Lebensdaten
1833 – 1908
Geburtsort
Reichenberg (Württemberg)
Sterbeort
Kriebstein bei Waldheim (Sachsen)
Beruf/Funktion
Papierfabrikant ; Parlamentarier
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 131910450 | OGND | VIAF: 62694246
Namensvarianten
  • Niethammer, Ludwig Albert Julius
  • Niethammer, Albert
  • Niethammer, Ludwig Albert Julius

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Zitierweise

Niethammer, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd131910450.html [26.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Ferdinand (1804–76), württ. Forstmstr. in Wildberg (Schwarzwald);
    M Wilhelmine Ortallo (1810–78);
    4 Schw, u. a. Natalie (1837–1902, 1]|Friedrich Kübler, 1833–65, Papierfabr. in K., 2] Eugen Holtzmann, 1848–1901, Papierfabr. in Weisenbach [Baden], Pol., s. NDB IX), Valesca (1840–71, Karl Ehregott Gaitzsch, 1833–98, Mühlenbes. u. Stadtrat in Chemnitz), Elise (* 1843, Karl Ehregott Gaitzsch, s. o.), Marie (1844–97, Karl Huntemüller, * 1840, Papierfabrikdir. in K.);
    - 1) 1856 Johanna (1834–57), T d. Johann Matthäus Voith (1803–74), Schlosser, städt. Spritzenmstr., Gründer d. J. M. Voith Maschinenfabr. in Heidenheim/Brenz (s. Lb. Schwaben V, 1950), u. d. Johanna Dorothea Montigel (Mundigel) (1813–66), 2) 1859 Jenny Isidore Charlotte (1837–1922), T d. Benjamin Crusius (1796–1880), Pastor in Lastau b. Hartha (Sachsen), u. d. Julia Silber (* 1810); Schwager Friedrich v. Voith (1840–1913, Helene Crusius, 1842–1932, Schw d. Jenny Isidore Charlotte, s. o.), GKR, Dr.-Ing. E. h., Maschinenfabr. in Heidenheim (s. BJ 18, Tl.; Lb. Schwaben V, 1950);
    1 S aus 1) Albert (1857–1910, Helene, 1866–1945, T d. Karl Ehregott Gaitzsch, s. o.), Papierfabr., trat 1879 in d. väterl. Fa. ein, seit 1906 Vorstandsmitgl. d. Ver. dt. Papierfabr. (s. Der Papier-Fabrikant, H. 7, 1910, S. 162, P), 2 S aus 2) Walter (1859–1922), Dr. iur., Oberreg.-rat, trat 1889 in d. väterl. Fa. ein, Konrad (1863–1931), Dr. iur., GKR, Fabr., Abg. d. sächs. LT, Fraktionsvors. d. nat.liberalen Partei (s. Sächs. Lb. I, 1930; Wenzel), 1 T aus 2) Johanna (1861–1946, Amtsger.rat Dr. Theodor Schmersahl);
    E Wilhelm (1898–1972), Papierfabr., trat 1920 in d. großelterl. Fa. ein, Gerhard (1899–1974), Jurist, Kaufm., Papierfabr., trat 1926 in d. großelterl. Fa. ein, Ralf, Dr.-Ing. (1903–43 vermißt), Maschinenbauer, Papierfabr., trat 1927 in d. großelterl. Fa. ein, Horst (1904–93), Dr.-Ing., Papierfabr., trat 1926 in d. großelterl. Fa. ein (s. Wi. 1989), Günther (1908–74), apl. Prof. u. Leiter d. Ornithol. Abt. d. Zool. Forsch.inst. u. Mus. A. Koenig in Bonn, Präs. d. Dt. Ornithologen-Ges. (s. L);
    Ur-E Frank (* 1922), Dr. iur., leitete 1966-92 d. Industrieholding Agiv in Frankfurt/Main, seit 1987 Vorstandsvors., Ehrenvors. d. Aufsichtsrates, Mitgl. d. Verw.rates d. Treuhandanstalt, erwarb 1990 mit d. Vt Dipl.Ing. Berndt (* 1931), Wolf (1932–97) u. Dr. Günther (* 1944) d. 1946 enteignete Kübler & Niethammer Papierfabr. Kriebstein AG (s. FAZ v. 4.4.1996); Dietrich (* 1939), o. Prof. f. Kinderheilkde. in Tübingen, 1985-89 Vors. d. Ges. f. Pädiatr. Onkologie (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1996).

  • Biographie

    1847-49 besuchte N. das ev. Seminar in Maulbronn und absolvierte 1850-56 eine Lehre bei „Heinrich Völters Söhne“ in Heidenheim, wo er die Bekanntschaft mit Friedrich Kübler (1833–65) machte, der dort gleichfalls als Lehrling tätig war. Kübler ging anschließend zum Studium der Chemie an die Univ. München und wurde 1855 vom Besitzer der Kriebsteiner Mühle, Friedrich Wilhelm August Pohl, zum Nachfolger des infolge eines Arbeitsunfalls verunglückten Direktors Naundorff berufen. Pohl hatte die Mühle am 16.7.1853 erworben und in der bislang schlecht bewirtschafteten Öl- und Graupenmühle eine Papierfabrik eingerichtet. Im Dezember 1855 besuchte N. im Auftrag Völters erstmals Kriebstein, um über den Kauf eines rotierenden Hadernkochers zu verhandeln und sich über die Einführung der Holzmassezubereitung zu informieren.

