Name
Graff, Anton
Namensvarianten
Graff, A.
Lebensdaten
1736 bis 1813
Geburtsort
Winterthur
Sterbeort
Dresden
Beruf/Lebensstellung
Porträtmaler; Landschaftsmaler
Konfession
reformiert
Autor NDB
Ekhart Berckenhagen
Autor ADB
Clauß.
GND
118697064

Graff, Anton

Bildnis- und Landschaftsmaler, * 18.11.1736 Winterthur (Schweiz), 22.6.1813 Dresden. (reformiert)

  • Genealogie

    V Hans Ulrich Graf (* 1701), Zinngießer in W.; M Barbara Koller; Berlin 1771 Auguste (1753–1812), T d. Joh. Gg. Sulzer ( 1779), Ästhetiker, Prof. d. Math. u. Philos. am Joachimsthalschen Gymnasium in Berlin, u. d. Cath. Wilhelmina Keusenhoff; 2 S, 3 T, u. a. Carl Anton (1774–1832), Landschaftsmaler u. Zeichner (s. ADB IX; ThB), Carol. Susanne (⚭ Carl Ludw. Kaaz, 1773–1810, Landschaftsmaler, s. ADB XIV; ThB).

  • Leben

    G. erlernte bei Hans Ulrich Schellenberg in Winterthur das Handwerk des Malers und bildete sich danach 1756-65 bei Johann Jakob Haid in dem künstlerisch so fruchtbaren und anregenden Augsburg weiter. Zwischendurch war er 1757-59 in Ansbach tätig. Für den dortigen Hofmaler Leonhard Schneider fertigte er viele Kopien eines höchstwahrscheinlich von A. Pesne gemalten Bildnisses Friedrichs des Großen an. Die weitere Entwicklung bestimmend wirkte sich 1763 auch ein Besuch im Schloß Schleißheim bei München aus, wo G. die Malwerke Georg Desmarées studieren konnte. Ebenso fördernd wurden für ihn die arbeitsreichen Monate in Regensburg 1764/65. Hier schuf er zahlreiche kleine, auf Pergament gemalte Miniaturporträts von Geistlichen und Ratsherren. – Ab 1766 wirkte G. dann in Dresden, wohin er als Hofmaler der sächsischen Kurfürsten und als Lehrer an der 1764 gegründeten Kunstakademie berufen worden war. „Von dieser Zeit an ging es mir immer glücklich; ich hatte viel Portraits zu malen“ schreibt G. in seiner (verschollenen) gegen 1778 verfaßten Selbstbiographie. „Im Jahre 1771 machte ich … eine Reise nach Berlin, um daselbst … die Portraits von Mendelssohn, Spalding, Ramler und Sulzer zu machen. … Durch Sulzer wurde ich bei Hofe und den Vornehmen bekannt und bekam dadurch viel Arbeit. Im Jahre 1777 malte ich in Rheinsberg den Prinz Heinrich (Bruder Friedrichs II.). Berlin habe ich viel zu verdanken.“ In Berlin hatte G. im September 1771 auch Lessing gemalt, und ebenfalls in Sulzers Berliner Wohnung besuchte ihn am 16.5.1778 Goethe. Ein G.sches Goethe-Bildnis ist aber vorläufig nicht nachweisbar. Dafür besitzen wir G.s Schiller-Porträt, das in Dresden unter den Augen der Familie Körner seit 1786-91 gewachsen ist. – Obwohl man von Berlin aus bis 1788 ernsthaft bemüht war, G. für ständig in die preußische Residenz, an deren Kunstakademie zu ziehen, blieb er doch zeitlebens in Dresden, wo er am Altmarkt eine geräumige Wohnung mit Atelier innehatte. Von dort unternahm er häufige Reisen nach Leipzig, in den Sommermonaten oftmals nach Teplitz und Karlsbad; außerdem war G. mehrfach über Monate hin in Berlin tätig und besuchte dazu noch viermal die Heimat und seine Schweizer Freunde.

