<< Sallet, Friedrich Karl Ernst Wilhelm von
Salm >>
Sallinger, Rudolf
Wirtschaftspolitiker und -funktionär,
* 3.9.1916 Lassee (Niederösterreich),
† 7.3.1992 Wien. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Nachlass
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Franz (1886–1965), Tischlermeister in
L.:
M Katharina Gasselich (1893–1989); 3
Schw; –
⚭ 1943 Antonie Pavesi (
* 1919); 2
T .
Leben ↑
Aus einfachen Verhältnissen stammend, besuchte
S. die Volks- und Hauptschule in Lassee sowie 1930-38 die Baugewerbeschule in Wien und absolvierte eine Maurer- und Steinmetzlehre. Nach der Zulassung als
ao. Hörer für Architektur an der
TH Wien (1935–39) legte er 1943 die Bau- und Steinmetzmeisterprüfung ab. Seit 1940 leistete er als Pionier Kriegsdienst in Frankreich, Jugoslawien und Rußland, wobei seine Fähigkeiten in Improvisation, Organisation und Problemlösung hervortraten. Nach Kriegsende wirkte
S. für die Steinmetzer-Innung in Wien
|und trat 1953 in den Steinmetzbetrieb seiner Ehefrau (Oreste Bastreri, Wien) ein. Er avancierte zum Obmann der Gewerbesektion der Wiener Handelskammer und Kurator des Wiener Wirtschaftsförderungsinstituts (1963), das damals zu den modernsten Ausbildungsstätten Europas zählte, sowie zum Präsidenten der Wiener Handelskammer (1960–64) und – in Nachfolge von Julius Raab (1891–1964) – der Bundeswirtschaftskammer (1964–90), für die er mit dem „Haus der Wirtschaft“ eine neue Zentrale schuf (1984). Zugleich war er Obmann des
Österr. Wirtschaftsbundes (1966–89),
stellv. Bundesparteiobmann der ÖVP (1966–80) und Nationalratsabgeordneter (1966–90).
S. war als Präsident der Bundeswirtschaftskammer neben dem damaligen Präsidenten des
Österr. Gewerkschaftsbundes Anton Benya (1912–2001) eine der beiden Säulen der Sozialpartnerschaft in Österreich. Durch seine Rolle als Multifunktionär prägte er die
österr. Wirtschaftsstruktur im Sinne des freien Unternehmertums, der Mittelstandsförderung, Jugendausbildung, Eigentumssicherung und der soziale Stabilität gewährenden Sozialpartnerschaft. Obwohl er keiner Regierung angehörte, verfügte
S. üher großen politischen Einfluß; er verstand es vorzüglich, die Gegensätze zwischen den Teilorganisationen der
ÖVP auszugleichen. Dank seiner Einflußnahme konnte
u. a. Konsens in der Industrie-, Stabilisierungs-, Kapitalmarkt- und Budgetpolitik sowie in der Teilzeitbeschäftigung, Arbeitszeitverkürzung und Förderung von Klein- und Mittelbetrieben erzielt werden. Beim Zustandekommen eines eigenen Mittelstandsgesetzes 1982, der Erarbeitung eines Grundsatzprogramms der Handelskammerorganisation, zahlreichen Initiativen zur Deregulierung und Entbürokratisierung und der Reform der Gewerbeordnung war
S. („Mister Mittelstand“) maßgeblich beteiligt. Durch zahlreiche Auslandsbesuche und den Ausbau von rund 90 Außenhandelsstellen der Bundeswirtschaftskammer trug
S. zur Stärkung und Wettbewerbsfähigkeit der
österr. Wirtschaft auf ausländischen Märkten bei
|Auszeichnungen ↑
KR (1959); Ehrenbürger d.
Univ. Wien (1966); Ehrensenator d. Hochschule f. Welthandel, Wien, u. d.
TU Wien; Gr.
BVK mit Stern (1966); Gr. Silbernes Ehrenzeichen d.
Rep. Österr. mit Stern (1967);
Bayer. Verdienstorden (1990); Rudolf Sallinger-Preis d. Wirtschaftskammer.
Werke ↑
Ansichten d. Bundeswirtschaftskammer-
Präs.,
hg. v. J. Kunz, 1993.
Literatur ↑
A. Vodopivec, Mehr Markt, weniger Staat, 40 J. Wirtschaftsbund, 1985;
K. Pisa, R.
S., Mitgestalter e. Vierteljh., 1989;
SZ v. 3.10.1989
(P);
I. Görner, in:
Die Politiker, Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik;
Hist. Lex. Wien;
Munzinger;
|Nachlass ↑
Nachlaß: Wirtschaftskammer
Österr., Wien, u. Privat.
Autor ↑
Michael GehlerEmpfohlene Zitierweise ↑
Gehler, Michael, „Sallinger, Rudolf“,
in: Neue Deutsche Biographie
22
(2005), S.
380-381
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119177129.html
Sallinger, Rudolf
Name: Sallinger, Rudolf
Lebensdaten: 1916 bis 1992
Geburtsort: Lassee (Niederösterreich)
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: Wirtschaftspolitiker
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Gehler, MichaelPND: 119177129