Name
Lotter, Hieronymus
Namensvarianten
-
Lebensdaten
1497 bis 1580
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Geyer (Erzgebirge)
Beruf/Lebensstellung
Baumeister
Konfession
katholisch,lutherisch
Autor NDB
Lutz Unbehaun
Autor ADB
-
GND
118928651

Lotter, Hieronymus

Baumeister, * um 1497 Nürnberg, 24.7.1580 Geyer (Erzgebirge). (lutherisch)

  • Genealogie

    V Michael, Kaufm. in Nürnberg, dann in Annaberg (Erzgebirge), Ratsherr, seit 1536 Bgm.; M N. N.; B Anton, Kaufm. in Leipzig; Schw Juliane ( 1538, Apotheker Hans Ralla in Leipzig); - Katharina ( 1574), T d. Ratsherrn Hans Bauer in Leipzig u. d. Lucie Blasbalg; K, u. a. Ludwig ( 1599), Baumeister in Leipzig, Hieronymus ( 1584), Ratsherr in Leipzig.

  • Leben

    L. besuchte vermutlich die nach 1500 gegründete Lateinschule in Annaberg. Eine Ausbildung im Baufach ist nicht nachzuweisen, doch wurde L. in vielfältiger Weise mit dem Baugeschehen in Annaberg konfrontiert. Außer der Aufführung bürgerlicher Wohnbauten dürften vor allem der Bau der Kirche St. Anna (1499–1525) sowie der „Annaberger Hüttenstreit“ (1518) nicht ohne Einfluß auf ihn geblieben sein. 1520 begab sich L. nach Leipzig, um dort die väterlichen Geschäfte zu führen, und wurde 1533 Bürger dieser Stadt. Durch seine merkantilen Unternehmungen in der Saigerhandelsgesellschaft zu Leutenberg bis 1536 und später in der „Luderstädter“ Saigerhandelsgesellschaft bis 1541 konnte L. ein beträchtliches Vermögen erwerben, das er zu Grundstücksspekulationen nutzte und im Tuchhandel anlegte. Obwohl urkundliche Belege fehlen, ist seine Beteiligung an Bauvorhaben der Stadt anzunehmen. Seit 1543 lassen sich Kontakte zum Dresdener Hof nachweisen. Als Vermittler trat der herzogl. Sekretär Joachim Faust auf. Die hohe Wertschätzung, die L. am Dresdener Hof genoß, fand ihren Ausdruck darin, daß Kf. August 1555 dem Rat der Stadt Leipzig vorschlug, ihn zum Bürgermeister zu wählen. Dieses Amt übte er bis 1573 achtmal aus.

    L. wurde 1548 vom Hzg. Moritz als Baumeister unter der Leitung des Oberzeug- und Baumeisters Caspar Vogt von Wierandt ( 1560) bei der Errichtung der Befestigungswerke um Leipzig eingesetzt und seit 1549 mit dem Bau der Pleißenburg – einer der ersten nach ital. Vorbild errichteten Festungen in Mitteldeutschland – beauftragt. Als 1555 der Rat der Stadt Leipzig beschloß, unter Nutzung der vorhandenen Bausubstanz des spätgotischen Rathauses ein neues Ratsgebäude aufführen zu lassen, das den Anforderungen der städtischen Administration und Repräsentation entsprach, wurde L. die Bauleitung übertragen. Bereits 1557 war der die Ostseite des Marktes einnehmende zweigeschossige Bau bezugsfertig. Wegen seiner reichen architektonischen Gestaltung gilt er als einer der schönsten mitteldeutschen Rathausbauten. Auch die Erhöhung des mittleren Turmes der Nikolaikirche (1555) und die Errichtung einer Badestube (1558) lassen sich urkundlich L. zuschreiben. Zu den wichtigsten Bauten in Leipzig, deren Aufführung maßgeblich von L. beeinflußt wurde, zählen das Gebäude der Waage (1555/56), die Fleischbänke (1556–60), das Fürstenhaus (1558) sowie die Emporenanlage in der Thomaskirche (um 1570). Mit dem Bau der Augustusburg (Erzgebirge) wurde L. von Kf. August nach dessen Sieg in den Grumbachschen Händeln (1567) beauftragt. Obwohl die Planung für diesen Schloßbau nicht ausschließlich L. zuerkannt werden kann, sind ihm einige erhaltene Risse zuzuschreiben. Bis 1572 war die Schloßanlage im wesentlichen fertiggestellt. Dennoch entließ Kf. August L., da die angeordnete Bauzeit nicht eingehalten und die Einsparung von Baugeldern nicht realisiert worden war. Die noch verbleibenden Arbeiten wurden von Gf. Rochus v. Lynar bis zum Herbst 1573 ausgeführt. Mit der Augustusburg entstand die erste nach einem Idealplan ausgeführte Vierflügelanlage in Deutschland.

    L. hatte 1563 ein Zinnbergwerk in Geyer erworben, das er mit großem Aufwand ausbauen ließ. Dieses Unternehmen stellte sich als eine Fehlspekulation heraus, weshalb L. in den letzten Jahren seines Lebens in große finanzielle Schwierigkeiten geriet, die sich aufgrund der „ungnädigen“ Entlassung (1572) durch Kf. August noch verstärkten. Er mußte deshalb seine Häuser und Grundstücke in Leipzig veräußern und zog sich 1574 auf sein Gut in Geyer zurück. Ungefähr ein Jahr vor seinem Tod war er zum Verkauf seines Bergwerkes gezwungen. – Die Bedeutung L.s für die Architekturgeschichte des 16. Jh. ist an seine Stellung im landesfürstlichen Bauwesen gebunden, sein Wirken muß im engen Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als frühkapitalistischer Unternehmer und der Amtsausübung als Bürgermeister der Stadt Leipzig gesehen werden. Als kurfürstl. Baumeister hat er die Aufführung von Bauwerken geleitet bzw. an ihr schöpferisch mitgewirkt, die wichtige Architekturdenkmäler der deutschen Renaissance darstellen.

    • Literatur

      G. Wustmann, Der Leipziger Baumeister H. L. 1497-1580, Ein Btr. z. Gesch. Leipzigs u. d. dt. Renaissance, 1875 (P); ders., Nachlese zu d. Schaffen d. Leipziger Baumeisters H. L., in: Schrr. d. Ver. f. d. Gesch. Leipzigs; 2. Slg., 1878; H. Lungwitz, in: Bunte Bilder aus d. Sachsenlande I, 1892; H. Rachel, Verwaltungsorganisation u. Ämterwesen d. Stadt Leipzig bis 1627, 1902; E. Brandenburg, Polit. Korr. d. Hzg. u. Kf. Moritz v. Sachsen, 2 Bde., 1910; W. Möllenberg, UB z. Gesch. d. mansfeld. Saigerhandels im 16. Jh., 1915; E. Kroker, Handelsgesch. d. Stadt Leipzig, 1925; G. Fischer, Aus zwei Jhh. Leipziger Handelsgesch. 1470-1650, 1929; O. Trautmann, Die Briefe H. L.s zu Leipzig an Joachim Faust, d. Sekr. d. Hzg. Moritz 1543–48, in: Neues Archiv f. Sächs. Gesch. 51, 1930; A. Schröder, Der Baumeister H. L. u. s. Baumeister, in: Leipziger Kal. 1938; H. Füßler u. H. Wichmann, Das alte Rathaus zu Leipzig, 1955; Schloß Augustusburg 1572-1972, Baugesch. u. denkmalpfleger. Instandsetzung; hrsg. v. Mus. d. Augustusburg in Verbindung mit d. Inst. f. Denkmalpflege, Arbeitsstelle Dresden, 1972; K. Czok, Das alte Leipzig, 1978; H.-J. Kadatz, „Do hob ich mit meiner eigenn Hand…“, Eine Betrachtung z. 400. Todestag v. H. L., in: Architektur d. DDR, H. 8, 1980; L. Unbehaun, Leben u. Schaffen d. kf. Baumeisters H. L., Ein Btr. z. Architekturgesch. d. 16. Jh. in Mitteldtld., Diss. Leipzig 1983 (L, Qu.); ders., Das Verhältnis H. L.s z. landesfürstl. Hof in Dresden, in: Jb. f. Regionalgesch. 12, 1985, S. 60-76; P. Daehne, Die Baumeister Innung zu Leipzig, o. J.; ThB.

    • Portraits

      Ölgem., 1569 (Mus. f. Gesch. d. Stadt Leipzig), Abb. in: H. J. Kadatz, Dt. Renaissancebaukunst, 1983 (Standortangabe falsch. Im Rathaus Pegau nur Kopie).

  • Autor

    Lutz Unbehaun
  • Empfohlene Zitierweise

    Unbehaun, Lutz, "Lotter, Hieronymus" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 245 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118928651.html
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Lotter, Hieronymus

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