Name
Schuschnigg, Kurt
Namensvarianten
Schuschnigg, Kurt Alois Josef Johann Edler von; Dr. Auster; Schuschnigg, Edler von; Schuschnigg, Kurt Alois Josef Johann; Schuschnigg, Kurt von
Lebensdaten
1897 bis 1977
Geburtsort
Riva del Garda bei Trient
Sterbeort
Mutters bei Innsbruck
Beruf/Lebensstellung
österreichischer Bundeskanzler
Konfession
katholisch
Autor NDB
Michael Gehler
Autor ADB
-
GND
118762702

Schuschnigg, Kurt Alois Josef Johann (Edler von)

österreichischer Politiker, * 14.12.1897 Riva del Garda bei Trient, 18.11.1977 Mutters bei Innsbruck. (katholisch)

  • Genealogie

    Aus Kärntner Offz.fam.; V Artur (1865–1938), Oberstbrigadier, Titular-FML, S d. Alois (1833–1911, österr. Edler 1898), k. u. k. Oberst; M Anna (1872–1925), T d. Josef Wopfner, Textilkaufm. in I.; B Artur (1904–90), Dr., Kunsthist., 1928 Diss. über „Die Bildhauerfam. Moll“, Journalist, bis 1933 am Ferdinandeum in I., 1933-38 Progr.leiter d. Schallplattenabt. d. RAVAG, nach Entlassung in Berlin Kustos am Ks.-Friedrich-Mus., Progr.leiter v. Radio Tirol in I., seit 1955 Leiter d. Musikabt. d. Österr. Rundfunks, Prof. (s. Kürschner, Biogr. Theater-Hdb. 1956); – 1) 1924 Herma (1901–35), T d. Josef Masera, Kräutergroßhändler in Bozen, 2) Wien 1938 Vera (1904–59, 1] 1924 1936 Leopold Gf. Fugger, 1893–1966, Gen.major), T d. Rudolf Gf. Czernin v. Chudenitz u. Morzin (1881–1928), auf Hohenelbe u. Maschendorf, u. d. Vera Prn. zu Hohenlohe-Waldburg-Schillingsfürst-Kaunitz (1882–1940, österr. Namen- u. Wappenvereinigung mit denen d. Grafen v. Kaunitz 1920, 2] 1929 Karl Johann Gf. v. Schönborn, 1890–1952, k. u. k. Lt., Fideikommißherr auf Lukawitz usw.); 1 S aus 1) Kurt (* 1926), 1 T aus 2) Maria Dolores Elisabeth (1941–89, Aubry Viscomte de Kergariou); Verwandter Heinrich (* 1944), Dipl.-Ing., Architekt in Wien (s. W).

