Logo der Deutschen Biographie
schwarzer Menuepunkt Schnellsuche
schwarzer Menuepunkt Erweiterte Suche
roter Menuepunkt Namen A-Z
schwarzer Menuepunkt Aktuelles
schwarzer Menuepunkt Hilfe
schwarzer Menuepunkt Über das Projekt
schwarzer Menuepunkt Impressum

NDB-Artikel

<< Sand, Carl Ludwig     Sandberger, Adolf Wilhelm August >>

Sandberg, Herbert

Graphiker, Karikaturist, * 18.4.1908 Posen, 18.3.1991 Berlin (-Ost). (jüdisch, später konfessionslos)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturQuellenPortraitsNachlassAutorZitierweise

Genealogie  
Aus bürgerl., orthodox jüd. Fam.; V Salomon (1878–1970), aus P., Lederhändler in Hindenburg (Niederschlesien), seit 1918 in Breslau; M Eva ( 1935), aus Ratibor; 3 Geschw; – 1) 1946 Eugenie (* 1923), T d. Leo Spies (Spieß) (1899–1965), Komp., Dirigent, 1929-35 Dirigent u. musikal. Leiter d. Balletts d. Staatsoper Berlin, 1935-44 Dirigent d. Dt. Oper Berlin-Charlottenburg, 1947-54 musikal. Leiter d. Komischen Oper Berlin, Leiter e. Klasse f. Komp. an d. Ak. d. Künste in Berlin(-Ost), 1959 Prof., 1954 Goethe-Preis (Berlin), Nat.preis d. DDR 1956 (s. Riemann, Erg.bd.; Kosch, Theater-Lex.; Biogr. Hdb. SBZ/DDR; New Grove), 2) 1982 Lilo Grahn (* 1953), Schausp., Verw. v. S.s Nachlaß (s. W);3 K aus 1).

Leben  
Vom Vater streng orthodox erzogen, besuchte S. zunächst das Kgn.-Luise-Gymnasium in Hindenburg. Nach der Übersiedelung der Familie nach Breslau 1918 wurde er wegen Zwistigkeiten mit dem Vater vom städt. Gymnasium genommen und nach Burgpreppach (Franken) auf eine jüd. Lehrerbildungsanstalt, die „Präparandie“. geschickt. Eine anschließende Lehre im Breslauer Bankhaus Löwy & Co. konnte er wegen Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung nicht beenden. Daraufhin ermöglichte ihm ein Onkel den Besuch der Kunstgewerbeschule. 1926 nahm ihn Otto Mueller (1874–1930) in seine Malklasse an der Breslauer Kunstakademie auf. Da S. für seinen Lebensunterhalt selbst sorgen mußte, begann er, Zeichnungen für Breslauer Wochenzeitungen zu liefern. Seit Herbst 1928 arbeitete er in Berlin für kommunistische Blätter wie die „Arbeiter Illustrierte Zeitung", „Der Knüppel", „Eulenspiegel" und „Roter Pfeffer", aber auch für den sozialdemokratischen „Wahren Jakob“ und die Ullstein-Presse. 1929 trat er der „Assoziation revolutionärer bildender Künstler“|(ASSO) bei, 1930 unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise der KPD. Bald wurde S. zum Instrukteur und in den illegalen Apparat der KPD eingebunden; die künstlerische Tätigkeit trat hinter der Politik zurück. Um der drohenden Verhaftung zu entgehen, tauchte er nach der „Machtergreifung“ unter, im Sommer 1934 floh er nach Prag. Doch die KP-Gruppe schickte ihn zurück; S. wurde zufällig aufgegriffen und zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüßung seiner Strafe im Zuchthaus Brandenburg-Görden wurde er 1937 in das KZ Buchenwald überstellt, wo er im April 1945 durch die Amerikaner befreit wurde.
Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Berlin begann S. zusammen mit Günther Weisenborn (1902–69), die satirische Zeitschrift „Ulenspiegel“ aufzubauen, die unter dem Druck der Zensur jedoch noch im selben Jahr eingestellt wurde. S. erhielt eine Arbeit als Zeichner und für kurze Zeit als Bildredakteur beim „Neuen Deutschland". In der kunstpolitischen Formalismus-Debatte 1949 als unmarxistischer „Versöhnler“ diffamiert, begann er eine Existenz als freischaffender Zeichner und Bühnenbildner. Auf Anregung Bert Brechts entstanden in den 50er Jahren Graphiken von dessen Arbeit mit dem „Berliner Ensemble“. 1954-57 übernahm S. die Chefredaktion der „Bildenden Kunst", bis die Zensur auch dieses Blatt an den Rand des Ruins brachte. Fortan arbeitete er als freier Grafiker und Karikaturist, zeichnete regelmäßig für das „Magazin" und hatte im „Neuen Deutschland“ eine Serie „Mit spitzer Feder“. Mitte der 50er Jahre begann S. damit, seine Hafterlebnisse künstlerisch zu verarbeiten. Seit den späten 60er Jahren erhielt er Ausstellungen auch in der Bundesrepublik sowie in Wien und Paris|

