Name
Alanus de Insulis
Namensvarianten
Alain <de Lille>; Alain <de Montpellier>; Alain <du Puy>; Alain <von Lille>; Alan <of Lille>; Alano <di Lilla>; Alanus <Anglicus>; Alanus <Insulensis>; Alanus <Magister>; Alanus <Magnus>; Alanus <Maistre>; Alanus <Porretanus>; Alanus <aus Lille>; Alanus <de Insulis>; Alanus <de Lille>; Alanus <de Monte Pessulano>; Alanus <de Podio>; Alanus <de Ryssel>; Alanus <van Ryssel>; Anticlaudianus; Insulis, Alanus ab; Lille, Alain de; Ollanus; Pseudo-Alanus <ab Insulis>
Lebensdaten
vermutlich vor 1128 bis 1202
Geburtsort
-
Sterbeort
-
Beruf/Lebensstellung
Theologe
Konfession
katholisch
Autor NDB
-
Autor ADB
Alberdingk Thijm.
GND
11864422X
ndb null

Alanus de Insulis

  • Leben

    Alanus de Insulis, geb. in oder bei Lille (Ryssel) nicht lange vor 1128, in Citeaux 1202, einer der größten Theologen und Gelehrten des 12. Jahrhunderts, daher Doctor universalis magnus genannt. Ueber seinen Lebensgang herrschen große Zweifel, denn was die älteren Schriftsteller darüber zu|sagen pflegen, beruht auf einer Verwechslung mit dem ebenfalls zu Lille erzogenen Alanus Flandrensis, Bischof von Auxerre, der als solcher resignirte und um 1183 zu Clairvaux starb und dessen wenige Schriften und Briefe bei Migne, Patrol. lat. tom. CCX mitgetheilt sind. Dagegen haben Dom Brial's Untersuchungen es wahrscheinlich gemacht, daß A. de Insulis dieselbe Person sei mit dem magister Alanus, der von den englischen Schriftstellern als Abt von Tewkesbury genannt wird. Zwar bezeichnen sie diesen als geborenen Engländer und wissen von seinem Tode in Citeaux nichts, während es aus einer Aeußerung des A. selbst feststeht, daß er von Lille stammte, und sein Tod in Citeaux durch sein dort bis in neueste Zeit vorhandenes Grab außer Zweifel steht. Gleichwol hat Dom Brial's Vermuthung große Wahrscheinlichkeit. Danach wäre dann — denn dies erzählen die engl. Nachrichten vom Abt von Tewkesbury — A. unter der Regierung der Söhne Rogers II. nach Sicilien gekommen, in Benevent Canonicus geworden, zur Zeit der Austreibung der Fremden aus dem sicilianischen Reich 1169 nach England gegangen, hätte vielleicht den Erzbischof von Canterbury zum Lateranischen Concil von 1179 begleitet (denn auf diesem lassen verschiedene Nachrichten A. de J. anwesend sein), wäre darauf zum Prior von Canterbury und vielleicht in Folge einer Ungnade des Königs zum Abt von Tewkesbury ernannt. Von dort also müßte er sich, etwa in Folge neuer Mißhelligkeiten, nach Frankreich begeben und in die Einsamkeit von Citeaux zurückgezogen haben.

    Seine gesammelten Werke wurden zuerst von de Visch zu Antwerpen 1653 herausgegeben, wiederholt von Migne in der Patrol. lat. tom. CCX. Ein Commentar über das Hohelied, mehrere Predigt-, Sentenz- und Spruchsammlungen; "Opusculum de sex alis Cherubim"; "Liber oenitentialis"; "Liber de planctu naturae contra Sodomiae vitium"; "De incarnatione Christi rhythmus"; "Doctrinale minus" oder "Liber parabolarum" (gleichfalls in Versen); "De arte seu articulis catholicae fidei libri quinque"; "Liber de distinctionibus dictionum theologicalium" und sodann die drei ihrer Zeit berühmtesten Werke: die "Commentaria in prophetias Merlini Angli", deren 3 erste Bücher eine Art Geschichte Englands bis auf Heinrich II. enthalten, was jedenfalls des Verfassers nahe Beziehungen zu England bezeugt; "De fide catholica contra haereticos sui temporis, praesertim Albigenses libri quatuor"; die beiden letzten Bücher sind gegen Juden und Mohamedan er gerichtet; das Werk ist Wilhelm VIII. von Montpellier, 1202, einem Sohn der Mathilde, gewidmet. Der älteste Druck der beiden ersten Bücher ist von 1612 (Paris). Und endlich der "Anticlaudianus, sive de officio viri boni et perfecti libri novem"; älteste Drucke Basel 1536 und Antwerpen 1611: ein Gedicht von einer für seine Zeit umfassenden encyclopädischen Gelehrsamkeit. Durch den Namen will der Verfasser sein Werk als das Widerspiel zu Claudianus' satyr. Gedicht "In Rufinum" bezeichnen, in dem die Laster sich verbünden, um die Tugend aus dem Reich zu vertreiben, während hier sich alle Tugenden des vollkommenen Mannes vereinen, um das Laster aus der Welt zu verbannen. Dies im Mittelalter berühmte Werk ist mehrfach commentirt worden.

    Dazu kommt dann noch, wenn es mit der Identität des A. de J. mit dem Abt von Tewkesbury seine Richtigkeit hat, die von diesem verfaßte Vita des Thomas von Canterbury nebst Briefen (herausgeg. von J. A. Giles, London 1846).

    • Literatur

      de Ram in der Biogr. nat. de Belg.

  • Autor

    Alberdingk Thijm.
  • Empfohlene Zitierweise

    Thijm, Alberdingk, "Alanus de Insulis" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 170-171 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11864422X.html?anchor=adb

Alanus de Insulis

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