  • Leben

    Musisch und rhetorisch begabt, pflichtbewußt und tief katholisch geprägt, war S. Schüler des Jesuitenkollegs Stella Matutina in Feldkirch und Student der Rechte an der Univ. Innsbruck (1922 Dr. iur.). Der Kriegsdienst 1915-18 und die ital. Kriegsgefangenschaft 1918/19 unterbrachen die Ausbildung, nach deren Abschluß er sich als Rechtsanwalt in Innsbruck niederließ. Als Mitglied der Tiroler Volkspartei wurde er 1927 in den Nationalrat gewählt. 1930 begründete er den Christl. Wehrverband der „Ostmärkischen Sturmscharen“. 1932 avancierte S. zum Justiz- und 1933/34 auch zum Unterrichtsminister. Als Justizminister war er hauptverantwortlich für die standrechtlichen Hinrichtungen im Bürgerkriegsjahr 1934. Nach dem gescheiterten Putsch der Nationalsozialisten am 25.7.1934 und der Ermordung von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892–1934) wurde S. dessen Nachfolger. Daneben leitete er das Unterrichtsressort weiter und übernahm die Führung des Heeresministeriums. Den autoritären Regierungskurs seines Vorgängers setzte S. fort. Er propagierte die Idee von Österreich als „zweitem dt. Staat“ und den Österreichern als „den besseren Deutschen“, um den „Ständestaat auf christl. und dt. Grundlage“ in der Bevölkerung zu verankern und diese gegen den Nationalsozialismus zu immunisieren, was jedoch nur begrenzt gelang. Mit der Anlehnung an das faschistische Italien gewann er zunächst die Unterstützung für Österreichs Unabhängigkeit und verlor sie, nachdem sich Italien 1936 nach seiner internationalen Isolation infolge des Überfalls auf Abessinien Deutschland zugewandt hatte. Nach Entmachtung und Ausschaltung der Heimwehrführung um Ernst Rüdiger Fürst Starhemberg (1899–1956) wurde S. 1936 Bundesführer der Vaterländischen Front. Vergeblich bemühte er sich aufgrund des Abkommens mit Deutschland vom 11.7.1936, die Unabhängigkeit Österreichs zu sichern. Vielmehr wuchs der Druck seitens der Nationalsozialisten im eigenen Land, und Hitler forderte beim Treffen in Berchtesgaden am 12.2.1938 ultimativ die Begrenzung der österr. Außen- und Verteidigungspolitik sowie die Beteiligung der österr. Nationalsozialisten an der Regierung. Im Gegenzug beraumte S. am 9. März in Innsbruck kurzfristig eine Volksbefragung für den 13. März an, die aber durch den Einmarsch dt. Wehrmachtseinheiten verhindert wurde. Am Abend des 11.3.1938 erklärte S. im Rundfunk seinen Rücktritt („Gott schütze Österreich!“) und gab sein Amt an Arthur Seyß-Inquart (1892–1946) ab. Nach dem „Anschluß“ Österreichs an Deutschland wurde S. inhaftiert, in das Gestapogefängnis München und anschließend in die Konzentrationslager Sachsen|hausen, Flossenbürg und Dachau verbracht, wo er als Sonderhäftling „Dr. Auster“ behandelt und schließlich nach Südtirol verbracht wurde. Nach der Befreiung durch die US-Armee hielt sich S. in Norditalien auf und wanderte Anfang 1948 in die USA aus, nachdem die geplante Rückkehr nach Österreich auf politischen Widerstand gestoßen war. Bis 1967 lehrte er als Professor für Staatswissenschaften an der University of St. Louis, 1956/57 auch an der University of Los Angeles; 1956 erhielt er die amerik. Staatsbürgerschaft. 1967 kehrte er nach Tirol zurück.

    • Werke

      Das Bundesvfg.gesetz, 1929;  Die Vfg. d. Bundesstaates Österr., 1934;  Dreimal Österr., 1937, 31938;  Ein Requiem in Rot-Weiß-Rot, 1947, 21978;  Österr., Eine hist. Schau, 1948;  Law and Peace, 1959;  Im Kampf gegen Hitler, Die Überwindung d. Anschlußidee, 1969, 21988;  D. A. Binder u. Heinrich Schuschnigg (Hg.), „Sofort vernichten“, Die vertraul. Briefe K. u. Vera S.s 1938-1945, 1997.

    • Literatur

      R. K. Sheridon, K. v. S., A Tribute, 1942;  W. Goldinger, in: F. Weissensteiner u. E. Weinzierl (Hg.), Die österr. Bundeskanzler, 1983, S. 218-36;  A. Hopfgartner, K. v. S., Ein Mann gegen Hitler, 1989;  F. Weissensteiner, Der ungeliebte Staat, 1990;  G.-K. Kindermann, Österr. gegen Hitler, Europas erste Abwehrfront 1933-1938, 2003 (Porträt)NÖB 22 (Porträt);  Gr. Österreicher, 1997;  MunzingerANBÖBL|

    • Nachlaß

      Nachlaß: Fam. bes., Wien;  Univ. of St. Louis;  Community College, St. Louis (USA);  – zur Familie: Wiener Geneal. Tb., 1933;  Adelslex, 13, GHdA 128, 2002, S. 173.

  • Autor

    Michael Gehler
  • Empfohlene Zitierweise

    Gehler, Michael, "Schuschnigg, Kurt Alois Josef Johann" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 766-767 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118762702.html
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Schuschnigg, Kurt