Auszeichnungen  
Medaille „Kämpfer gegen d. Faschismus“ (1958); Johannes-R.-Becher-Medaille in Gold (1966); Kunstpreis d. DDR (1967); VVO (in Bronze 1968, in Gold 1978); Käthe-Kollwitz-Preis d. Ak. d. Künste d. DDR (1972); Gastprof. (Hochschule f. Grafik u. Buchkunst, Leipzig 1972); Nat.preis (II. Kl. 1973, I. Kl. 1983); o. Mitgl. d. Ak. d. Künste (Berlin-Ost 1983).

Werke  
Holzschnitte u. Zeichnungen: Versch. Meinungen, die Eiferer, Angst, 1948; Eine Freundschaft, 30 Holzschnittskizzen, 1949; Brecht Verhör, 1958; Sandbergs satir. Zeitgesch., 1959; Der freche Zeichenstift, 1963; Mein Brecht-Skizzenbuch, 1967; – Graph. Folgen u. Mappen: Atom, Atom …, 1958; Der Weg, 1958-1968; Varianten z. Kommunist. Manifest, Die farbige Wahrheit, 1974; Über d. Dummheit in d. Musik, 1977; Aufzeichnungen über Buchenwald (dt., engl., franz.), hg. v. M. Hannsmann mit Holzschn. v. HAP Grieshaber u. Zeichn. v. H. S., 1978; O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen, 1980; Der anachronist. Zug, 25 Aquatinta-Radierungen, 1985; – Autobiogr. Spiegel e. Lebens, Erinnerungen, Aufss., Notizen u. Anekdoten, 1988; |

Nachlass  
Nachlaß: Privatbes. L. Sandberg-Grahn; |

Quellen  
Qu Ak. d. Künste, Berlin, Abt. Bildende Kunst, Verband Bildender Künstler d. DDR (Unterlagen u. Schr.wechsel; Kunstslg.: Der Weg, 1958-1968; 70 Radierungen, Bilder z. kommunist. Manifest, 1967-1968; 50 Decilith-Schnitte; 52 Druckgraphiken, 1948-1988; Slg. d. Plakate S.s; Fotos v. Werken S.s); Landesarchiv Berlin; BA Berlin, SAPMO (Bestand Dt. Kulturbund, Komm. Bildende Kunst).

Literatur  
Ludwig Richard Müller, S.s kl. Gal., Karikaturen u. Anekdoten, 1968; L. Lang. H. S., Leben u. Werk, 1977; H. S., Absichten u. Ansichten, 1978; H. S., Pol. Grafik, Ausst.kat. d. Abendgal. Osnabrück/Weserburg, 1981; H. S., Frühe Karikaturen – späte Graphik, bearb. v. K. Krenzlin, Ausst.kat. d. Ak. d. Künste d. DDR, 1988; Eulenspiegeleien, in: FAZ v. 18.4.1988; Brechts Zeichner, in: FAZ v. 26.3.91; K. Fleming, Karikaturisten-Lex., 1993; Wer war wer in d. DDR, 1995; Biogr. Hdb. SBZ/DDR.

Portraits  
Fotos in: BA Berlin, Bildarchiv d. SED; BA Koblenz, Bildarchiv (adn Zentralbild).

Autor  
Karin Hartewig
Empfohlene Zitierweise  

Hartewig, Karin, „Sandberg, Herbert“, in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 414-415 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118605356.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 22 (2005), S. 414-415
Erwähnungen: 
NDB 18 (1997), S. 221 in Artikel Mostar, Gerhart Herrmann

PND: 118605356
Artikel drucken

Index

Sandberg, Herbert

Name: Sandberg, Herbert
Lebensdaten: 1908 bis 1991
Geburtsort: Posen
Sterbeort: Berlin (-Ost)
Beruf/Lebensstellung: Graphiker; Karikaturist; Journalist; Publizist
Konfession: jüdisch; konfessionslos
Autor NDB: Hartewig, Karin
PND: 118605356

Weitere Informationen

Informationsangebote zu

Sandberg, Herbert

PND
118605356

Normdaten
Personennamendatei (PND)
Virtual International Authority File (VIAF)

Lexika

Bibliothekskataloge und Bibliographien
Bibliotheksverbund Bayern (BVB)
OPAC der BSB München

Nachlässe der SLUB

Nachlässe
Kalliope