    Sein überaus fruchtbares Schaffon beläuft sich auf gut 2000 gegenwärtig wieder nachweisbare Werke. Schon G.s Zeitgenosse und erster Biograph, Ulrich Hegner, überliefert: „Er hatte ein großes [verschollenes] Buch, worin er von Anfang an alle seine Arbeiten, mit den Namen der abgebildeten Personen und den Preisen aufzeichnete. In demselben finden sich von 1756 bis 1766 in Augsburg, Regensburg etc. gemalte Porträte 297; Originalgemälde von 1766 bis Januar 1813 in Dresden etc. 943, Copien 415, zusammen 1655 gemalte Bilder. Dazu kommen noch Zeichnungen mit Silberstift 322.“ Nicht aufgeführt von Hegner sind die mit Kreide gezeichneten Bildnisentwürfe und Studien, die wiederum in die Hunderte gehen. – Hauptsächlich handelt es sich um Bildnisse, sowohl der sächsischen wie preußischen Hof- und Adelskreise als auch des aufstrebenden Bürgertums von Dresden, Leipzig und Berlin. Dessen Vertreter vor allem – Kaufleute, Ärzte, Gelehrte und Geistliche, Schauspieler, Musiker und Maler – hat G. im Bilde festgehalten. So wurde er zum eigentlichen Schöpfer des bürgerlichen Männer- und Frauenporträts in Deutschland und zugleich zum Maler deutscher Dichter von der Aufklärung über die Klassik bis zur Frühromantik. Johann Friedrich Bause, mit dem G. jahrzehntelang befreundet war, hat über 40 dieser Bildnisse im Kupferstich reproduziert und damit zum Bekanntwerden G.s Erhebliches beigetragen.

    Besonders in der Dresdner Frühromantik hat G. eine kaum zu übersehende Rolle insofern gespielt, als er nicht nur ihre Repräsentanten – darunter auch Heinrich von Kleist – porträtiert, sondern wesentlichen Anteil auch an der Entwicklung der gemalten romantischen Landschaft genommen hat. Um 1800 selbst Landschaften malend, beeinflußte G. nachhaltig sowohl Philipp Otto Runge als auch Caspar David Friedrich.

    G.s schöpferische Kraft nahm, obwohl ihn seit den neunziger Jahren ein Augenleiden quälte, mit dem Älterwerden keineswegs ab. Immer wieder war er zur Wandlung, ja zu einer Steigerung fähig, was von der Forschung bisher nicht erkannt wurde. Gerade die Bildnisse seiner letzten, bis 1813 reichenden Schaffensperiode strahlen dank oftmals angewandter „frühimpressionistischer“ Maltechnik eine sprühende Lebendigkeit und eine erstaunliche künstlerische Überzeugungskraft aus.

    • Werke

      Weitere Werke unter anderem Neben weit über 100 Selbstdarst. u. Bildnissen s. engeren Fam. hat G. nicht weniger als 725 namentlich nachweisbare Personen (einige sogar mehrfach) porträtiert, u. a. Joh. Jac. Bodmer, Gottfr. Aug. Bürger, Karl Adolf v. Carlowitz, Joh. Frdr. Wilh. v. Charpentier, Dan. Chodowiecki, Chrstn. Aug. Clodius, Henriette Crayen, Chrstn. Wilh. Ernst Dietrich, Dorothea Hzgn. v. Kurland, Konr. Ekhof, Lord Elgin, Elis. Christine Kgn. v. Preußen, Joh. Jak. Engel, Joh. Aug. Ernesti, Joh. Reinhold Forster, Friedrich d. Gr., Chrstn. Fürchtegott Gellert, Salomon Gessner, Chrstn. Ludw. v. Hagedorn, Joh. Gottfr. Herder, Henriette Herz, Joh. Aug. Hiller, Aug. Wilh. Iffland, Christoph Kaufmann, Christiane Henriette Koch, Chrstn. Gottfr. Körner, Theodor Körner, Gfn. Lichtenau, Clemens Lothar Wenzel Fürst Metternich, Dietr. v. Miltitz, Carl Wilh. Müller, Christoph Frdr. Nicolai, Adam Frdr. Oeser, Gottlieb Wilh. Rabener, Elisa v. d. Recke, Dorothea Schlegel, Corona Schröter, Joh. Gottfr. Seume, Aug. Gottlieb Spangenberg, Dora Stock, die Grafen Stolberg, Frdr. Wilh. Heinr. v. Trobra, Chrstn. Felix Weisse, Christoph Martin Wieland u. Adrian Zingg.
      Museen u. öffentl. Slgg. mit Werken v. Graff: Aarau, Altenburg, Aschaffenburg, Augsburg, Basel, Bautzen, Bergen/Norwegen, Berlin [West] (Gem.gal., Nat.gal., Kupf.kab., Schloß Charlottenburg, Jagdschloß Grunewald, Schloß auf d. Pfaueninsel), Berlin [Ost] (Bode-Museum, Nationalgalerie), Bern, Brandenburg, Braunschweig, Bremen, Cleveland/Ohio, Dessau, Dortmund, Dresden (Gem.gal., Kupf.kab., Stadtmus.), Düsseldorf (Kunstmus., Goethe-Mus.), Flensburg, Frankfurt a. M. (Goethe-Mus., Städelsches Kunstinst.), Görlitz, Gotha, Halberstadt, Halle, Hamburg (Kunsthalle, Mus. f. Hamburg. Gesch.), Hillerad, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), Kassel, Konstanz, Kopenhagen (Schloß Rosenborg), Leipzig (Mus. d. bild. Künste, Stadtgeschichtl. Mus., Univ.bibl., Stadtbibl.), Leningrad, London, Lübeck, Luzern, Magdeburg, Mannheim, Marbach, Mosigkau b. Dessau, München, New York (Historical Society), Oldenburg, Oslo, Potsdam (Staatl. Schlösser), Regensburg, Schaffhausen, St. Gallen, Straßburg, Stuttgart, Warschau, Weimar (Staatl. Kunstslgg., Goethe-Nat.mus.), Winterthur (Kunstver., Stiftung Oskar Reinhart, Stadtbibl.), Wolfenbüttel (Hzg. August Bibl.), Wuppertal, Zeitz, Zürich (Kunsthaus, Schweiz. Landesmus.), Rudolstadt.

    • Literatur

      ADB IX;  U. Hegner, XI. Neuj.stück, hrsg. v. d. Künstler-Ges. in Zürich auf d. J. 1815 (mit Biographie, Biography, Biografia u. Charakteristik Graffs);  R. Muther, A. G. Sein Leben u. s. Werke, 1881;  J. Vogel, A. G. Bildnisse v. Zeitgenossen d. Meisters, 1898;  O. Waser, A. G. v. Winterthur, Bildnisse d. Meisters, 1903;  ders., A. G., 1926;  B. Becker, Zur Porträtkunst A. G.s, Stil u. Gehalt, Diss. Göttingen 1949;  Kataloge v. A. G. - Ausstellungen in Winterthur 1901, in d. Gal. Ed. Schulte Berlin 1910, in d. Gal. Ernst Arnold Dresden 1910, in Dresden 1913, in Winterthur 1936, in Breslau 1937, in Berlin [Ost] (Nationalgalerie) 1963;  W. Hugelshofer, A. G., in: Pantheon 9, 1936, S. 375 ff.;  G. Jedlicka, A. G., in: Große Schweizer, 1938, S. 325 ff. (Porträt);  L. Stähelin, A. G., Die Fam.bildnisse, in: Hauptwerke d. Kunstmus. Winterthur, 1949, S. 26 ff.;  E. Berckenhagen, Zeichnung u. Skizze im Werk A. G.s, in: SB d. Kunstgeschichtl. Ges. Berlin 1963/64;  ders., A. G., Zur Ausstellung in d. Nat.gal. in Berlin, in: Kunstchronik 16, 1963, S. 323 ff.;  ders., A. G. Krit. Kat. d. Werke, Dt. Ver. f. Kunstwiss. Berlin (in Vorbereitung)ThB.

    • Portraits

      Selbstbildnisse, u. a. 1765 u. 1794 (Dresden, Gem.gal.), Abb. b. Vogel, s. L;  1804 (Berlin-Charlottenburg, Nat.gal.), Abbildung(en) ebenda;  1809 (Leipzig, Mus. d. bildenden Künste), Abb. b. Waser, 1926, s L.

  • Autor

    Ekhart Berckenhagen
  • Empfohlene Zitierweise

    Berckenhagen, Ekhart, "Graff, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 729-730 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118697064.html

