der
dt.-
poln. und 1984-87 auch der
dt.-Sowjet. Historiker-Kommission vor. 1969 zum
o. Mitglied der AdW berufen, wirkte er 1972-84 als Vizepräsident für Plenum und Klassen in der Akademie und von 1980 bis zu dessen Auflösung 1990 als Präsident des Historikerverbandes der
DDR. Nach der Auflösung der AdW im Zuge der
dt. Vereinigung beteiligte sich
S. an der Gründung der „Leibniz-Sozietät“, in der sich Mitglieder der aufgelösten Akademie ein neues institutionelles Dach schufen.
Werke ↑
Süddt. Jakobiner, Klassenkämpfe u. republikan. Bestrebungen im
dt. Süden Ende d. 18.
Jh., 1962;
Jakobin. Flugschrr. aus d.
dt. Süden Ende d. 18.
Jh., 1965;
Vor den Schranken d. Reichskriegsger., Mein Weg in d. Widerstand, 1993;
Vom Leiter d. Schulfarm Scharfenberg
z. Historiker d.
dt. Jakobinismus (1946–1956),
Autobiogr. Aufzeichnungen (
SB d. Leibniz-Sozietät 14, 1996), 1997;
–
Hg.: Das
Reformmin. Stein, Akten
z. Vfg.- u.
Verw.gesch. aus
d. J. 1807/08, 3
Bde., 1966-68;
Die Mainzer
Rep., 3
Bde., 1975-89;
Von Stein zu Hardenberg,
Dok. aus d.
Interimsmin. Altenstein-Dohna, 1986 (
zus. mit Doris Schmidt);
|Nachlass ↑
Nachlaß: Archiv d. Berlin-Brandenburg.
Ak. d. Wiss. (
wiss. Unterlagen,
v. a. zur
Franz. Rev., zur Mainzer
Rep., zu d. Befreiungskriegen u. zum antifaschist. Widerstand;
wiss.organisator. Unterlagen
z. „Haus d. Kindes“,
z. AdW u.
z. HU Berlin).
Literatur ↑
H. Bleiber u. Walter Schmidt (
Hg.), Demokratie, Antifaschismus u. Sozialismus in d.
dt. Gesch., 1988
(P);
W. Hartkopf, Die Berliner
Ak. d. Wiss., Ihre
Mitgll. u. Preisträger 1700-1990, 1992;
Biogr. Hdb. SBZ/DDR.
Autor ↑
Martin SabrowEmpfohlene Zitierweise ↑
Sabrow, Martin, „Scheel, Heinrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
22
(2005), S.
603-604
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118606743.html