    Am 15. März 1856 übernahmen Kübler und N. von Pohl die Mühle mit einem geliehenen Startkapital von 10 000 Talern zunächst im Pachtverhältnis. Den Kauf der Mühle von Pohl tätigte N. erst am 15.3.1867. Mitgesellschafter war zu diesem Zeitpunkt noch seine Schwester Nathalie (als Witwe Küblers), die jedoch am 1.1.1872 ausschied, womit N. das Unternehmen als Alleingesellschafter weiterführte. N.s Wirken ist gekennzeichnet durch das intensive Bemühen um den Ausbau der Infrastruktur des Unternehmens, das sich anfänglich in einem sehr schlechten technischen Zustand befand. Schon 1861 war in Georgenthal eine gesonderte Holzschleiferei errichtet worden. Die Produktionsanlagen wurden ständig modernisiert (1869 neuer Antrieb mit Wasserkraftanlage und Gasanstalt, 1877 Einführung eines Verfahrens zur Herstellung von Papier für den Rotationsdruck mit Anwendung des ersten Bischoffschen Rollapparates in Sachsen bzw. des zweiten in Deutschland). 1885 unternahm N. mit seinem Sohn Albert eine Reise in die USA und erwarb eine Papiermaschine mit Harperscher Naßpartie. 1883 wurde mit dem Bau der Zellulosefabrik Gröditz auch die Zellstoffabrikation aufgenommen. Bis 1906 expandierte das Unternehmen auf 11 Produktionsstätten mit insgesamt ca. 1000 Beschäftigten. Die Papierproduktion wurde in diesem Zeitraum von 171 622 kg auf 23 316 098 kg jährlich gesteigert. N. sorgte auch für bessere Lebensumstände seiner Arbeiter durch den Ausbau einer Siedlung und Einrichtung eines Kindergartens (1879). Zudem setzte er sich als Politiker in zahlreichen Gebiets-, Landes- und Reichskörperschaften ein für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur (1870–72 Bau einer Straße durch d. Zschopautal u. einer Brücke über d. Zschopau, 1893-96 Bau d. Waldheim-Kriebethaler Eisenbahn). Auch in berufsständischen Interessenzusammenschlüssen der Unternehmer der Papierindustrie arbeitete er mit.

    1879 traten der älteste Sohn Albert, der seine Ausbildung 1881-84 u. a. in England und den USA erhielt, 1889 (mit der Erkrankung N.s) auch der jüngste Sohn Konrad, der Rechtswissenschaft studiert hatte, in die Firma ein; beide Söhne wurden 1906 zu Mitinhabern ernannt. Auch in der zweiten Generation konnte der Standort gesichert und die|Produktion gesteigert werden. 1945 wurde das Unternehmen durch die sowjet. Besatzungsmacht beschlagnahmt, 1946 enteignet und demontiert. 1955 wurde am Standort Kriebstein der Betrieb des „VEB Papierfabrik Kriebstein“ aufgenommen, der zunächst Zeitungspapier, später Zellstofferzeugnisse produzierte und 1979 in den „VEB Kombinat Zellstoff und Papier Heidenau“ integriert wurde. 1990 wurde die „Kriebstein Papier AG“ gegründet. Das Unternehmen wurde im gleichen Jahr unter dem Namen „Kübler & Niethammer Papierfabrik Kriebstein AG“ wieder von der Familie N. übernommen; es produziert seitdem Druckpapier und Zellstofftaschentücher.|

  • Auszeichnungen

    MdL Sachsen (1879–1905);
    MdR (1881–84, 1887-90, Nat.liberale Partei);
    ao. Mitgl. d. Techn. Deputation (1881–1908);
    Stellv. Mitgl. d. Eisenbahnrates (1890–96);
    Mitgl. d. Eisenbahnrates (1896), d. Handelskammer Chemnitz (1868–71 u. 1896-1901), d. ev. Landessynode (1871–81 u. 1896-1901), d. Döbelner Bezirksverslg. (1875);
    KR (1883);
    GKR (1890);
    Sächs. Verdienstorden 1. Kl. (1895);
    Ehrenbürger d. Stadt Waldheim (1897);
    Vors. d. Papiermacher-Berufsgenossenschaft (Dtld.) (1895–1908) u. d. Ver. Dt. Papierfabr. (1896–1908);
    Ehrenmitgl. d. Ver. Dt. Holzstoff-Fabrikanten (1902).

  • Literatur

    Kübler & Niethammer Kriebstein 1856-1906, 1906 (P);
    P. Riecke, Die Nachkommen d. Rosine Margarethe Feucht, 1903;
    Sächs. Lb. I, 1930, S. 283-93 (P);
    Papier aus Kriebstein, 100 J. Kübler & Niethammer, 1956 (P);
    H. Radandt, in: K. Pätzold u. a. (Hg.), Biogrr. z. dt. Gesch., 1991, S. 368 f.;
    J. Steiner, Die Herkulesarbeit, Standort Kriebstein f. d. Papierind. erhalten u. europa- u. wettbewerbsfähig zu machen, in: Dt. Papierwirtsch. 3, 1992, S. 2-9. – Eigene Archivstud. – Zu Günther: Kürschner, Gel.-Kal., 1970;
    L. Gebhardt, Die Ornithologen Mitteleuropas, III, 1974, H. E. Wolters u. H. Kumerloeve, in: Bonner zoolog. Btrr. 25, 1974, S. 1-22 (W; P).

  • Porträts

    Gem. v. F. v. Lenbach, 1897, Abb. in: Papier aus Kriebstein, 1956.

  • Autor/in

    Petra Listewnik
  • Zitierweise

    Listewnik, Petra, "Niethammer, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 243-245 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131910450.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA