Name
Jörg von Halsbach
Namensvarianten
Jörg; Jörg von Polling; Jörg Ganghofer; Ganghofer, Jörg; Jörg Gankoffen von Halspach; Gankoffen von Halspach, Jörg; Halsbach, Jörg von (von ist kein Adelsprädikat); Ganghofer von Haselbach, Jörg; Ganghofer von Haselbach, Jörg
Lebensdaten
erwähnt 1441, gestorben 1488
Geburtsort
-
Sterbeort
München
Beruf/Lebensstellung
Baumeister
Konfession
katholisch
Autor NDB
Norbert Knopp
Autor ADB
Hyac. Holland.
GND
120912864

Jörg von Halsbach (von Polling, Jörg Ganghofer und so weiter)

Baumeister, 6.10.1488 München.

  • Genealogie

    Der Name „J. v. H.“ u. d. Todesdatum sind durch d. Grabstein im Innern d. Frauenkirche gesichert. In Urkk. wird er auch „J. v. Polling“ genannt. Erst Ende 18. Jh. taucht aus unbek. Qu. d. Name „J. Gankoffen v. Halspach“ auf. Herkunft, Geburtszeit u. -ort sind unbek. Als Geburtsort kommen in Frage: Halsbach b. Raitenhaslach, H. b. Polling u. H. b. Altötting (alle in Oberbayern). - Margret N. N.; S Wolfgang.

  • Leben

    Über J.s Ausbildung ist nichts bekannt. Sein Hauptwerk ist die Frauenkirche in München, an der er „de erste de mittln und lostn stain hat volfuert“, wie auf dem Grabstein zu lesen steht. Er trat 1468, im Jahre der Grundsteinlegung dieses Baues, in die Dienste der Stadt. 1472 erhielt er den Titel „Kirchenmeister bei U. L. Frauen“. Über den vorangegangenen Lebensabschnitt weiß man, daß er 1441 Kreuzgang und Chor in Ettal erneuerte und in Polling tätig war, wo er 1447 ein Haus erwarb. Als Dombaumeister reiste er 1470 nach Augsburg und Ulm, um „etliche Paue“ zu beschauen. Seit Juni 1470 leitete er den Neubau des Münchner Rathauses; ferner baute er am Alten Hof und an der Neuveste und gilt als Baumeister der Allerheiligen-Kirche am Kreuz (1478–85, heute Kreuzkirche). Zwischen 1479/84 reiste er 18mal nach Freising wegen der dortigen Wölbarbeiten, und 1478 holte man ihn als Gutachter nach Hall in Tirol. Dies spricht für überregionalen Ruf. – Die Frauenkirche schließt baukünstlerisch an die großen Stadtpfarrkirchen der bayer. Residenzstädte an, zeigt aber in ihrer kantigen Massivität spezifisch altbayer. Charakter. Wenn auch eine direkte Schulung J.s in der Hütte Hans Stethaimers aus Altersgründen wohl auszuschließen ist, so weisen doch gewisse bauliche Merkmale auf Stefan Krumenauer, den Vollender Stethaimerscher Bauten, als Anreger hin.

    • Literatur

      ADB VIII (unter Ganghofer);  O. Hartig, J. v. H., gen. Ganghofer u. Heinrich v. Straubing, gen. Heimeran, in: Das Bayerland 44, 1933, S. 172 ff.;  N. Knopp, Die Frauenkirche zu München u. St. Peter, 1970;  M. Schattenhofer, Das Alte Rathaus in München, 1972;  ThB (unter Ganghofer).

    • Portraits

      Porträtbüste als Konsole f. e. Schmerzensmann, seit Ende d. 18. Jh. verschollen;  alle anderen Bildnisse nicht ganz gesichert (München, Dompfarramt;  Basel, Öffentl. Kunstslgg., ca. 1465–70);  eine im Krieg zerstörte Dienstkonsole im Münchener Dom wird ebenfalls als Porträt J.s angesehen.

  • Autor

    Norbert Knopp
  • Empfohlene Zitierweise

    Knopp, Norbert, "Jörg von Halsbach" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 459 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn120912864.html

Ganghofer, Jörg

  • Leben

    Ganghofer: Jörg G. von Haselbach, Baumeister der Münchener Frauenkirche, geboren auf dem Ganghofe oder Sandhofe zu Sixt Haselbach in der Pfarrei Inkofen. Ob er in seiner Jugend bei St. Martin zu Landshut betheiligt war, ist ungewiß, weil er zu Polling den (im 17. Jahrhundert verzopften) Kirchenbau leitete, auch "mayster Jörg von Polling" genannt. Trat am 20. März 1468 als Maurer und Baumeister in den Dienst der Stadt; als Sold erhielt er vierteljährig zwei Pfund Pfennige (nicht ganz vier Mark nach unserer Währung), und wenn er in der Stadt Dienst arbeitete, im Sommer 28, im Winter 24 Pfennige als Taglohn. Am 9. Febr. 1468 wurde der Grundstein zur Frauenkirche gelegt; im Frühlinge 1470 ging unser Meister, "etliche Paue" zu beschauen, nach Augsburg und Ulm; im Herbst 1473 wurde ein Maurertag nach München beschieden, wobei die berühmtesten Meister aus der Nachbarschaft zusammenkamen: aus Eichstädt Meister Matheis der Steinmetz, Conrad Rovitzer aus Regensburg, Meister Friedrich aus Ingolstadt, Meister Michel von Pfarrkirchen, Mauritius Ensinger aus Ulm. 1477 begann der Aufzug des Dachstuhls, 1478 wurde das große Kreuz auf das Dach des Presbyteriums gesetzt. Als Meister Jörg von Hasselbach am Montag nach St. Michelstag 1488 (seine Hausfrau Margaretha ward ihm zur Seite begraben) starb, waren Kirchen und Thürme, letztere bis zum Beginn der Spitzen (welche nicht|mit gothischen "Helmen" sondern im Sinne der inzwischen aufgetauchten Renaissance, mit den sogenannten "welschen Kappen" geschlossen wurden) vollendet. Die Kirche ist ein Hallenbau aus Backstein, dreischiffig ohne Querschiff, mit einem Capellenkranz als Abschluß; durch die auch aus klimatischen Gründen gebotene Einziehung der Strebepfeiler erhielt der Bau in ungesuchtester Weise eine Anzahl Capellen und eine an fünfschiffige Anlage gemahnende Breite. Die Frauenkirche ist trotz ihrer schmucklosen Einfachheit doch das wichtigste, weithin dominirende Gebäude des mittelalterlichen München in den letzten Jahrzehnten des Mittelalters. — Auch der große Festsaal im alten Rathhause mit seinem in Holzsprengwerk hergestellten Tonnengewölbe entstand 1470—71 unter der Leitung des Meister Jörg; die hl. Kreuzkirche 1480—85 und die 1494 vollendete S. Salvatorkirche werden ihm theilweise zugeschrieben. — Sein Porträt ist an einem Pfeiler der Frauenkirche erhalten, abgebildet bei Sighart, Mayer etc.

    • Literatur

      Vgl. die Monographien von Sighart 1853. Muffat 1868. Anton Mayer 1868 u. 1875 und Reber, Bautechnischer Führer durch München 1876. S. 32 ff.

  • Autor

    Hyac. Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Ganghofer, Jörg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 359-360 unter Ganghofer [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn120912864.html?anchor=adb

Jörg von Halsbach

Jörg von Halsbach