Graff, Anton

  • Leben

    Graff: Anton Graff, dessen Name sich häufig und selbst in amtlichen Schriftstücken auch Graf geschrieben findet, war einer der besten Maler seiner Zeit. Er wurde 1736 als der Sohn eines Handwerkers zu Winterthur geboren, bildete sich dort unter Joh. Ullrich Schellenberg zum Porträtmaler aus und wendete sich gegen 1756 nach Augsburg. Da die in letzterer Stadt bestehende Malerzunft ihm in der freien Ausübung seiner Kunst hinderlich wurde, ging er mit einer Empfehlung des Kupferstechers Haid nach Ansbach zu dem Hofmaler Schneider und half diesem in seiner fabrikmäßigen Herstellung von Porträts berühmter Persönlichkeiten; neben dieser Beschäftigung studirte er nach Rigaud und Kupetzky, von welchen sich Arbeiten in der Gallerie des Schlosses befanden. Um 1759 kehrte G. auf Haid's Veranlassung wieder nach Augsburg zurück. Das erste Bildniß, das er hier malte, war das Bause's, des nachmaligen berühmten Porträtstechers, der damals bei Haid arbeitete. Die beiden Künstler wurden Freunde und übten fortan ihr ganzes Leben hindurch den vortheilhaftesten Einfluß ans einander aus. G. fand in der Folge in Augsburg, wie auch in Regensburg, zahlreiche Aufträge, die seinen Namen immer bekannter machten. Zugleich wirkte eine Reise nach München, wie insbesondere ein Besuch der Schleißheimer Gallerie, sehr förderlich auf seine künstlerische Entwicklung ein. Auf Anregung des Generaldirectors v. Hagedorn wurde G. 1766 als Hofmaler und Mitglied der Akademie nach Dresden berufen. In letzterer Eigenschaft erhielt er einen Jahresgehalt von 400 Thlr. und erst 1789 erfolgte, mit der Ernennung zum Professor, eine Erhöhung des Gehaltes auf 700 Thlr. Immerhin muß er sich in Dresden wohl gefühlt haben, da er einen Ruf nach Berlin mit 1400 Thlrn. jährlicher Besoldung ausschlug. Der heitere und liebenswürdige Mann war in den Dresdener Kreisen, wie im Körner'schen Hause, gern gesehen und beliebt. Aufträge strömten ihm von allen Seiten zu und er entfaltete hier|eine erstaunliche Thätigkeit. Er malte zeitweilig in Berlin, wo er in der Tochter des Professors Sulzer seine Gattin fand, in Leipzig, wo er stets bei seinem Freunde Bause zu wohnen Pflegte, in Teplitz; auch an weiteren Ausflügen, wie nach Süddeutschland und in seine Schweizerheimath fehlte es nicht. Nach seinen eigenen Aufzeichnungen malte er in den J. von 1766—73 allein 943 Bilder; Einzelbildnisse und Familienstücke. Daneben copirte er viel nach älteren Meistern, nicht nur im Auftrag, wie für den russischen Hof, sondern insbesondere auch zu seinem Studium. Ebenso sind die vielen Silberstiftzeichnungen, die er fertigte, nicht unter obiger Zahl mitgerechnet; wie auch die landschaftlichen Arbeiten, zu denen er sich einige Male angeregt fühlte. Sein Hauptfach jedoch blieb immer die Porträtmalerei. Das Glück stellte ihm die bedeutendsten Männer seiner Zeit vor die Staffelei und in trefflicher Weise hat er uns die Züge eines Lessing, Herder, Schiller, Gellert, Mendelssohn, Weisse, Ramler, Sulzer, Spalding, Gluck, Chodowiecki überliefert. Am abgestorbenen Baum der bildenden Kunst jener Zeit war das Porträtfach der einzige Zweig, der noch grüne, lebenskräftige Sprossen trieb; unter den guten Malern, die jenes Fach damals besaß, war G. der beste. Seine Bildnisse haben einen geschichtlichen Charakter. Er belauscht die Individualität in ihrem unbewußten Sein und sucht dieselbe in ihrer Wesenheit zu erfassen, indem er sie so in fester Zeichnung und frischer kräftiger Farbe naturlebendig auf die Leinwand bannt. Seine zahlreichen Arbeiten kommen häufig vor, namentlich begegnet man denselben in Dresden, Leipzig und Winterthur. J. F. Bause, Geyser, F. Gregory, Rasp, Kohl, J. E. Haid, Kauke, G. W. Weise, Berger, Seyffert, Liebe, J. G. Müller, J. Friedrich, Rahl, Mansfeld, Lips, Stichling u. A. haben Bildnisse nach ihm gestochen. In der Dresdener Gallerie befinden sich drei eigenhändige Bildnisse des Künstlers, darunter eines in ganzer lebensgroßer Figur, welches er bei seiner Aufnahme in die Akademie gemalt hat. Ein vorzüglich gestochenes Blatt von dem berühmten J. G. Müller vom J. 1797 stellt ihn, vor der Staffelei sitzend, in halber Figur dar. J. E. Haid hat sein Kniestück geschabt, Brustbilder in Medaillonform sind von A. H. Riedel, J. R. Schellenberg, C. Fellner, D. Berger und einem Ungenannten vorhanden. G. hat auch selbst in Kupfer radirt und darunter sein eigenes Bildniß. Außerdem radirte er die Porträts des Professors Sulzer und des Kaufmanns Basse. G. starb zu Dresden 1813.

    Von den drei Kindern des Künstlers hat sich ein Sohn, Karl Anton Graff, geboren zu Dresden 1774, 1832, als Landschaftsmaler bekannt gemacht.

    • Literatur

      Nagler, Künstlerlex. Böttiger, Artist. Notizenbl.

  • Autor

    Clauß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Clauß, Carl, "Graff, Anton" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 565-566 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118697064.html?anchor=adb

Graff, Anton

Graff, Anton